{"id":1108,"date":"2015-10-31T21:00:37","date_gmt":"2015-10-31T20:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1108"},"modified":"2019-02-10T15:02:12","modified_gmt":"2019-02-10T14:02:12","slug":"schriftsteller-gruppensex-und-sprachmoerder-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1108","title":{"rendered":"Teil 4"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1182\" src=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/william-150x150.png\" alt=\"william\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<h1>Worauf kommt es an? Was wollen Schriftsteller? Was wollen Sexisten? Warum ist Sarah sauer?<\/h1>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Was bisher geschah: die deutschen Schriftsteller wissen nicht, ob sie sich weiterhin \u201eSchriftsteller\u201c oder lieber \u201eSchriftstellerinnen und Schriftsteller\u201c nennen sollen. Was w\u00e4re wenn?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Teil 4<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">(es gibt f\u00fcnf Teile)<\/p>\n<div><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wir sind alle gleich. Das hei\u00dft: Du bist so wie ich <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Namensgebung gibt bekannt, worauf jemand Wert legt. Also? Wie ist es? Worauf legen Schriftsteller besonderen Wert?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Verband der Schriftsteller will sich umbenennen. Er will einen neuen Namen. Wie w\u00fcrde der Name \u201eSchriftstellerinnen und Schriftsteller\u201c wirken? Wie w\u00fcrde im Vergleich dazu der Name\u00a0\u201eweibliche und m\u00e4nnliche Schriftsteller\u201c wirken? Wie w\u00fcrde man das verstehen? Das erkennen wir, wenn wir die Frauen- und M\u00e4nnerfrage kurz beiseite legen und uns die m\u00f6gliche Wirkung an einem anderen Beispiel klarmachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sich \u2013 und daf\u00fcr g\u00e4be es aus der Geschichte eine gewisse Berechtigung \u2013 eine Vereinigung vorstellen, die sich \u201eVerband ostdeutscher und westdeutscher Schriftsteller\u201c nennt. Damit w\u00e4ren Schriftsteller bezeichnet, die sich zwar zu einem Dachverband zusammengefunden haben, die aber gleichwohl betonen wollen, dass sie eigentlich aus zwei Untergruppen bestehen und dass sie sehr gro\u00dfen, ja allergr\u00f6\u00dften Wert auf die Bezeichnung \u201eostdeutsch\u201c bzw. \u201ewestdeutsch\u201c legen, weil sie meinen, dass erst damit ihr Schriftstellerdasein richtig und vollst\u00e4ndig beschrieben wird, so dass sie nicht ohne diesen Zusatz gesehen werden wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Berechtigt w\u00e4re so eine Bezeichnung aber nur, wenn sich sowohl die ostdeutschen als auch die westdeutschen Schriftsteller in diesem Punkt einig w\u00e4ren und wenn beide den Hinweis auf ihre ost- bzw. westdeutsche Besonderheit ganz, ganz wichtig f\u00e4nden. Es d\u00fcrfte nicht so sein, dass beispielsweise nur die Westdeutschen gesteigerten Wert darauf legten, den Ostdeutschen das jedoch egal w\u00e4re oder sie es lieber unerw\u00e4hnt lassen wollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1150\" src=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Duwillstes.png\" alt=\"Duwillstes\" width=\"200\" height=\"302\" srcset=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Duwillstes.png 200w, http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Duwillstes-199x300.png 199w, http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Duwillstes-99x150.png 99w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entsprechend verhielte es sich, wenn wir von \u201em\u00e4nnlichen und weiblichen Schriftstellern\u201c spr\u00e4chen. Das w\u00e4re nur akzeptabel, wenn es sowohl die m\u00e4nnlichen als auch die weiblichen Schriftsteller gleicherma\u00dfen wollten und beide gleicherma\u00dfen Wert darauf legten, ihrer Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit auszustellen und zu beleuchten. Wenn also \u2013 anders gesagt \u2013 beide Seiten gleicherma\u00dfen sexistisch w\u00e4ren in dem Sinne, wie ich Sexismus im ersten Teil beschrieben habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frauen haben nicht nur ein anderes, und zwar ein deutlich versch\u00e4rftes Interesse an einer Gruppenbildung, sie verstehen darunter auch etwas anderes. Es f\u00e4llt schon auf: Es sind die Frauen, von denen der Druck ausgeht, Gruppenbildungen, wie sie die Gleichstellungspolitik w\u00fcnscht, vorzunehmen und es sind die bockigen M\u00e4nner, die sich drehen und winden, aber eigentlich schon verf\u00fchrt sind, ohne dass sie es bemerkt haben. Es ist zu sp\u00e4t. In dem Moment, als das unverbindliche Plaudern \u00fcber Frauen und M\u00e4nner zur verbindlichen Politik versteinerte \u2013 das war im Jahre 1986, mit Rita S\u00fc\u00dfmuth als erster Bundesministerin f\u00fcr \u201eFrauen\u201c \u2013, wurde damit offiziell anerkannt, dass es die Gruppe \u201eder\u201c Frauen tats\u00e4chlich gibt. Damit gab es \u2013 Simsalabim \u2013 auch die Gruppe \u201eder\u201c M\u00e4nner, ob die einzelnen M\u00e4nner das wollten oder nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00e4nner neigen zur Gruppen- oder Bandenbildung. Doch sie tun es auf eine ganz andere Art als Frauen. Typische M\u00e4nnergruppen finden wir auf Schiffen, beim Sport, beim Milit\u00e4r, in der Musik. In solchen F\u00e4llen ist die Gruppe stets mehr als die Summe ihrer Einzelteile; der einzelne ist nicht austauschbar. Der Koch kann nicht Kapit\u00e4n sein, der Triangel-Spieler nicht Geiger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anders sieht es in typischen Frauengruppen aus. Quotenfrauen sind austauschbar. In einem Vorstand sind sie so wertvoll wie ein leerer Stuhl. In einem Orchester k\u00f6nnte der Triangel-Spieler problemlos durch eine Frau ersetzt werden, sofern sie das Instrument beherrscht und ihren Einsatz nicht verpatzt. Eine Frau k\u00f6nnte auch ohne Schwierigkeiten auf einem Schiff den Koch ersetzten, wenn sie kochen kann und nicht seekrank wird. Ein Professor an einer Universit\u00e4t kann jedoch keine Quotenstelle kriegen, die f\u00fcr Professorinnen vorgesehen ist, auch dann nicht, wenn er daf\u00fcr hervorragend qualifiziert ist. Das ist der Unterschied.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Offenbar bewerten M\u00e4nner und Frauen die Bedeutung einer Gruppe und die Bedeutung individueller Leistungen anders. F\u00fcr manche M\u00e4nner ist es nicht nachvollziehbar, dass sich eine Politik, die Frauen f\u00f6rdert, die sowieso schon privilegiert sind, als Politik \u201ef\u00fcr alle\u201c ausgeben kann. F\u00fcr manche Frauen wiederum ist das selbstverst\u00e4ndlich und entspricht ihrer Vorstellung von Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man sagt, dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte. Ich meine, dass tausend Worte etwas anderes sagen als ein einziges Bild. Wie auch immer. Schauen wir mal. Es folgt ein kleines St\u00fcckchen Prosa \u2013 zur Illustration:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"margin-left: 10px; background-color: lightgray; padding: 10px;\">\n<p>\u201cEs ist wirklich interessant mit Lady Westholme zu reisen\u201d, zwitscherte Frau Pierce zu Sarah.\u201cIst es?\u201d, sagte Sarah giftig, aber Frau Pierce entging der raue Ton, also\u00a0zwitscherte sie munter weiter.<\/p>\n<p>\u201cIch habe Ihren Namen so oft in der Zeitung gesehen. Es ist so klug von Frauen, in das \u00f6ffentliche Leben zu gehen und dort zu bestehen. Ich bin immer froh, wenn eine Frau etwas erreicht.\u201d<\/p>\n<p>\u201cUnd warum?\u201d, zischte\u00a0Sarah aufgebracht.<\/p>\n<p>Das traf Frau\u00a0Pierce unvorbereitet, sie stotterte ein wenig.\u2028\u201cOh, weil\u2026, ich meine\u2026, eben weil\u2026, nun, es ist sch\u00f6n, dass eine Frau in der Lage ist, Dinge zu tun.\u201d<\/p>\n<p>\u201cDas sehe ich anders\u201d, sagte Sarah. \u201cEs ist sch\u00f6n, wenn jeder Mensch etwas in seinem Leben erreicht, wonach es sich zu streben lohnt. Ob ein Mann oder eine Frau etwas erreicht, spielt doch gar keine Rolle. Warum sollte es eine Rolle spielen?\u2028\u201c<\/p>\n<p>\u201cNun, nat\u00fcrlich\u201d, sagte Frau Pierce, \u201cJa, ich sehe ein\u2026, nat\u00fcrlich, wenn man es in diesem Licht betrachtet \u2026\u201d Dabei wirkte sie etwas entgeistert.<\/p>\n<p>Sarah erg\u00e4nzte\u00a0etwas sanfter: \u201cEs tut mir leid, aber ich hasse diese Unterscheidung zwischen den Geschlechtern.\u00a0<em>\u2018Eine moderne Frau hat eine durch und durch gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfige Einstellung zum Leben\u2019<\/em>, diese Art von Weisheit. Das ist einfach falsch. Einige Frauen sind gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig, andere nicht. Manche M\u00e4nner sind sentimental und zerstreut, andere haben einen klaren Kopf und sind logisch. Es gibt einfach unterschiedliche Arten von Gehirnen. Geschlecht\u00a0spielt nur da eine Rolle, wo es um Sex geht.\u201d<\/p>\n<p>Bei \u201cGeschlecht\u201d err\u00f6tete Frau Pierce etwas und dann\u00a0wechselte sie geschickt das Thema. *<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sie kommen nicht zusammen. Das Wasser ist viel zu tief<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sexisten sollten eigentlich mit der Formel \u201eweibliche und m\u00e4nnliche Schriftsteller\u201c zufrieden sein (falls sie jemals zufrieden sind). Denn die Formulierung gen\u00fcgt dem Gleichstellungsgebot: beide Geschlechter werden ausdr\u00fccklich genannt, keine Gruppe ist \u201enur mitgemeint\u201c. Damit w\u00e4re das erreicht, was Sexisten \u2013 angeblich \u2013 wollen; denn sie wollen ja, dass bei jeder Gelegenheit die Duftmarke der Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit hinterlassen wird. Und sie wollen, dass die Gruppen \u201egleich\u201c sind. Sie sind aber nicht zufrieden. Sie wollen mehr. Sexisten f\u00fchlen sich ja dem anderen Geschlecht grunds\u00e4tzlich \u00fcberlegen und wollen nicht mit zweitklassigen Menschen gleichgestellt werden. Sie wollen die Trennung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die fr\u00fchen Feministen hatten die Formel \u201eEine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad\u201c. Die M\u00f6glichkeit einer Gemeinsamkeit von Mann und Frau; ja, allein schon die Existenz einer Sph\u00e4re, in der sich beide aufhalten und gewinnbringend f\u00fcr beide Seiten aufeinander beziehen, lag damit jenseits ihres Vorstellungsverm\u00f6gens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die sp\u00e4ten Feministen bescherten uns den Lesbenfriedhof. Er verk\u00f6rpert nicht etwa \u2013 wie beim Eheversprechen \u2013 das Gebot einer Treue \u201ebis der Tod euch scheidet\u201c, sondern im Gegenteil das Beharren auf der Unvers\u00f6hnlichkeit der Geschlechter \u00fcber den Tod hinaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deshalb wollen Sexisten die Innen-Form. Sie bringt die Trennung. Sie ist die gro\u00dfe Axt, die alles Gemeinsame zerteilt. Sie macht aus einer Gruppe zwei. Das ist der Unterschied zu Formulierungen wie \u201eSchriftsteller einschlie\u00dflich der Schriftstellerinnen\u201c oder \u201eweibliche und m\u00e4nnliche Schriftsteller\u201c. Da bliebe die Einheit der Schriftsteller erhalten. Mit dem Plural \u201eSchriftsteller\u201c w\u00e4ren in beiden F\u00e4lle alle gemeint. Egal ob weiblich oder m\u00e4nnlich. Genau das will der Sexist nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit der Bezeichnung \u201eweibliche Schriftsteller\u201c konnte man immer schon \u2013 wenn man es unbedingt wollte \u2013 eine Gruppe von Schriftstellern bezeichnen, die ausschlie\u00dflich aus Frauen besteht. Doch wer wollte das?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass die Formulierung \u201eweibliche Schriftsteller\u201c in unseren Ohren fremd klingt, hat einen einfachen Grund: Wir haben bisher nicht so geredet. Dass wir es nicht getan haben, hat ebenfalls einen einfachen Grund: Wir wollten es nicht. Wir brauchten keine Innen-Form. Es ging auch so. Wir brauchen sie auch heute nicht. Wir haben fr\u00fcher allein schon deshalb nicht von \u201eweiblichen und m\u00e4nnlichen Schriftstellern\u201c geredet, weil es dazu keine Veranlassung gab. Welche gibt es heute?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stellen wir uns vor, es g\u00e4be eine Studie, die den Arbeitsalltag von Schriftstellern untersucht und der Frage nachgeht, welche Tageszeiten bevorzugt werden. Wenn man dabei \u2013 aber warum eigentlich? Eben das ist die entscheidende Frage! \u2013 Frauen und M\u00e4nner getrennt betrachtet, k\u00e4men S\u00e4tze heraus wie \u201eweibliche Schriftsteller sch\u00e4tzen die Morgenstunden, m\u00e4nnliche Schriftsteller neigen eher zu Nachtschichten\u201c. Oder umgekehrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Egal. So h\u00e4tte man Belanglosigkeiten korrekt formuliert. So eine Studie w\u00e4re nicht besonders aussagekr\u00e4ftig. Sie k\u00f6nnte auch zu einem anderen Ergebnis kommen. Aber immerhin: In so einem k\u00fcnstlichen Arrangement w\u00e4ren die Formulierungen angebracht. Sonst nicht. Oder f\u00e4llt jemandem ein Beispiel ein?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So eine Studie gab es nicht. Deshalb wurden auch solche Formulierungen nicht gebraucht. Wozu? Man h\u00e4tte damit nur bedeutungslose Nebens\u00e4chlichkeiten, aus denen nichts folgt, erforschen und beschreiben k\u00f6nnen. Da gab es aber nichts zu erforschen und zu beschreiben, das von Belang ist. Da ist immer noch nichts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das wird auch nicht anders, wenn wir statt von \u201eweiblichen Schriftstellern\u201c von \u201eSchriftstellerinnen\u201c sprechen und statt von \u201eweiblichen Schriftstellern, die im Unterschied zu m\u00e4nnlichen Schriftstellern fr\u00fch aufstehen\u201c von \u201eFr\u00fchaufsteherinnen und Fr\u00fchaufstehern\u201c. Mehr als bedeutungsloses Geraune gibt es auch dann nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Politiker sehen das anders. Sie gehen davon aus, dass es sehr wohl Unterschiede gibt. Darauf beruht das so genannte Gender Meinstreaming. Dazu gibt es eine Strategie:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<div style=\"margin-left: 10px; background-color: lightgray; padding: 10px;\">\n<p><strong>Strategie &#8222;Gender Mainstreaming&#8220;<\/strong>Geschlechtergerechtigkeit bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und M\u00e4nnern zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn, so hei\u00dft es weiter: &#8230; die Gleichstellungspolitik<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"margin-left: 10px; background-color: lightgray; padding: 10px;\">&#8230; basiert auf der Erkenntnis, dass (&#8230;) M\u00e4nner und Frauen in sehr unterschiedlicher Weise von politischen und administrativen Entscheidungen betroffen sein k\u00f6nnen.<\/div>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Aha. Es gibt sogar \u201esehr\u201c gro\u00dfe Unterschiede. Welche m\u00f6gen das sein? Benannt werden sie nicht. Sie werden behauptet. Sie sind wichtig. Sehr wichtig sogar. Sie begr\u00fcnden die Trennung zwischen Mann und Frau. Die haben wir nun. Nun sind wir getrennt und wir sollen nicht wieder zusammenkommen, weil wir so unsagbar verschieden sind in allen unseren Lebenssituationen und Interessen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sollten wir nicht wenigstens versuchen, dar\u00fcber zu reden? Vielleicht k\u00f6nnen wir uns in Wirklichkeit viel besser \u00fcber unsere angeblich so zutiefst unterschiedlichen Lebenssituationen verst\u00e4ndigen, als Politiker sich das vorstellen. Vielleicht entdecken wir gerade da gemeinsame Interessen, wo Politiker die vielen Unterschiedlichkeiten, die sie auch nicht n\u00e4her erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, einfach voraussetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir sind getrennt. Jetzt m\u00fcssen wir die Trennung immer schon gewollt haben<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn wir heute die \u201egeschlechtergerechte Sprache\u201c verwenden sollen, dann ist das kein nett gemeinter Vorschlag, es ist in vielen F\u00e4llen eine strenge Vorschrift. \u201eStudenten\u201c soll man nicht sagen, weil es neuerdings als m\u00e4nnliche Form gilt (was in den Augen der Feministen eine Benachteiligung der Frauen ist), \u201eStudentinnen und Studenten\u201c ist m\u00fchsam, wie man in der Schweiz sagen w\u00fcrde, und so wird die Bezeichnung \u201eStudierende\u201c durchgedr\u00fcckt, obwohl sie sachlich falsch ist. Sie wird einfach verordnet. Koste es, was es wolle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn da jemand von \u201eweiblichen und m\u00e4nnlichen Studenten\u201c spr\u00e4che, w\u00e4re es den Sprach-Diktatoren gar nicht recht. Dabei lie\u00dfe es sich gut zu \u201ew\/m Studenten\u201c oder zu \u201eWM Studenten\u201c abk\u00fcrzen, was viel eleganter w\u00e4re als die \u201eSchriftstellerInnen\u201c oder \u201eSchriftsteller\/innen\u201c und was sich auch besser aussprechen lie\u00dfe. Was spricht dagegen? Warum steht es gar nicht erst zur Diskussion? Weil es nicht die Einheit der Studentenschaft zerschl\u00e4gt und nicht die Trennung behauptet. Darum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es bleibt dabei. Mit der Innen-Form wird die Trennung betont und symbolisch die M\u00f6glichkeit einer Vereinigung der Geschlechter abgestritten. Mehr nicht. Die Innen-Form hat keine weiteren Inhaltsstoffe. F\u00fcr die Trennung werden nach wie vor keine Gr\u00fcnde genannt. Was sollen das auch f\u00fcr Gr\u00fcnde sein? Sie liegen allein in der Befindlichkeit der Sexisten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schriftstellerin Eva Musterfrau und der Schriftsteller Adam Mustermann haben in Hinblick auf ihre schriftstellerische Arbeit ausschlie\u00dflich Gemeinsamkeiten. Trennendes gibt es nur jenseits ihrer schriftstellerischen T\u00e4tigkeit. Wenn man nachfragen w\u00fcrde, worin denn nun die Unterschiede zwischen \u201eden\u201c M\u00e4nnern und \u201eden\u201c Frauen bei Schriftstellern liegen, k\u00e4men dieselben Banalit\u00e4ten hervor, die bisher nicht der Rede Wert waren \u00ad\u2013 und es heute auch nicht sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Innen-Formen sind die b\u00f6sen Tr\u00e4ume von Sexisten, die sich st\u00e4ndig neue Innenr\u00e4ume w\u00fcnschen. Doch die R\u00e4ume sind hohl. Sie haben keinen Inhalt. Kein Leben. In den vielen, neu geschaffenen Innenr\u00e4umen ist es kalt und dunkel. Diese Innenr\u00e4ume sind nichts weiter als virtuelle Frauenparkpl\u00e4tze, virtuelle Frauenbuchl\u00e4den, virtuelle Lesbenfriedh\u00f6fe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sollte \u201eVSS Schriftstellerinnen und Schriftsteller\u201c tats\u00e4chlich der neue Name des Verbandes werden \u2013 was dann? Dann w\u00fcrde damit ein Bekenntnis zur Verlogenheit der Politikersprache abgelegt. Dann w\u00fcrde damit deutlich gemacht, dass Schriftsteller nicht besonders gut mit Sprache umgehen k\u00f6nnen. Der Verband w\u00fcrde wie ein Verein wirken, der sich um korrekte Rechtschreibung k\u00fcmmern will und auf seiner Visitenkarte mehrere Rechtschreibfehler h\u00e4tte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er wirkte wie ein Gesangverein, der sich \u201eDisharmonia\u201c nennt. Der Verband schriebe sich damit ein deutliches \u201eJa\u201c zu stilistischer Unbeholfenheit auf seine Fahne, die er als Preis f\u00fcr das Bekenntnis zum Sexismus zahlt. Er w\u00e4re wie ein Veranstalter von Marathonl\u00e4ufen, der eine Kr\u00fccke und einen Bikini im Logo f\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es gibt noch einen <a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1110\">f\u00fcnften<\/a><\/strong> (und letzten) <strong>Teil<\/strong>. Da geht es um die grunds\u00e4tzliche Frage, ob das grammatische und das nat\u00fcrliche Geschlecht eins sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum <strong><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1105\">dritten Teil<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum <strong><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1091\">zweiten Teil<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum <strong><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1080\">ersten Teil<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnote<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Haydn3.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1044\" src=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Haydn3-150x150.jpg\" alt=\"Haydn3\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>* Der Text ist ein Ausschnitt aus \u201aAppointment with Death\u2019 (\u201aDer Tod wartet\u2019) von Agatha Christie aus dem Jahre 1938. Den Hinweis verdanke ich \u201aScienceFiles\u2019 Kritische Wissenschaft \u2013 Critical Science.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p> Worauf kommt es an? Was wollen Schriftsteller? Was wollen Sexisten? Warum ist Sarah sauer? <\/p>\n<p>Was bisher geschah: die deutschen Schriftsteller wissen nicht, ob sie sich weiterhin \u201eSchriftsteller\u201c oder lieber \u201eSchriftstellerinnen und Schriftsteller\u201c nennen sollen. 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