{"id":1110,"date":"2015-10-31T20:00:15","date_gmt":"2015-10-31T19:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1110"},"modified":"2015-11-02T21:22:18","modified_gmt":"2015-11-02T20:22:18","slug":"schriftsteller-gruppensex-und-sprachmoerder-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1110","title":{"rendered":"Teil 5"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1182\" src=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/william-150x150.png\" alt=\"william\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<h1>Deutsche Schriftsteller in der Krise. Wie sollen sie sich nennen? Wie ist ihr Verh\u00e4ltnis zur Natur und zur Grammatik? Wann stirbt das letzte Einhorn?<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was bisher geschah: Der Verband \u201eVS Schriftsteller\u201c erw\u00e4gt, sich umzubenennen in \u201eVSS Schriftstellerinnen und Schriftsteller\u201c. In bisher vier Teilen ging es darum, wie sich schriftstellerische Arbeit und Gleichstellungspolitik vertr\u00e4gt, bzw. eben gerade nicht vertr\u00e4gt: Die Gleichstellungspolitik bringt n\u00e4mlich eine Vorstellung von Sprache mit sich, die drei Gebote kennt: 1. Das nat\u00fcrliche und das grammatische Geschlecht sind eins! 2. Es gibt keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit! 3. Der Plural hat ein Geschlecht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Teil gipfelt in einem Aufruf an die Schriftsteller, sich nicht umzubenennen. Tut es nicht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Teil 5<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">(letzter Teil)<\/p>\n<p><strong>Es soll kein Sammeltaxi geben<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Sprachfeminismus verlangt gro\u00dfe Opfer von uns. Wir m\u00fcssen unser Sprachempfinden stets aufs Neue \u00fcberstrapazieren, wenn wir uns den Qu\u00e4lgeisterinnen und Qu\u00e4lgeistern f\u00fcgen und uns dabei den drei Geboten der sexistischen Sprache unterwerfen wollen. Es gelingt sowieso nicht. Die geschlechtergerechte Sprache, die auf Doppelnennungen oder angeh\u00e4ngten Innen-Schw\u00e4nzen besteht, stellt Anspr\u00fcche, die \u00fcberhaupt nicht erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Wie sieht es mit folgendem Satz aus: \u201eFrauen sind die besseren Autofahrer\u201c? Kann man das noch so sagen oder muss es \u201eAutofahrerinnen und Autofahrer\u201c hei\u00dfen? Nein? Dann eben nicht. Nicht so schlimm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlimm ist, dass wir der Doppelnennung alle Begriffe opfern sollen, die etwas <strong>Gemeinsames<\/strong> bezeichnen. So erkl\u00e4rt sich auch die Feindschaft gegen das so genannte generische Maskulinum (\u201edie Schriftsteller\u201c, \u201edie Autofahrer\u201c, \u201edie Fu\u00dfg\u00e4nger\u201c &#8230;), das nicht nur deshalb ausgerottet werden soll, weil es irgendwie m\u00e4nnlich wirkt und deshalb den m\u00e4nnerfeindlichen Feministen ein Dorn im Auge ist, sondern weil es eine <strong>neutrale Sammelstelle<\/strong> sein will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Frauenbewegung in T\u00fcbingen forderte in den achtziger Jahren ein eigenes Frauentaxi. Die Busverbindungen waren nicht ausreichend, ein normales Taxi war ihnen zu teuer. Die Stadt bot schlie\u00dflich einen Kompromiss an: ein spezielles Sammeltaxi, das in den Nachtstunden verkehren sollte. Das wollten die Frauen nicht. In so einem Taxi k\u00f6nnten ja M\u00e4nner mitfahren. Sie protestierten mit dem Gedicht: \u201eSammeltaxi, das ist fein -\/ der Vergewaltiger steigt mit ein.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also kein Sammeltaxi. Keine Sammelstellen f\u00fcr alle. Die sollte es nicht mehr geben. Nicht in T\u00fcbingen, nicht im Rest der Welt. Nicht in der Wirklichkeit. Nicht in der Sprache. Neutrale Begriffe sollen durch das zweigeteilte Modell \u201eInnen-Form\/nicht-Innen-Form\u201c ersetzt werden, durch das \u201eduale System\u201c der so genannten ZweiGenderung, mit der \u00fcberall der <strong>Keil der Trennung<\/strong> in bestehende Gemeinschaften getrieben wird, als sollten wir alle verpflichtet werden, ein Bild von der Welt anzuerkennen, das aussieht wie das zerrissene Foto von einem Ehepaar, das inzwischen geschieden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie sehr uns ein geschlechtsneutraler Sammelbegriff fehlt, haben wir im dritten Teil an der Frage gesehen, welche Gruppe wir Herta M\u00fcller zuordnen wollen. Wenn sich der Verband der Schriftsteller tats\u00e4chlich in VSS umbenennen w\u00fcrde, st\u00fcnde er dumm da. Ich sehe schon vor meinem geistigen Auge die Schlagzeilen der Sp\u00f6tter-Presse:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"margin-left: 10px; background-color: lightgray; padding: 10px;\">\n<p><strong>Die deutschen Schriftsteller haben ihre Gemeinsamkeit aufgek\u00fcndigt.<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die deutschen Schriftsteller wissen nicht mehr, wie man einen Plural bildet.<\/strong><\/p>\n<div><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schriftsteller, die noch bei Trost sind, meiden die Innenform in allen Varianten (siehe dazu auch den Teil 4), ein Binnen-I kommt in ihrer Prosa gar nicht vor. In H\u00f6rb\u00fcchern sowieso nicht \u2013 kleiner Scherz. Allerdings kein guter. Es gibt tats\u00e4chlich \u00dcberlegungen, wie man durch besondere Betonungen ein Binnen-I h\u00f6rbar machen kann. Man k\u00f6nnte sich da an einer Aussprache mit Schnalzlauten, wie man sie von den Xhosa kennt, orientieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Scherz beiseite. Es bleibt dabei: Schriftsteller k\u00f6nnen es grunds\u00e4tzlich nicht akzeptieren, dass der Plural ein Geschlecht haben soll und dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt. Das ist nicht verhandelbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oder doch? Die \u00dcberlegung des Schriftstellerverbandes, einen neuen Namen anzunehmen, um damit eine Gleichstellung auch unter Schriftstellern anzuzeigen, zeigt Verhandlungsbereitschaft und signalisiert ein Entgegenkommen an die Politik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gleichstellungspolitik besteht darauf. Denn so eine Politik kann es nur geben, wenn man sich vorstellt, dass der Plural ein Geschlecht hat. Gleichstellungspolitik arbeitet grunds\u00e4tzlich gruppenbezogen, sie sortiert die Gruppen nach \u201em\u00e4nnlich\u201c und \u201eweiblich\u201c und <strong>weist ihnen als erste Ma\u00dfnahme ein Geschlecht zu<\/strong>. Daraufhin werden die Gruppen im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit gleichgestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es kommt noch schlimmer. Wenn der Plural ein Geschlecht haben soll, muss ein strenges Reinheitsgebot angewendet werden. Es m\u00fcssen zu 100% reine Gruppen sein \u2013 rein m\u00e4nnlich oder rein weiblich. Sonst kann man ihnen kein Geschlecht zuweisen. Die Gruppen d\u00fcrfen keinesfalls gemischt sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wo gibt es solche Gruppen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Utopie der Gleichstellungspolitik. Sonst nicht. Die Gleichstellungspolitik erschafft solche Gruppen erst und verlangt, dass in Zukunft noch mehr davon geschaffen werden \u2013 beispielsweise die Gruppe der rein weiblichen Quotenfrauen, die der rein weiblichen Gleichstellungsbeauftragten, die wiederum nur von Frauen gew\u00e4hlt werden d\u00fcrfen, oder die rein weibliche Gruppe der Nutznie\u00dferinnen des Professorinnen-Programmes. Am einflussreichsten war und ist vermutlich der rein weibliche Deutsche Juristinnenbund e.V., der die Zerst\u00f6rung der Familien in den Gerichtss\u00e4len vorantreibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Keine Widerrede: Die \u201eB\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger\u201c m\u00f6gen das. Die Politiker gehen davon aus. Sie beschreiben uns als verbl\u00f6dete Masse, denen man jedwede sprachliche Dummheit bieten kann. Sie glauben tats\u00e4chlich, dass wir beeindruckt sind von der Zielgenauigkeit (!) und von der Qualit\u00e4t (!), die unsere Politiker an den Tag legen. Dadurch wird die Akzeptanz (!) erh\u00f6ht. Wenn nicht, dann hilft das Gesetz nach. Sehen wir selber \u2013 und achten wir auf die Erkenntnis (!), auf der das alles gegr\u00fcndet ist:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"margin-left: 10px; background-color: lightgray; padding: 10px;\">\n<p><strong>Strategie &#8222;Gender Mainstreaming&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Vorgehen, f\u00fcr das sich international der Begriff &#8222;Gender Mainstreaming&#8220; etabliert hat, basiert auf der Erkenntnis, dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt (&#8230;) Das Leitprinzip der Geschlechtergerechtigkeit verpflichtet die Politik, Entscheidungen so zu gestalten, dass sie zur F\u00f6rderung einer tats\u00e4chlichen Gleichberechtigung der Geschlechter beitragen. Ein solches Vorgehen erh\u00f6ht nicht nur die Zielgenauigkeit und Qualit\u00e4t politischer Ma\u00dfnahmen, sondern auch die Akzeptanz bei B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern.<\/p>\n<p><strong>Rechtliche Vorgaben<\/strong><\/p>\n<p>Verpflichtungen zur Umsetzung einer effektiven Gleichstellungspolitik im Sinne des &#8222;Gender Mainstreaming&#8220; ergeben sich sowohl aus dem internationalen Recht als auch aus dem nationalen Verfassungsrecht.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es soll niemand sagen k\u00f6nnen, wir h\u00e4tten es nicht gewusst. Wir wissen es, wollen es aber nicht wahrhaben: Wir werden von einem totalit\u00e4ren, sexistischen Staat regiert, der sich in <strong>alle<\/strong> Lebensbereiche einmischt und schon eine be\u00e4ngstigende Machtvollkommenheit erreicht hat. So eine Politik hat es nicht n\u00f6tig, sich hinter einem Schleier zu verstecken, sie sagt es offen: \u201e &#8230; basiert auf der Erkenntnis\u201c! Erkenntnis? Ist das eine Erkenntnis?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nein. Das wissen die Politiker selber. Sie betr\u00fcgen vors\u00e4tzlich \u2013 mit Ansage. Oder wie der Schwabe sagen w\u00fcrde: mit Flei\u00df. Sie wissen, dass wir kuschen, und dass es niemand wagen wird, sie zu kritisieren. Ihnen geh\u00f6rt die Sprache. Sie bestimmen, was eine \u201eErkenntnis\u201c ist. Sie bestimmen, wie wir zu reden haben. Das machen wir dann auch brav und wir erkennen die ansteckende Krankheit nicht, die wir damit verbreiten. Dazu fehlt uns wiederum die Erkenntnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielleicht ist es f\u00fcr manche von uns zu sehr schwer anzuerkennen, dass sich die Aufmerksamkeit der anderen auch noch auf etwas anderes als auf uns pers\u00f6nlich richten k\u00f6nnte. Vielleicht glauben manche von uns wirklich, dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt, weil sie alles, was \u00fcber sie hinausgeht, gar nicht sehen, nicht sehen k\u00f6nnen. Damit w\u00e4ren sie \u00fcberfordert. Das ahnte schon Friedrich Nietzsche: \u201eNichts wird dem Menschen schwerer, als eine Sache unpers\u00f6nlich zu fassen: ich meine, in ihr eben eine Sache und <em>keine Person<\/em> zu sehen.\u201c Manche k\u00f6nnen es offenbar nicht. Solche Leute sollten sich lieber aus der Politik heraushalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gibt es ein Einhorn im richtigen Leben? Schafft Sprache Wirklichkeit?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinter all den \u00dcberlegungen zur richtigen Benennung steht die zentrale Frage, die im ersten der drei Gebote formuliert ist: Ist das grammatische Geschlecht mit dem nat\u00fcrlichen Geschlecht gleichzusetzen? Ja oder Nein?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn wir diese Frage mit \u201eNein\u201c beantworten, dann ist die Debatte an dieser Stelle beendet, die Schriftsteller h\u00e4tten keine Sorgen mehr, sie k\u00f6nnten weiterschreiben wie bisher, k\u00f6nnten bei ihrem traditionellen Namen bleiben und k\u00f6nnten zufrieden sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Politiker w\u00e4ren aber nicht zufrieden. Denn die Politik der Gleichstellung, die angestrengt versucht, eine k\u00fcnstliche Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern durch Quotenregelungen und Sprachvorschriften zu erzwingen, funktioniert nur, wenn man das grammatische und das nat\u00fcrliche Geschlecht gleichsetzt und so tut, als ginge es nicht um Worte, sondern um Menschen. Manche k\u00f6nnen sich das nicht anders vorstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn die als \u201em\u00e4nnlich\u201c definierten Sprachformen ausgemistet werden, dann steckt dahinter nicht etwa ein Gef\u00fchl <em>f\u00fcr<\/em> Sprache, sondern ein Gef\u00fchl <em>gegen<\/em> M\u00e4nner \u2013 gegen M\u00e4nner aus der wirklichen Welt. Wenn man die weiblichen Formen verbreiten will, dann wird so getan, als h\u00e4tte man damit etwas Gutes f\u00fcr Frauen in der wirklichen Welt getan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So wie in dem Film vom letzten Einhorn den Kindern erz\u00e4hlt wird, dass ein Einhorn stirbt, wenn das Kind nicht mehr an das Einhorn glaubt, so wird den M\u00e4nnern erz\u00e4hlt, dass eine Frau weint, wenn ein Mann nicht konsequent die Innen-Form verwendet. In so sch\u00f6nen Worten wird es nat\u00fcrlich nicht gesagt, es hei\u00dft vielmehr, dass Frauen \u201ediskriminiert\u201c, dass sie \u201emarginalisiert\u201c, dass sie \u201eunsichtbar gemacht\u201c werden. Ihnen wird mit Sprache \u201eGewalt angetan\u201c, sie werden mit Sprache \u201evergewaltigt\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es sind nicht meine Worte. So sagen es Luise F. Pusch und Senta Tr\u00f6mel-Pl\u00f6tz. Das klingt, als h\u00e4tte sich Loriot diese Namen ausgedacht, doch so ist es nicht. Es ist auch nicht lustig. Die Vorw\u00fcrfe stehen immer noch im Raum. Es sind heftige Vorw\u00fcrfe. Sie funktionieren nur unter der Voraussetzung, dass man eine Gleichheit von grammatischem und nat\u00fcrlichem Geschlecht annimmt. Daran muss man glauben. Deshalb wird es immer wieder behauptet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl es nicht so ist. Arthur Br\u00fchlmeier hat schon vor Jahren auf diesen verh\u00e4ngnisvollen Irrtum hingewiesen. Egal. Genau dieser Irrtum ist nach wie vor die Grundlage f\u00fcr den Sprachfeminismus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Ich nehme an, dass Schriftsteller den kleinen Text von Br\u00fchlmeier kennen, falls nicht, hier ist der link: \u201a<a href=\"http:\/\/www.bruehlmeier.info\/sprachfeminismus.htm\">Sprachfeminismus in der Sackgasse<\/a>\u2019).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sexisten sind gef\u00e4hrliche Pantoffelhelden<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ist los? Wie kann es sein, dass <strong>gleichzeitig zwei Auffassungen nebeneinander<\/strong> existieren, obwohl nur eine von beiden richtig sein kann? Und wie kann es sein, dass die Auffassung, das nat\u00fcrliche und das grammatische Geschlecht seien gleich, mehr und mehr Anh\u00e4nger gewinnt, obwohl sie falsch ist?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weil es Sexisten sind, die so denken. Besser gesagt: so f\u00fchlen. Bei ihnen steht Sex an erster Stelle. Nicht die Suche nach Wahrheit oder ein intellektueller Anspruch. Ein Sexist ist fertig mit seiner Weltanschauung. Er will keine andere.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man kann nicht mit ihm diskutieren. Wenn man ihm erkl\u00e4rt, dass das grammatische und das nat\u00fcrliche Geschlecht zwei Paar Schuhe sind, sagt er: \u201eIch will nur ein Paar. Die anderen Schuhe passen mir nicht\u201c. Wenn man ihm mit Objektivit\u00e4t kommt, kommt er mit Subjektivit\u00e4t. Es st\u00f6rt ihn nicht, dass die Schuhe, die er hat, billige Pantoffeln sind. F\u00fcr seine Innenwelt reicht es.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Verband der Schriftsteller ist eine recht ger\u00e4umige Anlaufstelle, er bietet Platz f\u00fcr Autoren, die hermetische Texte schreiben und f\u00fcr K\u00fcnstler, die das Ungef\u00e4hre m\u00f6gen und sich auf schwer zug\u00e4ngliche Lyrik spezialisiert haben. Das alles gibt es. Das soll es auch geben. Wenn nun aber jemand eine Formulierung vorschl\u00e4gt, die f\u00fcr alle gelten soll, dann muss er seine Eigenwelt verlassen k\u00f6nnen und sich auf einen allgemeinen Nenner einlassen. Er muss in der Lage sein zu argumentieren. Dann reicht ein Satz wie \u201eIch f\u00fchle es aber so\u201c nicht. Auch nicht: \u201eIch h\u00f6re Stimmen von fremden M\u00e4chten aus der Politik, denen ich mich f\u00fcgen muss.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir leben in einer Zeit, in der Sexismus staatstragend geworden ist; in einer Zeit, in der weibliche Sexisten offiziell gef\u00f6rdert werden und m\u00e4nnliche Sexisten versuchen, wenigstens eine kleine Scheibe von der Wurst abzukriegen. Deshalb gibt es so viele Sexisten. Deshalb findet ihre Sichtweise so unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfe Verbreitung. Das hei\u00dft jedoch nicht, dass ihre Vorstellung von Sprache richtig ist. Ist sie nicht. Sie ist nach wie vor falsch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Verwechslung von grammatischem und nat\u00fcrlichem Geschlecht bringt einen ganzen Rattenschwanz von Problemen mit sich. Es gibt n\u00e4mlich <strong>drei grammatische<\/strong> Geschlechter \u2013 der, die, das \u2013, jedoch nur <strong>zwei biologische<\/strong>. Damit wird aus einer dreidimensionalen Sicht der Welt eine zweidimensionale. Wie wird das Problem gel\u00f6st?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wird einfach behauptet, dass es \u201ekeine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt\u201c. Das sagen sie deutlich genug. Sie verk\u00fcnden es im Brustton der \u00dcberzeugung. Sie sagen tats\u00e4chlich (und stellen damit M\u00f6glichkeit und Wirklichkeit gleich), dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit \u201egibt\u201c, obwohl sie eigentlich \u201egeben m\u00f6ge\u201c sagen m\u00fcssten oder \u201ein Zukunft nicht mehr geben d\u00fcrfe\u201c, denn noch gibt es gewisse Reste von Neutralit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch. Sie werden nach und nach abgeschafft. Neutralit\u00e4t gilt heute nicht mehr als neutral, sondern als typisch m\u00e4nnlich. Wie Objektivit\u00e4t. Deshalb werden neuerdings beide Begriffe reflexartig mit dem Beiwort \u201evermeintlich\u201c versehen, man spricht also von \u201evermeintlicher Objektivit\u00e4t\u201c, von \u201evermeintlicher Neutralit\u00e4t\u201c oder von \u201evermeintlichen biologischen Tatsachen\u201c und nimmt den Begriffen damit ihre Bedeutung. Nat\u00fcrlich darf auch der Plural, wie wir gesehen haben, nichts Neutrales mehr an sich haben und muss entweder weiblich oder m\u00e4nnlich sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn es keine Neutralit\u00e4t geben darf, dann muss auch das \u201edas\u201c weg. Dann muss ein Kind, zu dem man fr\u00fcher unbefangen \u201edas Kind\u201c gesagt hat, so fr\u00fch wie m\u00f6glich sexualisiert werden, damit man es entweder als m\u00e4nnlich oder als weiblich ansehen kann, es darf jedenfalls nicht l\u00e4nger Neutrum (<em>ne-utrum<\/em>, also keins von beiden) sein. Dann steht auch Gott nicht mehr jenseits von irdischen Geschlechterfragen, dann ist Gott weiblich und ist eine Freundin von Margot K\u00e4\u00dfmann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schriftsteller haben es vers\u00e4umt, sich schon in den Anf\u00e4ngen gegen die hinterh\u00e4ltigen Angriffe auf die Muttersprache zu wehren. Sie haben sich zurichten lassen wie der ber\u00fchmte Frosch, der sich bei lebendigem Leibe kochen lie\u00df, der allerdings sofort aus dem Topf gesprungen w\u00e4re, wenn er sofort mit dem hei\u00dfen Wasser in Ber\u00fchrung gekommen w\u00e4re. So war es nicht. Das Wasser wurde langsam immer hei\u00dfer und der Frosch hat den Absprung verpasst. Dann war es zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ist es nun zu sp\u00e4t f\u00fcr ein klares \u201eNein\u201c gegen die VSS-Form? Trauen sich die Schriftsteller inzwischen nicht mehr, einem Politiker oder gar einer Frau zu widersprechen? Lassen sie sich freiwillig zu Bazillentr\u00e4gern einer sexistischen Weltanschauung machen, zu der sie sich bei jeder Pluralbildung bekennen m\u00fcssen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich im ersten Teil sagte: \u201eGleichstellung und Schriftsteller \u2013 das geht gar nicht\u201c, war das ernst gemeint. Es geht wirklich nicht. Schriftsteller k\u00f6nnen die drei Gebote nicht akzeptieren, sie k\u00f6nnen sich dem gruppenbezogenen Denken nicht unterwerfen \u2013 und sie sollten keine Sexisten sein. Sie sollten ihr Sprachgef\u00fchl nicht verraten wie jemand, der aus Angst vor dem Tod Selbstmord begeht. Es geht um die Substanz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schriftsteller sollten weiterhin versuchen, so gut es geht, auf eigene Faust die Wirklichkeit mit sprachlichen Mitteln zu beschreiben. Gleichstellungspolitik dagegen versucht das Gegenteil. Sie versucht, die Wirklichkeit zu verunstalten, damit sie zu ihrer falschen Sprache passt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dem kann ein Schriftsteller, der seinen Hammer noch nicht an den Nagel geh\u00e4ngt hat, entgegentreten, indem er den Sprachfeminismus entlarvt und ihn mit den eigenen Waffen \u2013 n\u00e4mlich mit denen der Sprache \u2013 schl\u00e4gt. Das sollte er auch tun. Dazu m\u00f6chte ich ihn ausdr\u00fccklich ermuntern und ihm zum Schluss die Worte zurufen, die mein Vater zu mir gesagt hat, als ich drei Jahre alt war und mich nicht traute, die Rutschbahn runterzurutschen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eNa los! Sei kein Frosch!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1159\" src=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Herder2.png\" alt=\"Herder2\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Herder2.png 300w, http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Herder2-150x150.png 150w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Schluss m\u00f6chte ich mich mit einem Gedicht aus der Aff\u00e4re ziehen, in dem es um den achtsamen oder eben auch um den nicht besonders achtsamen Umgang mit Worten geht. Es geht um diejenigen, die keine Fragen mehr zulassen und selbstgerecht von unumst\u00f6\u00dflichen Erkenntnissen ausgehen \u2013 und was sie damit anrichten. Es ist eines der fr\u00fchen Gedichte von Rainer Maria Rilke:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"margin-left: 10px; background-color: lightgray; padding: 10px;\">\n<p><strong>Gebet der M\u00e4dchen zur Maria<\/strong><\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte mich so vor der Menschen Wort.<\/p>\n<p>Sie sprechen alles so deutlich aus:<\/p>\n<p>Und dieses hei\u00dft Hund und jenes hei\u00dft Haus,<\/p>\n<p>und hier ist Beginn und das Ende ist dort.<\/p>\n<p>Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,<\/p>\n<p>sie wissen alles, was wird und war;<\/p>\n<p>kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;<\/p>\n<p>ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.<\/p>\n<p>Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.<\/p>\n<p>Die Dinge singen h\u00f6r ich so gern.<\/p>\n<p>Ihr r\u00fchrt sie an: sie sind starr und stumm.<\/p>\n<p>Ihr bringt mir alle die Dinge um.<\/p>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deshalb habe ich mich durchgerungen, im zweiten Teil \u2013 und schon in der \u00dcberschrift \u2013 in aller Deutlichkeit von \u201eSprachm\u00f6rdern\u201c zu sprechen. Ein heftiges Wort. Das ist sonst nicht meine Art. Doch ich stehe dazu: Erst wird das Wort umgebracht, dann das Ding.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum <strong><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1108\">vierten Teil<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum <strong><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1105\">dritten Teil<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum <strong><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1091\">zweiten Teil<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum <strong><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=1080\">ersten Teil<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p> Deutsche Schriftsteller in der Krise. Wie sollen sie sich nennen? Wie ist ihr Verh\u00e4ltnis zur Natur und zur Grammatik? Wann stirbt das letzte Einhorn? <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was bisher geschah: Der Verband \u201eVS Schriftsteller\u201c erw\u00e4gt, sich umzubenennen in \u201eVSS Schriftstellerinnen und Schriftsteller\u201c. In bisher vier Teilen ging es darum, wie sich schriftstellerische Arbeit und [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"qubely_global_settings":"","qubely_interactions":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[118],"tags":[170,171,172,173,174,175,176,177,178,179,180,181,182,183,99,113],"class_list":["post-1110","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-teil-5","tag-rainer-maria-rilke","tag-margot-kaessmann","tag-neutralitaet","tag-arthur-bruehlmeier","tag-senta-troemel-ploetz","tag-luise-f-pusch","tag-friedrich-nietzsche","tag-buergerinnen-und-buergern","tag-akzeptanz","tag-zielgenauigkeit","tag-professorinnen-programm","tag-zweigenderung","tag-doppelnennung","tag-sammeltaxi","tag-gleichstellungspolitik","tag-gender-mainstreaming","odd"],"acf":[],"qubely_featured_image_url":null,"qubely_author":{"display_name":"Bernhard Lassahn","author_link":"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?author=1"},"qubely_comment":0,"qubely_category":"<a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?cat=118\" rel=\"category\">Teil 5<\/a>","qubely_excerpt":"&nbsp; &nbsp; Deutsche Schriftsteller in der Krise. 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