{"id":159,"date":"2014-02-27T11:31:18","date_gmt":"2014-02-27T10:31:18","guid":{"rendered":"http:\/\/bernhard-lassahn.de\/BERNHARD-LASSAHN\/?p=159"},"modified":"2014-08-28T14:08:00","modified_gmt":"2014-08-28T12:08:00","slug":"beitrag-charlottenburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/?p=159","title":{"rendered":"Die Wunder von Charlottenburg"},"content":{"rendered":"<p>In Charlottenburg kann man immer noch seine blauen Wunder erleben: in so manchem Gesch\u00e4ft, mancher Kneipen und so manchem Hotel wohnt ein Geheimnis. Doch das gr\u00f6\u00dfte Geheimnis steckt in dem unergr\u00fcndlichen L\u00e4cheln der freundlichen Bewohner.<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Geburt der Currywurst<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich standen im Jahre 1954 aus ganz anderen Gr\u00fcnden \u00fcberall Kerzen in den Fenstern: Die Berliner wollten das Gedenken an die Br\u00fcder und Schwestern im Osten aufrecht erhalten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Bild-1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-381\" src=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Bild-1-150x150.png\" alt=\"Bild 1\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Doch so geschah es: Drei Heilige machten sich auf dem Weg und brachten als Gaben exotische Gew\u00fcrze und Spezereien mit: Weihrauch, Ketchup und Curry. M\u00f6glicherweise hatten sie da etwas falsch verstanden: Wenn in jenen Zeiten immer wieder von einem \u201eWunder\u201c gesprochen wurden, war damit nur das \u201eWirtschaftswunder\u201c gemeint, und wenn jemand sagte \u201eEs geht um die Wurst\u201c, war nicht unbedingt die Currywurst gemeint.<\/p>\n<p>Und so erf\u00fcllte sich, was nirgendwo geschrieben stand: Die Currywurst wurde geboren &#8211; und Charlottenburg hatte ein neues Wahrzeichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lasst Blumen sprechen<\/strong><\/p>\n<p>Das sagte schon meine Mutter gerne, doch man darf nicht zu viel erwarten: Was sollen sie schon sagen? Blumen sind nicht besser als Papageien; sie k\u00f6nnen auch nur nachplappern, was man ihnen vorgesagt hat. In den meisten F\u00e4llen bleibt die Kommunikation einseitig: Die liebevolle Hausfrau spricht zwar mit ihren Blumen, doch sie antworten nicht, das schaffen sie nicht, sie verwelken viel zu schnell, da bleibt ihnen keine Zeit, auch nur die einfachsten Sprachkenntnisse zu erwerben.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck gibt es k\u00fcnstliche Blumen, die &#8211; wie jeder wei\u00df &#8211; nicht verwelken. Doch deshalb k\u00f6nnen sie noch lange nicht sprechen, sie haben allerdings bessere Voraussetzungen, etwas zu lernen. Sie haben Zeit. Die brauchen sie auch. Drei bis vier Monate muss man rechnen &#8211; mindestens -, so lange dauert es, ihnen einfache, zweisilbige W\u00f6rter beizubringen.<\/p>\n<p>Sie sind allerdings sehr anspruchsvoll: Sie m\u00f6gen gerne die Gesellschaft von k\u00fcnstlichen Haustieren, sie brauchen jeden Tag mindestens einen halben Liter trockenen Wei\u00dfwein, und sie wollen sehr, sehr viel Zuwendung &#8211; sonst sagen sie gar nichts. Auch nicht nach Jahren.<b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Bild-3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-404\" src=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Bild-3-150x150.png\" alt=\"Bild 3\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Das Auge riecht mit<\/b><\/p>\n<p>Wie ein unsichtbares Kleid umgibt uns unser k\u00f6rpereigner Duft \u2013 oder ein aufgetragener Duft eines erlesenen Parfums, das sich auf jeder Haut anders entfaltet und sich auch je nach Laune \u00e4ndert. Dieser individuelle Duft, der uns umh\u00fcllt, ist aber nicht wirklich unsichtbar, f\u00fcr die meisten ahnungslosen Betrachter ist er das schon, doch besonders empfindliche Menschen k\u00f6nnen den Duft, der sich wie ein Flimmern und Flirren um den K\u00f6rper bildet, tats\u00e4chlich sehen; es gibt ja auch Heilige, die den Astralleib eines Menschen erkennen k\u00f6nnen. Doch \u2013 wie schon gesagt \u2013 man sieht diesen Duft nicht immer, und es erkennt ihn auch nicht jeder.<\/p>\n<p>Es ist wie in dem alten Kinderspiel: \u201eIch sehe was, was du nicht siehst!\u201c Die einen sehen was, die anderen nicht. Nun hat man es mit neuer Technik geschafft, den Duft wenigstens auf Fotos sichtbar zu machen. Es gibt nun Betrachter (ich z\u00e4hle mich auch dazu), die zwar den Duft auf dem Foto erkennen, aber im wirklichen Leben genauso blind sind wie zuvor. Obendrein gibt es derma\u00dfen abgestumpfte und desensibilisierte Leute, die selbst auf so einem Foto keinen Duft erkennen.<b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Bild-4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-405\" src=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Bild-4-150x150.png\" alt=\"Bild 4\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Nebenwirkung der Zeitumstellung<\/strong><\/p>\n<p>In der Nachkriegszeit hat man aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden in Charlottenburg ein einzigartiges Experiment gemacht: Man hat die Uhren zur\u00fcck gedreht. So wie ungeduldige Kinder vor Weihnachten die Uhren vorstellen &#8211; in der Hoffnung, dass damit die Zeit schneller vergeht, so sollten in diesem Fall die Uhren zur\u00fcck gestellt werden, um die schlechte Zeit wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen; die ungl\u00fcckliche Lebenszeit sollte verstellt werden, als h\u00e4tte es sie nicht gegeben.<\/p>\n<p>Dazu mussten m\u00f6glichst alle Uhren an zentraler Stelle gesammelt werden und gleichzeitig zur\u00fcck gedreht werden. Doch so gut die Aktion auch gemeint war, das Experiment ist nur teilweise gelungen. Man sieht es heute noch. An manchen Stellen im Stadtteil ist die Zeit offensichtlich stehen geblieben oder sogar erfolgreich zur\u00fcck gedreht worden, an anderen Stellen merkt man keinerlei Nachwirkungen der historischen Zeitumstellung.<\/p>\n<p>Als unerwartete Nebenwirkung hat sich ein Schwarzmarkt herausgebildet, auf dem einem verloren geglaubte Lebensaugenblicke gegen Bargeld angedreht werden sollen. Allerdings wird vor dem illegalen Erwerb nicht lizenzierter Zeiteinheiten gewarnt.<b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Liebe der Elefanten<\/strong><\/p>\n<p>Als Kind habe ich mir immer gew\u00fcnscht, ich h\u00e4tte dabei sein d\u00fcrfen, als die Redensart entstand: \u201eDu benimmst dich wie ein Elefant im Porzellanladen\u201c. Wie gerne h\u00e4tte ich das mit eigenen Augen gesehen. Doch damals wusste ich noch nichts vom Liebesschmerz und von der Kunst der Sehnsucht.<\/p>\n<p>Wir lieben n\u00e4mlich immer das, was wir nicht mehr haben \u2013 was wir wom\u00f6glich sogar selbst zerbrochen haben, \u201eyou don\u2019t know what you\u2019ve got till it\u2019s gone\u201c. Die sch\u00f6nste Tasse im Schrank ist die, die wir ausmustern mussten, weil sie einen Sprung hat. Es ist wahrlich nur ein schwacher Trost, aber es ist nun mal eine Tatsache, dass gerade die Frauen, die von ihren M\u00e4nnern versto\u00dfen wurden, von denen wenig sp\u00e4ter besonders hei\u00df und reum\u00fctig geliebt werden.<\/p>\n<p>Porzellan war immer schon ein Sinnbild f\u00fcr die Irrt\u00fcmer unserer Liebe: Es geht viel zu schnell zu Bruch. Es gibt sogar Porzellan, das allein vom Angucken kaputt geht.<\/p>\n<p>Es darf einen also nicht wundern, wenn man in einem Fachgesch\u00e4ft nicht nur den hinl\u00e4nglich bekannten Hinweis \u201eBitte, nicht ber\u00fchren\u201c sieht, sondern auch die Bitte: \u201eNicht zu lange hingucken!\u201c<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Bild-8.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-407\" src=\"http:\/\/www.bernhard-lassahn.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Bild-8-150x150.png\" alt=\"Bild 8\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hotel der Ber\u00fchmtheiten<\/strong><\/p>\n<p>Viele Hotels werben damit, dass schon Johann Wolfgang Goethe da \u00fcbernachtet hat, noch mehr k\u00f6nnen mit dem ber\u00fchmten Touristen Wolfgang Amadeus Mozart werben. F\u00fcr viele G\u00e4ste ist es ein besonderer Reiz, in einem solchen Hotel zu schlafen, als h\u00e4tte sich der Genius erhalten, als k\u00f6nnte sie in der Nacht dieselbe Muse noch einmal k\u00fcssen.<\/p>\n<p>Doch seien wir ehrlich: Vielen G\u00e4sten geht es nicht so sehr um die Kunst, sondern vielmehr um das Ber\u00fchmtsein, das damit verbunden ist. Da ist dieses unauff\u00e4llige \u201eHotel der Ber\u00fchmtheiten\u201c ideal, da ist es so: Da schl\u00e4ft man nicht etwa in einem Bett, in dem schon mal eine Ber\u00fchmtheit geschlafen hat \u2013 Nein, anders: Da schl\u00e4ft man, und wenn man am Morgen aufwacht, ist man selber ber\u00fchmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Charlottenburg kann man immer noch seine blauen Wunder erleben: in so manchem Gesch\u00e4ft, mancher Kneipen und so manchem Hotel wohnt ein Geheimnis. 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