Jeder hat Mensch seine eigene Sicht auf die Welt
Ich rede mit ihnen

Zwei Vorstellungen hatte ich im Sinn, als ich dieses „Format“, wie man es unter Medien-Leuten nennt, ausgebrütet habe. Denn es ist eine recht spezielle Form des Gespräches, bei dem es darauf ankommt, in welchem Geist es stattfindet, unter welchem Stern es steht – kurz: dass es ein Gespräch wie UNTER FREUNDEN ist.
Dabei habe ich einerseits an das bekannte Zitat von Jean Paul gedacht, der meinte, dass ein Buch „ein langer Brief an Freunde“ sei. Bei ihm sind die Leser, an die er sich mit seinem Buch wendet, Freunde. In meinem Fall sind es die Hörer, an die ich mich wende, als wären es Freunde. Andererseits dachte ich an das berühmte Bekenntnis von Thomas Jefferson, der sich vorgenommen hatte, dass er einen Unterschied in politischen, philosophischen oder religiösen Ansichten niemals als Grund sehen würde, deswegen eine Freundschaft aufzugeben.
Das war einmal. Ich weiß selber: Heute sieht das anders aus. Die Welt des Buchhandels ist nicht mehr so, wie Jean Paul sich das gewünscht hat. Heute zerbrechen Freundschaften schon am falschen Sprachgebrauch. Ein freundliches Lächeln verschwindet hinter einer Maske. Einer medizinischen Maske oder einer Gesichtsmaske. Es finden kaum noch richtige Gespräche statt, kaum noch Unterhaltungen UNTER FREUNDEN. Es kann eine solche Unterhaltungen unter missgünstiger Überwachung auch nicht geben. Versuchen wir es dennoch.
Kommt
Kommt, reden wir zusammen
wer redet, ist nicht tot,
es züngeln doch die Flammen
schon sehr um unsere Not.
Gottfried Benn