Folge 74: Jörg Bernig – Gelassenheit und Zorn

Jörg Bernig

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Es wirkt wie eine Reise in die Vergangenheit, wenn Jörg Bernig seine empfindsame Lyrik vorstellt, die mit mehreren bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. Er erzählt, dass er schon früh von den Gedichten von Heine, Novalis, Hölderlin und Gryphius verzaubert und auch der ausladenden Prosa von Stifter verfallen war, weil da weite Räume aufgemacht werden, in denen die Uhren anders ticken. Doch er wurde nicht in Ruhe gelassen. Rückzugsräume, die frei sind von den „Zumutungen der Gegenwart“ wurden in der DDR nicht geduldet. Da wurde an jedem Ort und zu jeder Zeit ein Bekenntnis zu den Fortschritten des Sozialismus verlangt. Eine ähnliche Aufdringlichkeit erlebt Jörg Bernig heutzutage wieder, so dass er sich gezwungen sah, sich in einem „Akt der Notwehr“ mit einem Text, der „Zorn“ hieß, in die Politik einzumischen. Soeben ist unter dem Titel „Habe Mut“, der die berühmte Formel von Immanuel Kant aufgreift, eine aktuelle Sammlung seiner Essays erschienen. Jörg Bernig hat beide Seiten: Er ist ein Poet, der etwas von einem zornigen jungen Mann hat, und der sich zugleich an alten Männern orientiert, die mit Gelassenheit und stoischer Unaufgeregtheit auf die Welt geblickt haben. Bernd Zellner spricht von „Weltliteratur aus Radebeul“. Damit ist nicht Karl May gemeint, sondern Jörg Bernig.

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