
Rebecca Niazi-Shahabi
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Rebecca Niazi-Shahabi hat sowohl israelischen als auch iranischen Wurzeln. Sie erzählt von ihren Abenteuerreisen nach Teheran, als sie 1975 als Kind das Wunderland mit den imposanten, selbstbewussten Frauen und den schroffen Widersprüchen zwischen Glanz und Elend erlebt und sogar den Schah Reza Pahlavi getroffen hat. Dann musste sie 1979 mit ansehen, wie das Land von religiösen Eiferern übernommen wurde. Ihre Liebe zu dem Land wirkt immer noch nach und bereitet ihr vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse schlaflose Nächte. Gleichwohl sorgt sie sich um ihre Freunde in Israel, die ebenfalls in einem dramatischen Konflikt stecken. „Man darf sich gegen nichts und niemanden aufhetzen lassen, weil das nicht im eigenen Interesse ist. Krieg ist nicht in unserem Interesse“.
Rebecca Niazi-Shahabi erzählt vom Alltagsleben, von der Mode, von der Musik, und sie stellt uns Googoosh vor, eine lebende Legende, „ein Symbol für das, was Iran verloren hat“. Googoosh gehört zur Lebensgeschichte der Iraner wie eine gute Freundin, die man schon lange kennt, und verkörpert die Sehnsucht, dass „Iran unter einem Dach wieder Iran sein kann“.

Adrian Müller, Kristin Möllers
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Worte sind nicht „harmlos“. So sieht es nicht nur Herta Müller. Hinter „geschmeidigen“ Ausdrücken wie „Aktivist“ und „Allyship“ lauert Gewalt. Nicht etwa „systemische“ oder gar indirekte, sondern brutale Gewalt, die von anonymen Gruppen verübt und von Anhängern der „woken“ Weltanschauung, denen jedes Verantwortungsgefühl fehlt, gerechtfertigt wird. Adrian Müller hat ein „Lexikon der Wokeness“ zusammengestellt, das nicht nur ein Nebeneinander von aktuellen Stichworten bringt, sondern Zusammenhänge aufzeigt und damit deutlich macht, wie bedrohlich diese „Aktivisten“ und „Allys“ in Wirklichkeit sind, die mit guten Absichten auftrumpfen und anderen Böswilligkeit unterstellen. Adrian Müller ordnet die neuen Begriffe aus seinem „Lexikon der Wokeness“ in einen theoretischen Rahmen; Kristin Möllers berichtet von Erfahrungen, die sie damit in der Praxis gemacht hat.

Stefan Krähe
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In den 90er Jahren gehörte er in der Musikwelt im Osten zu den ganz Großen. Mit Six, der „besten Cover-Band der Welt“, war er mit riesigem technischem Aufwand unterwegs und füllte die großen Säle, mit Six ClasSIX trat er mit großem Orchester auf. Nun hat er ein großes Thema gefunden und engagiert sich mit seinen neuen Songs für die Erhaltung des Friedens. Dabei spricht er große Gefühle an, er singt von dem Jungen, der in den Krieg zieht und seine Mutter trösten muss und von dem besorgten Vater, der sein Kind liebt. Es droht ein Krieg, da gilt es, alles zu tun, ihn zu verhindern. „Für den Frieden geh ich mit jedem auf die Straße“, sagt er und fügt als jemand, der keinem Politiker glaubt, mit bitterem Lächeln hinzu, „auch mit Habeck“.

Yann Song King
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Wenn man die Corona-Jahre mit Humor betrachten will – bitte schön: Es gibt eine Hitparade mit den lustigsten Umdichtungen von Schlagern, mit denen uns Yann Song King durch die Pandemie begleitet hat: ‚Jenseits von Schweden‘, We Will Lock You‘, ‚Ein bisschen Frieren‘, ‚Sag mir, wo die Grippe ist‘ … „Pandemie-Charts“ nennt sich der Spaß, den man sich auf YouTube anschauen kann. Damit hat der singende Sachse nicht nur für gute Laune gesorgt, sondern auch eine Chronologie der Ereignisse festgehalten, um einer „Geschichtsfälschung“ entgegenzuwirken, um zu verhindern, „dass sich Linien bilden, wo ein Zickzack war.“ Er fragt sich: „Wie kann man eine Krankheit so politisieren, noch dazu – das kommt jetzt raus – wenn genau die Leute, die sich als Feuerlöscher hervorgetan haben, am Ende die Brandstifter waren?“ Es wird schnell deutlich, dass bei Yann Song King eine tiefe Ernsthaftigkeit hinter den Possen steckt. Man merkt es auch an seinen Liedern über die Bedrohung durch den Krieg.

Dr. Wolfgang Epple
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Windräder ruinieren unsere Landschaften. Auch die letzten verbliebenen Rückzugsgebiete sollen nun der Windkraftindustrie zum Opfer fallen. Doch es regt sich Widerstand. Auch Dr. Wolfgang Epple wehrt sich. Sein neues Buch „Windkraftindustrie und Naturschutz“ hat den bezeichnenden Untertitel „Windkraft-Naturschutz-Ethik“; denn Epple bietet nicht nur Zahlen und Fakten, er ordnet sein Engagement auch in einen weltanschaulichen Rahmen ein, der an Hans Jonas und dem Prinzip Verantwortung orientiert ist. Epple mischt sich ein, er reist zu den im Schatten der Windräder leidenden Menschen, um ihnen Argumente gegen die Windkraft zu liefern und den Sinn für die Schönheiten der Welt wieder aufzuwecken. Da kommt es vor, dass Zuhörer in Tränen ausbrechen. Sie werden von dem Gefühl der „Solastalgie“ überwältigt, mit dem ein neuartiger Schmerz gemeint ist, ein Leiden unter dem Verlust der Heimat. Epple ermutigt seine Zuhörer: „Seien Sie solastalgisch. Schämen Sie sich nicht für die Tränen. Versuchen Sie etwas zu tun!“

Dr. Eugen Zentner
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Während der unglückseligen Corona-Jahren erlebten wir einen „Winterschlaf der Kultur“, wie es Friedrich Nietzsche genannt hätte. Für alle Kunstformen, die sich direkt an ein Publikum wenden wollten, gab es einen Lockdown, regierungskritische Töne wurden bekämpft. Für viele Künstler ging es ums Überleben. Obendrein stellte sich ihnen die Frage, mit welchen künstlerischen Mitteln sie die drängenden Themen verarbeiten sollten. Eugen Zentner hält die Form der Kurzgeschichte für besonders geeignet, um inneren Kämpfe darzustellen, die die Helden an einen Punkt bringen, von dem aus sie auf den „Boden ihrer Existenz schauen. Es ist ein Punkt größter Verzweiflung“. Er bringt dafür Beispiele aus seiner Sammlung „Corona Schicksale“ und spricht über die Entwicklung der modernen Kurzgeschichte, in der die Situation selber zum eigentlichen Protagonisten wird.
In seinem Buch „Kunst und Kultur gegen den Strom“ stellt er Künstler vor, die sich keinen Maulkorb umbinden ließen. Einige davon waren schon bei „Unter Freunden“ zu Gast. Das Archiv dieser Sendereihe ist – wie auch das Buch von Eugen Zentner – ein Tummelplatz der kritischen Kunstszene, die eine bemerkenswerte Vielseitigkeit aufweist und – wie an den Kurzgeschichten von Zentner deutlich wird – den ernsthaften Willen hat, nicht nur als Protokoll der laufenden Ereignisse zu dienen, sondern sich als Kunst mit einem Eigenwert zu behaupten.

Dr. Paul Bartsch
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Sein Lied vom „alten, weißen Mann“, das dezent an „Forever Young“ von Bob Dylan erinnert, stand im August auf Platz 1 der Liederbesten-Liste. Womöglich kennen Sie seine Songs nicht, doch die Fachwelt tut es, Paul Bartsch räumt immer wieder Kritiker-Preise ab. Er blickt zurück auf 35 Jahre Liedermachen in der DDR und 35 im „freien Westen“. Er kann vergleichen. Gelegentlich packt ihn der „Ostalgie-Blues“, doch dann besinnt er sich, zitiert Hegel und Bloch und fragt sich, ob das Heimatgefühl nur eine vage „Utopie in der Vergangenheit“ war. Er spricht bedeutungsvoll von einem „Zirkustiger“, den die Gitterstäbe zahm gemacht haben und lobt den Wert von echten Freundschaften.

Michael Klonovsky
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Gibt es ein gutes Leben im schlechten? Ein erfülltes Leben in einer Welt voller Mängel? Ein geschmackvolles Leben in einer Zeit voller Geschmacklosigkeiten? Michael Klonovsky ist ein Genießer, der es versteht, mit den kleinen Dingen den Alltag zu verfeinern und er schwärmt für die große Kunst. Er kommt aus der DDR, „aus der Zukunft“, wie er selber sagt, und gibt uns anlässlich der Feier seines sechzigsten Geburtstages Empfehlungen für die mageren Jahre, die demnächst auf uns zukommen werden: Macht Kinder und trinkt Wein!

Martin Betz über Christof Stählin
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Er wäre in diesem Jahr achtzig geworden. Christof Stählin ist ein vergleichsweise unbekannter, aber vermutlich einer der einflussreichsten Liedermacher gewesen, der uns nicht nur seine Werke hinterlassen hat, sondern obendrein eine Akademie – eine Schule, in der man eine Sichtweise erlernen kann, die an barocke Ideale erinnert und einem einen besonderen Blick auf die Welt ermöglicht, der von Gelassenheit und Dankbarkeit gekennzeichnet ist. Für Martin Betz ist es das Glück seines Lebens. Davon erzählt er.

Dr. Wolfgang Epple
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„Der Hauptvorkämpfer für die Zerstörung der Wälder bei uns, ist Fridays For Future“. So sieht es Wolfgang Epple, der ehemalige Landesgeschäftsführer des NABU, des Naturschutzbundes Deutschland. Die letzten Schutzgebiete sind in Gefahr, durch einen beschleunigten Ausbau der Windkraft, der durch Richtlinien aus Brüssel befeuert wird, unwiederbringlich geopfert zu werden. Klimaschutz „kannibalisiert“ den Naturschutz, sagt er, und hat es in seinem Buch ‚Windkraftindustrie und Naturschutz‘ ausgeführt. Er möchte der rasanten Naturvernichtung, die vorgeblich das Klima retten soll, seine Vorstellung von einem „ganzheitlichen Naturschutz“ entgegenhalten, von einer allesumfassenden Sichtweise, in der auch das „Argument der Schönheit“ Beachtung findet. Wolfgang Epple lebt das „Mitsein“ in der Natur beispielhaft vor: Er war mit einer Schleiereule „verheiratet“ und sieht sich als Freund der Wölfe und Biber. Sein Credo: „Eher langsam als schnell. Eher nachdenklich als oberflächlich. In die Tiefe und in die Breite gehen.“
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