Folge 52: Adorján Kovács – „Weinend amüsiert sich der Ungar“

Dr. Dr. Dr. Adorján Kovács

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Wie erklärt sich die Sonderrolle, die Ungarn heute in Europa spielt? Wie kommt es zu der legendären Melancholie? Prof. Dr. Dr. Dr. Adorján Kovács erzählt von der Karriere seiner Mutter mit dem Budapest Gypsy Orchestra und von der Flucht seines Vaters, der 1956 „im Gänsemarsch“ über die Grenze kam. Noch waren die Übergänge vermint. Wir sehen uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge die bewegte deutsch-ungarische Geschichte an, die immer wieder von Flucht und Freundschaft handelt. Adorján Kovács hat vor diesem Hintergrund ein besonderes Gespür für „Deutsche Befindlichkeiten“ entwickelt – so auch der Titel eines seiner Bücher – und gleichwohl die Lebensweise seiner Heimat beibehalten, für die das bekannte Motto gilt „weinend amüsiert sich der Ungar“. Wir amüsieren uns auch und rufen den geneigten Hörern zu: Es lebe die deutsch-ungarische Freundschaft!

Folge 98: Felix aus Tria – Immer beim Singen lachen

Felix aus Tria

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Hinter der Kunstfigur „Felix aus Tria“ verbirgt sich ein glücklicher Österreicher, ein hingebungsvoller Musikliebhaber mit langer Erfahrung, der gerade im Internet Furore macht mit schmissiger Musik zu bissigen Texten wie „Die Schwurbler haben recht“ oder „Ein kleines Dankeschön an alle Geimpften“. Es rockt, es fetzt, es ist „lässig“, wie er selbst sagen würde. Überraschend ist, dass dieser Ein-Mann-Rocker Felix sich als großer Verehrer von Peter Alexander erweist, von dem er gelernt hat, dass man stets beim Singen lachen soll. „Der Hörer spürt das“, meint er. Er selber lacht sowieso viel. Nicht etwa um jemanden auszulachen. Er ist so. Er hat dieses Lachen beim Singen auch bei seinen traurigen Liedern, die einen zu Tränen rühren können.

Folge 97: Michael Gaedt – Die Kleine Tierschau. Die Alternative zum guten Geschmack

Michael Gaedt

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Drei Freunde erleben ein „Rock’n’Roll-Märchen“, sie steigen von Straßenmusikern zu Lieblingen der Showbranche auf. Es ist eine „Karriere der Wunder, Wunder, Wunder“. Sie nennen sich DIE KLEINE TIERSCHAU und ihr Programm bietet die „Alternative zum guten Geschmack“. Sie erweisen sich als die wahren „Giganten der Kleinkunst“. Sie waren die lustigste und lauteste Spaßkapelle in einer Zeit, die von Angst vor dem Atomkrieg und vor dem Waldsterben gezeichnet war. Michael Gaedt, der wie nebenbei zu einer Fernsehprominenz -­ man erkennt ihn auf der Straße – aufgestiegen ist und jüngst einen Überraschungsauftritt als Model auf der Fashion Week hatte, blickt mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurück auf 35 Jahre im Rampenlicht. Er spricht über das Glück und das Geheimnis des Erfolgs.

Folge 96: Karsten Troyke – Die wunderbare Welt der jiddischen Lieder und Witze

Karsten Troyke

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Er war direkt an der Quelle: Seine Großmutter Isot Kilian war die letzte Geliebte von Bertolt Brecht und hat ihre Liebe zum Theater an die Familie weitergeben. Seine Mutter hat schon dem sechsjährige Karsten makabere Lieder von Georg Kreisler vorgesungen und hat ihm von den Verfolgungen, die ihre Familie erleiden musste, erzählt. Sein Vater Josh Sellhorn war beim Verlag „Volk und Welt“ und hat in so genannte Schallplattenvorträgen die Welt der jüdischen Kultur unter das Volk gebracht. Die Eltern trennten sich, doch die Liebe zu Kreisler und zu jiddischen Liedern behielten sie bei. Sie bilden immer noch die Säulen in den Programmen von Karsten Troyke, der damit seine Eltern im Geiste wieder zusammenführt. Mit dem Ende der DDR fielen auch die Begrenzungen seiner Auftrittsmöglichkeiten und ermöglichten ihm eine imposante internationale Karriere. Nun konnte er die Lieder aus seinem Familienschatz und den trotzigen jüdischen Witz in die Welt hinaustragen. Doch er blickt nicht nur zurück, er schaut nach vorn und kommentiert in eigenen, humorvollen Liedern die jämmerlichen Zustände der Gegenwart.

 

Folge 95: Helmut Matt – Das gute, alte Radio. Das Ohr zur Welt

Helmut Matt

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In Vaters Stube gab es noch ein altes „Dampfradio“ mit einem „magischen Auge“. Der junge Helmut Matt hat daran gedreht und sich als „Wellenreiter“ in die weite Welt geträumt. Er nahm Kontakt zu den Sendern im Ausland auf, gewann Wettbewerbe und bereiste die Länder, aus denen er die Lockrufe vernommen hatte. Helmut Matt erzählt von seinen zahlreichen Reisen u.a. nach China und Usbekistan, die er später in Reisebüchern verarbeitet hat. Er berichtet von Propaganda-Schlachten im Kalten Krieg, vom „Jamming“ der Störsender und schließlich vom Entstehen einer jungen, internationalen Radio-Gemeinde, die den kleinen Stationen und neuen Piratensendern vertraut und sich gegen den Mainstream stellt.

Folge 137: Robert Stein – Werden Männer auf dem Mars sein?

Robert Stein

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Waren Männer auf dem Mond? Robert Stein, der sich weiterhin als „größten Fan der Raumfahrt“ sieht, hatte „legitime Fragen“, die noch nicht beantwortet sind. Inzwischen haben wir eine Raumfahrtministerin, die eine Frau auf den Mond schicken will. Mehr noch: Es soll zum Mars gehen. Da will Elon Musk bis zum Jahr 2050 eine Million Menschen ansiedeln. Robert Stein macht sich seine Gedanken dazu; er spricht über die technischen Herausforderungen, über die Ehrfurcht vor der Schöpfung, über Forscherdrang und Todesverachtung und über eine mögliche Perspektive für die gesamte Menschheit, sich im Erleben einer Zusammengehörigkeit zu vereinen und Frieden zu finden.

Folge 163: Achijah Zorn – Die freche Stimme aus der Kirche vom „blühenden Abstellgleis“

Achijah Zorn

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Bewegt sich da was in der Kirche? Oder steckt sie weiterhin tief im Gefängnis des Moralismus? Achijah Zorn bekennt sich ausdrücklich zur Tradition der evangelischen Kirche, er „liebt die Reformation“, hat aber das Problem, dass seine Kirche die Tradition nicht mehr lebt und ihn aufgrund einiger Vorfälle, von denen er berichtet, auf einem Abstellgleis entsorgt hat – auf einem „blühenden Abstellgleis“, wie er es nennt. Der erzwungene Ruhestand hat es ihm ermöglicht, mit Muße eine Blütenlese aus seinen Erfahrungen in einem Buch zusammenzustellen und er kann auch vom Abstellgleis aus „frech und frei“ seine Stimme erheben, womöglich sogar mit größerer Resonanz, etwa mit seiner Kolumne „Vorwort zum Sonntag“.

Er spricht davon, wie Gnade und Geborgenheit durch Moralismus verloren gehen, führt den Konflikt, der in der Geschichte des Christentums angelegt ist, auf Jakobus, und sogar auf den Sündenfall zurück. Achijah Zorn wendet sich an alle, die wie er ihre Zweifel haben und um Verständnis ringen: „Glaube ohne Zweifel wird fundamentalistisch“, sagt er, „aber der Zweifel ohne den Glauben führt zur Verzweiflung“.

Folge 162: Sebastian Grell – Freie Privatstädte. Was gibt es Neues?

Sebastian Grell

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Es scheint gerade eine Freiheit-Dämmerung zu geben. Es dämmert vielen, dass der Staat, wenn er immer weiter ausufert, mehr schadet als nützt. Da fragt man sich, ob es nicht auch ohne Staat geht und man stattdessen eine Gemeinschaft mit Dienstleistern auf der Basis von Freiwilligkeit schaffen sollte. Theorien dazu gibt es. Titus Gebel hat den Sprung in die Praxis gewagt und in Próspera und Ciudad Morazán in Honduras freie Privatstädte – so genannte Sonderentwicklungszonen ­- geschaffen. Sebastian Grell hat als „Botschafter“ dieser Idee ein imposantes Buch mit dem Titel „Was tun?“ vorgelegt und berichtet, was sich in letzter Zeit in den freien Privatstädten getan hat. Dabei spricht er überraschend von „Heimat“ und „Herzlichkeit“, um zu zeigen, dass es sich dabei nicht um Steuerparadiese handelt, sondern um vorbildliche Modelle „zum Nutzen aller“.

Folge 7: Gunnar Kunz – Die ganze Welt ist wie verhext

Gunnar Kunz

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„Die ganze Welt ist wie verhext“, heißt es in dem Schlager ‚Veronika, der Lenz ist da‘, „die Mädchen singen Tralala“. So war das Lebensgefühl der Weimarer Zeit. Heute leben wir wieder in Zeiten, die uns so vorkommen, als wären sie aus den Fugen geraten. Ich spreche mit dem Schriftsteller Gunnar Kunz, der uns den „Gender-Empathy-Gap“ erklärt und seine fast vollendete Roman-Reihe über die Weimarer Republik vorstellt, die er uns in ihrer Widersprüchlichkeit und Farbigkeit nahebringt. Dann können wir uns fragen, welche Lehren wir aus dieser wirren Epoche ziehen. Gleiten wir etwa wieder in einen totalen Staat ab? Sind wir durch moralischen Doppelstandard und der fortschreitenden Spaltung der Gesellschaft schon darauf vorbereitet?

Folge 161: Bernhard Lassahn – „Hair“. Die Hymnen der Hippies von Liebe und Frieden

Bernhard Lassahn

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Zum Jahresanfang stellt uns Bernhard Lassahn die Musik aus einem der erfolgreichsten Musicals vor ­ aus „Hair“, dem skandalösen Spektakel mit langhaarigen Nackten, in dem das Zeitalter des Wassermanns beschworen wird, das uns Wärme, Liebe und Frieden bringt. Da spüren wir den Geist von 68 mit allem, was dazugehört: dem radikalen Bruch mit dem Establishment, dem Protest gegen den Krieg, dem Verzicht auf Konsum und der spirituellen Neuorientierung. Lassahn stellt Piere Paolo Pasolinis Interpretation der „Sprache der Haare“ vor; lässt sich von Anke Ziemer erklären, was es mit dem Sternzeichen des Wassermanns auf sich hat, und verweist auf die Verfilmung des Stoffes durch Miloš Forman, der die Illusion der Blumenkinder aufzeigt und deutlich macht, dass „moralisches Recht nicht vor realer Macht schützt“. Dennoch: Der Protest war nicht wirkungslos und die Musik kann ein Zeichen der Hoffnung sein.