Folge 91: Dietmar Püschel – Eine Hymne für ein wirklich vereintes Deutschland

Dietmar Püschel

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Zufällig hatte Dietmar Püschel das Fernsehen, das im ZDF zum Sendeschluss die Hymne spielte, noch nicht ausgestellt und gleichzeitig Radio DDR laufen, wo gerade „Auferstanden aus Ruinen“ zu hören war. Da merkte er, wie gut die beiden Hymnen zusammenpassen, den Text der einen könnte man gut zur Melodie der anderen singen – und umgekehrt. Die Idee, eine Mixversion herzustellen, hatte er schon, ehe eine Wiedervereinigung überhaupt vorstellbar war. Sie sollte ein Zeichen der Annäherung sein, die Vision eines musikalisch vereinten Deutschlands. Im Oktober 1990 konnte er dann seinen Vorschlag präsentieren. Genscher war begeistert. Dennoch wurde die Mischversion nicht zur offiziellen Hymne. Nun wird unser Grundgesetz 75 Jahre alt, das „Kinderlied“ von Brecht ist neuerdings als mögliche neue Hymne im Gespräch; die Diskussion geht also weiter. Wirklich vereint fühlen sich viele Deutsche immer noch nicht.

Folge 139: Axel Mitbauer, Antonio La Regina – „Der Wettkampf meines Lebens“

Axel Mitbauer, Antonio La Regina

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Es geschah 1969: Axel Mitbauer schwimmt bei Nacht etwa 25 Kilometer durch die Ostsee in die Freiheit. Aus diesem spektakulären Fall hat Antonio La Regina einen überraschend aktuellen Film gemacht, der weder eine bloße Heldengeschichte noch eine einfache Anklage gegen die Methoden der Stasi sein will. Auch Stasi-Offiziere kommen zu Wort. Antonio La Regina betont, dass es sein künstlerischer Anspruch ist, beide Seiten zu beleuchten. Er will einen Dialog anstoßen und den Blick auf gefährliche gesellschaftliche Entwicklungen der Gegenwart lenken. Da ist er sich einig mit Axel Mitbauer, der die bewegenden Nebenwirkungen und Hintergründe seiner Tat schildert. „Der Wettkampf meines Lebens“ ist mehr als ein Film. Es ist ein Angebot zu einer echten Aufarbeitung.

Folge 138: Werner Bräuninger – Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Werner Bräuninger

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Was gab es an politischem und zivilem Widerstand in Deutschland? Was sah es im Vergleich dazu in Italien aus? Werner Bräuninger spricht über die Weiße Rose, über Claus von Stauffenberg und Ernst Jünger. Wie sind die Widerstandskämpfer mit dem Zivilisationsbruch umgegangen? Wie sah ihr Gegenentwurf aus? Wie wichtig war dabei die Vorstellung von einer „Macht des Geistes“? Hatten die Aktionen der Weißen Rose und der Umsturzversuch vom 20 Juli überhaupt Aussicht auf Erfolg? Hätten sich die Widerstandskämpfer von damals heute gegen die Coronamaßnahmen aufgelehnt? Bräuninger ist ernüchtert: „Die Deutschen eignen sich nicht als Widerständler“. Auch heute nicht. Dennoch: „Das Pendel hat den Ausschlagpunkt erreicht“, meint er, „die Mentalität wird eine andere“; er sieht einen „Sog des Umdenkens“.

Folge 137: Robert Stein – Werden Männer auf dem Mars sein?

Robert Stein

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Waren Männer auf dem Mond? Robert Stein, der sich weiterhin als „größten Fan der Raumfahrt“ sieht, hatte „legitime Fragen“, die noch nicht beantwortet sind. Inzwischen haben wir eine Raumfahrtministerin, die eine Frau auf den Mond schicken will. Mehr noch: Es soll zum Mars gehen. Da will Elon Musk bis zum Jahr 2050 eine Million Menschen ansiedeln. Robert Stein macht sich seine Gedanken dazu; er spricht über die technischen Herausforderungen, über die Ehrfurcht vor der Schöpfung, über Forscherdrang und Todesverachtung und über eine mögliche Perspektive für die gesamte Menschheit, sich im Erleben einer Zusammengehörigkeit zu vereinen und Frieden zu finden.

Folge 163: Achijah Zorn – Die freche Stimme aus der Kirche vom „blühenden Abstellgleis“

Achijah Zorn

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Bewegt sich da was in der Kirche? Oder steckt sie weiterhin tief im Gefängnis des Moralismus? Achijah Zorn bekennt sich ausdrücklich zur Tradition der evangelischen Kirche, er „liebt die Reformation“, hat aber das Problem, dass seine Kirche die Tradition nicht mehr lebt und ihn aufgrund einiger Vorfälle, von denen er berichtet, auf einem Abstellgleis entsorgt hat – auf einem „blühenden Abstellgleis“, wie er es nennt. Der erzwungene Ruhestand hat es ihm ermöglicht, mit Muße eine Blütenlese aus seinen Erfahrungen in einem Buch zusammenzustellen und er kann auch vom Abstellgleis aus „frech und frei“ seine Stimme erheben, womöglich sogar mit größerer Resonanz, etwa mit seiner Kolumne „Vorwort zum Sonntag“.

Er spricht davon, wie Gnade und Geborgenheit durch Moralismus verloren gehen, führt den Konflikt, der in der Geschichte des Christentums angelegt ist, auf Jakobus, und sogar auf den Sündenfall zurück. Achijah Zorn wendet sich an alle, die wie er ihre Zweifel haben und um Verständnis ringen: „Glaube ohne Zweifel wird fundamentalistisch“, sagt er, „aber der Zweifel ohne den Glauben führt zur Verzweiflung“.

Folge 162: Sebastian Grell – Freie Privatstädte. Was gibt es Neues?

Sebastian Grell

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Es scheint gerade eine Freiheit-Dämmerung zu geben. Es dämmert vielen, dass der Staat, wenn er immer weiter ausufert, mehr schadet als nützt. Da fragt man sich, ob es nicht auch ohne Staat geht und man stattdessen eine Gemeinschaft mit Dienstleistern auf der Basis von Freiwilligkeit schaffen sollte. Theorien dazu gibt es. Titus Gebel hat den Sprung in die Praxis gewagt und in Próspera und Ciudad Morazán in Honduras freie Privatstädte – so genannte Sonderentwicklungszonen ­- geschaffen. Sebastian Grell hat als „Botschafter“ dieser Idee ein imposantes Buch mit dem Titel „Was tun?“ vorgelegt und berichtet, was sich in letzter Zeit in den freien Privatstädten getan hat. Dabei spricht er überraschend von „Heimat“ und „Herzlichkeit“, um zu zeigen, dass es sich dabei nicht um Steuerparadiese handelt, sondern um vorbildliche Modelle „zum Nutzen aller“.

Folge 7: Gunnar Kunz – Die ganze Welt ist wie verhext

Gunnar Kunz

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„Die ganze Welt ist wie verhext“, heißt es in dem Schlager ‚Veronika, der Lenz ist da‘, „die Mädchen singen Tralala“. So war das Lebensgefühl der Weimarer Zeit. Heute leben wir wieder in Zeiten, die uns so vorkommen, als wären sie aus den Fugen geraten. Ich spreche mit dem Schriftsteller Gunnar Kunz, der uns den „Gender-Empathy-Gap“ erklärt und seine fast vollendete Roman-Reihe über die Weimarer Republik vorstellt, die er uns in ihrer Widersprüchlichkeit und Farbigkeit nahebringt. Dann können wir uns fragen, welche Lehren wir aus dieser wirren Epoche ziehen. Gleiten wir etwa wieder in einen totalen Staat ab? Sind wir durch moralischen Doppelstandard und der fortschreitenden Spaltung der Gesellschaft schon darauf vorbereitet?

Folge 161: Bernhard Lassahn – „Hair“. Die Hymnen der Hippies von Liebe und Frieden

Bernhard Lassahn

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Zum Jahresanfang stellt uns Bernhard Lassahn die Musik aus einem der erfolgreichsten Musicals vor ­ aus „Hair“, dem skandalösen Spektakel mit langhaarigen Nackten, in dem das Zeitalter des Wassermanns beschworen wird, das uns Wärme, Liebe und Frieden bringt. Da spüren wir den Geist von 68 mit allem, was dazugehört: dem radikalen Bruch mit dem Establishment, dem Protest gegen den Krieg, dem Verzicht auf Konsum und der spirituellen Neuorientierung. Lassahn stellt Piere Paolo Pasolinis Interpretation der „Sprache der Haare“ vor; lässt sich von Anke Ziemer erklären, was es mit dem Sternzeichen des Wassermanns auf sich hat, und verweist auf die Verfilmung des Stoffes durch Miloš Forman, der die Illusion der Blumenkinder aufzeigt und deutlich macht, dass „moralisches Recht nicht vor realer Macht schützt“. Dennoch: Der Protest war nicht wirkungslos und die Musik kann ein Zeichen der Hoffnung sein.

Folge 6: Thomas Penttilä – Die spinnen, die Finnen

Thomas Penttilä

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Was machen sie anders? Warum gendern sie nicht? Wie sieht es mit den Corona-Maßnahmen aus? Mit Windrädern? Mit Integration? Mit Diskriminierung? Warum zahlen finnische Männer Unterhalt, deutsche dagegen nicht? Wie kann man die Bürokratie-Hörigkeit der Deutschen zur Kindererziehung nutzen? Ich spreche mit dem Langzeit-Politik-Aktivisten Thomas Penttilä, der beide Länder aus der Nähe kennt, über den seltsamen finnischen Tango mit deutschen Texten, über erstaunliche Unterschiede in der Familienpolitik, über finnischen Humor und über den beliebten Unterhosen-Rausch.

Folge 5: Lutz Graf-Ulbrich, Lüül – Danser encore – Tanzen auf der Straße

Lüül, Lutz Graf-Ulbrich

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Lockdown. Das Leben liegt brach. Nicht ganz. Plötzlich wird im Süden Europas wieder auf den Straßen getanzt, obwohl gerade das nicht erlaubt ist. Mit Flashmobs und Straßenaktionen wird zu den Klängen von ‚Danser Encore’ die unverwüstliche Lust am Leben auf die Straßen getragen und eine neue Art des freundlichen Protests ausprobiert. Eine Tanzwelle schwappte über Europa von Portugal bis Russland – ja, sogar bis Südamerika und Afrika. Natürlich auch nach Berlin. Ich spreche darüber mit Lüül von den 17 Hippies, einem Weltstar der Straße, der bei solchen Aktionen im Hintergrund die Strippen gezogen hat.