Folge 20: Tammy Peterson – Nach der Jordan Peterson Show

Tammy Peterson

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Die New York Times nennt Jordan Peterson den „aktuell einflussreichsten Vordenker der westlichen Welt“, er ist auch einer der umstrittensten, der einerseits als der „neuer Sokrates“ verehrt und andererseits als Kritiker der woken cancel-culture heftig angefeindet wird. Seit Jahren ist er mit seinen Vorträgen auf Welttournee – nur in Deutschland war er bisher nicht. Gibt es da eine Besonderheit? In einem launigen backstage smalltalk gibt seine Frau Tammy ein Stimmungsbild von ihrem Termin in Berlin. Sie erzählt von den Hintergründen ihrer Tournee, den Protesten der Antifa und vom Umgang mit Anfeindungen.

Folge 153: Wolfgang Bittner – Warnung vor dem Krieg

Wolfgang Bittner

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Von Wolfgang Bittner gibt es mehr als 80 Veröffentlichungen in allen schriftstellerischen Spielarten. Zuletzt hat er mit „Geo-Politik im Überblick. Deutschland – USA – EU – Russland“ eine große historische Einordnung vorgelegt und in seinem neuen erzählerischen Werk „Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen“ gezeigt, wie sich die großen Themen in den kleinen Schicksalen wiederfinden. Bittner engagiert sich für den Frieden und sieht sich in der Tradition von Schriftstellern wie Kurt Tucholsky, von dem es heißt, dass er versucht habe, mit einer Schreibmaschine den Krieg aufzuhalten. Bittner zitiert ihn: „Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.“ Wolfgang Bittner hat laut „Nein“ gesagt zu Waffenlieferungen an die Ukraine. Nun steht er auf der Todesliste der Ukraine. Er warnt vor einem Krieg, den er als reale Bedrohung sieht. Dennoch will er die Hoffnung nicht aufgeben und sich seinen Optimismus bewahren.

Folge 176: Bernhard Lassahn – Der Aufstand im Warschauer Ghetto. Der Schreck der Erinnerung

Bernhard Lassahn

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Am 19. April 1943 begann der Aufstand im Warschauer Ghetto, der im Mai mit einer „Großaktion“ niedergeschlagen wurde, so dass der SS-Brigadeführer Jürgen Stroop melden konnte: „Der ehemalige Jüdische Wohnbezirk Warschaus besteht nicht mehr.“ 65.065 Juden wurden „erfasst“ und „nachweislich vernichtet“.

Ich blicke auf zwei Reisen zurück, die sich dem Geschehen annähern, auf zwei Ausflüge in die Vergangenheit mit viel Musik und mit persönlichen Erinnerungen. Ich erzähle die Geschichte einer Singschar, die in Polen auf Tour geht, um mit deutschem Liedgut und jugendlicher Fröhlichkeit die Verletzten in den Lazaretten aufzumuntern und vom Ghetto in Warschau zu berichten. Und ich stelle das Projekt „Benvenuti nel Ghetto“ der Gruppe Stormy Six vor, die von Mailand aus auf den Aufstand blickt. Dabei erkläre ich die Texte von Umberto Fiori, der italienische Poesie mit deutschen Fachausdrücken mischt, so dass wir Stichworte wie „Wehrmacht“, „jüdischer Wohnbezirk“, „Edelweiß“ und „Umschlagplatz“ heraushören, als könnten wir damit schon das ganze Elend erfassen.

Folge 179: Magda von Garrel – Mensch als Beute

Magda von Garrel

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Man kann sich leicht von der scheinbaren Beiläufigkeit täuschen lassen, denn Magda von Garrel hat ihr Buch „Mensch als Beute“ so gehalten, dass sie uns zuhören lässt, wie Gespräche geführt werden. Das ist gut zu lesen. Und so werden wir wie auf Katzenpfötchen in das Thema geführt: Die Bedrohung durch „elitäre Transformationsprojeckte“. Sie warnt vor den Möglichkeiten der Digitalisierung, die gerade im Bereich der Bildung Schäden anrichten, vor der zunehmenden Überwachung, die sich in der Sanktionsliste der EU zeigt. Der Verlierer bei den gigantischen, teils offen kriminellen Geschäften, denen sie auf der Spur ist, ist immer wieder der Mensch, der ausgebeutet, überwacht und klein gehalten wird.

Bei den Gesprächen über Corona, Gesundheit, Ernährung, Bildung, Mobilität, Diskriminierung, Überwachung, Manipulationen, Demokratieverluste und Zukunftsprojekte bleibt am Ende eine offene Frage und es lauert stets ein Abgrund hinter der Fassade des freundlichen Tons, wenn es bei einem Gespräch beispielsweise um eine Katze geht. Es ist ein Buch mit einer schönen Oberfläche, wie man das von Smartphones kennt, aber mit einer ernsthaften Tiefe.

Folge 65: Danny Ocean – Wunder, Tricks und Täuschungen

Danny Ocean

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Ocean

Wir werden sowieso ständig getäuscht, sei es durch raffinierte Werbung, sei es durch die Politik. Das erklärt Danny Ocean gleich zu Beginn seiner Shows. Er ist ein international bekannter Magier und Mentalist und gilt nach seinem spektakulären Erfolg in Korea als einer der zehn Besten der Welt, auch wenn er sich selbst ­bescheiden, wie er ist,­ nicht in die Top 10 einreihen würde. Für ihn waren Rätselfragen aller Art immer schon eine Herausforderung, er wollte den Tricks und Sinnestäuschungen auf die Schliche kommen, wohl wissend, dass die großen Fragen weiterhin ungeklärt bleiben. Er glaubt an Wunder. Die gibt es seiner Meinung nach immer noch. Jedoch nicht auf der Bühne eines Zauberkünstlers. Da gelten die Regeln der Kunst und der Unterhaltung. Er sieht seine Tätigkeit als „ehrlichen Beruf“: „Man verspricht, das Publikum zu täuschen und hält sein Versprechen. Hauptsache das Publikum ist nicht enttäuscht.“ Es ist keineswegs enttäuscht; es ist verwundert und bezaubert, wenn er direkt vor ihren Augen eine Gabel verbiegt oder Gedanken errät. Darin sieht er seine Aufgabe: Erwachsene herauszuholen aus den Fesseln der Rationalität und sie wieder staunen zu lassen, als wären sie immer noch Kinder mit großen Augen. Für Kinder mit schweren Krankheiten kann seine Kunst sogar hilfreich sein und eine Heilung befördern.

Folge 107: Przemek Schreck – Kafka bei lebendigem Leib

Przemek Schreck

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Przemek Schreck ist künstlerischer Gesamtleiter des Vereins „Die Erzählerei“. Am liebsten spricht er über Kafka. Seit mehr als 12 Jahren zieht er durch die Straßen von Prag und erzählt und erzählt. Er hält Vorträge in Schulen, Bibliotheken, Salons und leidenschaftlich gerne in Kaffeehäusern, wo Kafka sowieso hingehört und wo er ihn am besten mit seinen Erzählungen „lebendig machen“ kann. Das tut er mit Hingabe. Er stellt uns Kafka als lustigen und geselligen Menschen vor, jenseits aller „Klischee-Bilder“, die wir von ihm haben. Um es in einem für Kafka-Prosa typischen Als-ob-Satz zu sagen: Wenn Przemek Schreck von Kafka erzählt, ist es, als ob das Schwarzweiß-Bild, das wir kennen, immer farbiger und schließlich dreidimensional würde, als ob uns Franz Kafka gegenübersäße und uns anlächelt.

Folge 178: Volker Mohr – Der Architekt mit dem poetischen Blick

Volker Mohr

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Volker Mohr hat Architektur studiert und hat sich in Literatur verliebt. Er ist, wie Vera Lengsfeld meint, „einer der erstaunlichsten Gegenwartsautoren“ der Schweiz. Da ist es nicht weiter erstaunlich, dass man in seinem Buch „Der Verlust des Ortes“ Betrachtungen über die Verrohung der Baukunst findet, die – eingerahmt in literarische Ausschweifungen – eine Tendenz aufzeigen, bei der am Ende der Mensch nicht als Mensch, sondern als Maschine gesehen wird, und immer nur, wie man heute unbedacht sagt, „vor Ort“ ist, jedoch nicht im Ort.

Auch in seinem Buch „Unter Menschen“ zeigt sich Volker Mohr als Poet und Architekt zugleich: Er fügt poetische Betrachtungen zusammen, die insgesamt ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Allerdings sind stets im Hintergrund beunruhigende Untertönen vernehmbar, so dass in seinen Texten ein Gefühl von latenter Bedrohung vorherrscht. In einer Geschichte, bei der jemand durch eine leere Klinik irrt, wird der Skandal der Intensivbetten-Lüge „auf einer anderen Ebene verhandelt“. Volker Mohr berichtet davon nicht direkt, er geht bei seiner „poetischen Aufnahme“ sowieso nicht von journalistischen Meldungen aus, sondern vom Gefühl, von der Frage, wie Menschen in solchen Fällen reagieren. Der irrende Mensch in seiner Erzählung klammert sich an Erklärungen, die es ihm ermöglichen, mit der Differenz zwischen seinem Erleben und seinem Vorwissen klar zu kommen. Volker Mohr versucht, so ein Verhalten zu verstehen und will die inneren Landschaften neu vermessen, weil unserer Gefühl ein „Zuhause“ zu haben, in seinen Grundfesten erschüttert ist. Im Moment sieht Volker Mohr die Aussichten negativ, aber „auf längere Sicht“, sieht er mit Gewissheit eine Umkehr kommen.

Folge 152: Chaim Noll – „Große Erleichterung, aber keine Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung“

Chaim Noll

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Chaim Noll, früher als Hans Noll bekannt, war auf Lese- und Informationsreise in Deutschland und Ungarn und hat das neue Buch „Verteidigung der Zivilisation. Israel und Europa in der islamischen Bedrohung“ vorgestellt. Er gibt ein differenziertes Bild von der Reaktion Israels auf das Massaker vom 7. Oktober und versucht eine Einordnung in die geopolitische Lage. Er erzählt von früheren Besuchen in Berlin, spricht von „deutscher Schwäche“ und vergleicht die Stimmung und das Lebensgefühl in Deutschland und Israel. Dabei kommt Deutschland nicht ganz so schlecht weg, wie er befürchtet hatte; denn er hat hier immer noch viele „vernünftige“ Stimmen erlebt, die sich, wie er hofft, durchsetzen werden. In einem nachgereichten Kommentar zur aktuellen Entwicklung nach der Freilassung der Geiseln spricht er von „großer Erleichterung“. Es gibt jedoch „keine Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung“.

Folge 177: Friedhelm Reis – „Hass zerstört immer nur den, der hasst, niemals den Verursacher“

Friedhelm Reis

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Manche kennen Friedhelm Reis womöglich von seinen „Berliner Flair“-Stadtführungen mit Rikscha, die ihn schließlich dazu gebracht haben, ein Standardwerk über 800 Jahre Berliner Geschichte zu verfassen. Darin breitet er viele historische Quellen aus, weil er in neueren Büchern „nichts über die Seele der Stadt“ gefunden hatte. Seine umfassende Bildung geht letztlich auf seine Stasi-Haft zurück, als er in seiner Verzweiflung – nach Aufhebung des Leseverbotes – Hilfestellung und Kraft in den Schriften der Klassiker fand, besonders bei Schiller, wo es im ‚Don Carlos‘ heißt: „Verlerne zu bedürfen, was man dir verwehren kann“, und in ‚Maria Stuart‘: „Man kann dich niedrig behandeln, aber nicht erniedrigen“.

Zwei Pilgerreisen haben ihm geholfen, seine Depressionen zu bekämpfen und er hat es geschafft, über das Grauen der Verfolgung durch die Stasi zu schreiben. Er hat dabei gelernt, dass Hass immer nur den zerstört, der hasst, aber „niemals den Verursacher“, und dass er „verzeihen und vergeben“ muss.

Friedhelm Reis sieht sich heute in einem „Land, das seine Kulturgeschichte nicht wertschätzt, seine Wurzeln nicht kennt, keine Vorbilder hat und die Handwerkskunst gering geschätzt“. Er sieht einen Mangel an Gelegenheiten, bei denen Menschen zusammenfinden und sich ernsthafte die Frage nach dem Glück stellen, wie er es einst in Salons in Berlin kennengelernt hat. So eine Salonkultur möchte er wiederbeleben. Mit seinen Büchern will er uns die Möglichkeit geben, die Schätze der Bildung kennenzulernen und die „Magie der Hände“, wie sie sich in der Handwerkskunst zeigt.

Folge 64: Thommie Bayer – Das Ende der Beatles. „Ein schöner Abschied“

Thommie Bayer

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Die neue Technik macht es möglich. Sie schafft die Illusion, dass man Tote zusammenbringen kann, als würden sie noch leben. So ist ein „neuer“ Song der alten Beatles entstanden. „Now And Then“ ist ein anrührendes Abschiedslied, an dem alle vier Beatles auf ihre Art mitgewirkt haben. Zu einem Tonband aus dem Nachlass von John Lennon haben Paul und Ringo bescheidene Zutaten hinzugefügt, als hätten sie Blumen ins Grab geworfen. Auch George konnte mit dabei sein, denn es gab noch Aufnahmen aus einer Zeit, als die Restbeatles sich schon einmal mit der Aufbereitung des Titels beschäftigt hatten, aber seinerzeit noch an technischen Problemen scheiterten. Thommie Bayer, der selber zu einem kleinen Stern am Himmel der Rockstars aufgestiegen war, erzählt von der traurigen Geschichte einer verpassten Gelegenheit, die mit dem Song verbunden ist. Er blickt augenzwinkernd zurück auf seine eigenen Anfänge und auf die aufregende Zeit der Beatlemania, die mit Erwartungen aufgeladen war. Jeder neue Song war „wie ein Wunder“, war eine „Sensation“. Er weiß es immer noch: „Ich hatte das Gefühl, als wäre eine Folie abgezogen: Alles ist plötzlich anders, ich bin anders.“ Für ihn ist „Now And Then“ ein „schöner Abschied“, in dem noch etwas von dem Glanz der frühen Beatles aufflackert. Auch wenn es nicht zu einer Versöhnung zu Lebzeiten gekommen ist, so bleibt doch der Wunsch, sich dem anderen in Liebe zuzuwenden, die dominante Botschaft ihres letzten Liedes. Dann eben bei nächster Gelegenheit, now and then.