
Dr. Eugen Zentner
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Während der unglückseligen Corona-Jahren erlebten wir einen „Winterschlaf der Kultur“, wie es Friedrich Nietzsche genannt hätte. Für alle Kunstformen, die sich direkt an ein Publikum wenden wollten, gab es einen Lockdown, regierungskritische Töne wurden bekämpft. Für viele Künstler ging es ums Überleben. Obendrein stellte sich ihnen die Frage, mit welchen künstlerischen Mitteln sie die drängenden Themen verarbeiten sollten. Eugen Zentner hält die Form der Kurzgeschichte für besonders geeignet, um inneren Kämpfe darzustellen, die die Helden an einen Punkt bringen, von dem aus sie auf den „Boden ihrer Existenz schauen. Es ist ein Punkt größter Verzweiflung“. Er bringt dafür Beispiele aus seiner Sammlung „Corona Schicksale“ und spricht über die Entwicklung der modernen Kurzgeschichte, in der die Situation selber zum eigentlichen Protagonisten wird.
In seinem Buch „Kunst und Kultur gegen den Strom“ stellt er Künstler vor, die sich keinen Maulkorb umbinden ließen. Einige davon waren schon bei „Unter Freunden“ zu Gast. Das Archiv dieser Sendereihe ist – wie auch das Buch von Eugen Zentner – ein Tummelplatz der kritischen Kunstszene, die eine bemerkenswerte Vielseitigkeit aufweist und – wie an den Kurzgeschichten von Zentner deutlich wird – den ernsthaften Willen hat, nicht nur als Protokoll der laufenden Ereignisse zu dienen, sondern sich als Kunst mit einem Eigenwert zu behaupten.

Martin Betz über Christof Stählin
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Er wäre in diesem Jahr achtzig geworden. Christof Stählin ist ein vergleichsweise unbekannter, aber vermutlich einer der einflussreichsten Liedermacher gewesen, der uns nicht nur seine Werke hinterlassen hat, sondern obendrein eine Akademie – eine Schule, in der man eine Sichtweise erlernen kann, die an barocke Ideale erinnert und einem einen besonderen Blick auf die Welt ermöglicht, der von Gelassenheit und Dankbarkeit gekennzeichnet ist. Für Martin Betz ist es das Glück seines Lebens. Davon erzählt er.

Michael Klonovsky
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Gibt es ein gutes Leben im schlechten? Ein erfülltes Leben in einer Welt voller Mängel? Ein geschmackvolles Leben in einer Zeit voller Geschmacklosigkeiten? Michael Klonovsky ist ein Genießer, der es versteht, mit den kleinen Dingen den Alltag zu verfeinern und er schwärmt für die große Kunst. Er kommt aus der DDR, „aus der Zukunft“, wie er selber sagt, und gibt uns anlässlich der Feier seines sechzigsten Geburtstages Empfehlungen für die mageren Jahre, die demnächst auf uns zukommen werden: Macht Kinder und trinkt Wein!

Alexander von Bismarck
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Die Petersburger Dialoge, mit denen über viele Jahre ein vielfältiger Kultur- und Jugendaustausch zwischen Deutschland und Russland koordiniert wurde, sind seit letztem Jahr abgebrochen worden. Nun will Alexander von Bismarck mit neuen „Bismarck Dialogen“ und einer aktuellen „Freundschaftserklärung“ die Bereitschaft zum Gespräch aufrechterhalten und Begegnungen auf persönlicher Ebene ermöglichen. Von seinem Großonkel Otto von Bismarck hat er gelernt, wie wichtig der direkte Kontakt ist, um ein friedliches Zusammenleben zu erreichen – oder wiederherzustellen. Das Schloss Doebbelin mit seinen offenen Türen ist dabei ein idealer Austragungsort. Alexander von Bismarck berichtet von seinem Umgang mit der Familientradition, seinem Geschäft mit Weihnachtsbaumschmuck und seinen Gesprächen mit befreundeten Künstlern wie Justus Frantz und gesprächsbereiten Politikern wie Egon Bahr und Otto Schily. Er zitiert Helmut Schmidt: „Lieber tausend Stunden verhandeln, als einen Schuss abgeben.“

Yann Song King
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Wenn man die Corona-Jahre mit Humor betrachten will – bitte schön: Es gibt eine Hitparade mit den lustigsten Umdichtungen von Schlagern, mit denen uns Yann Song King durch die Pandemie begleitet hat: ‚Jenseits von Schweden‘, We Will Lock You‘, ‚Ein bisschen Frieren‘, ‚Sag mir, wo die Grippe ist‘ … „Pandemie-Charts“ nennt sich der Spaß, den man sich auf YouTube anschauen kann. Damit hat der singende Sachse nicht nur für gute Laune gesorgt, sondern auch eine Chronologie der Ereignisse festgehalten, um einer „Geschichtsfälschung“ entgegenzuwirken, um zu verhindern, „dass sich Linien bilden, wo ein Zickzack war.“ Er fragt sich: „Wie kann man eine Krankheit so politisieren, noch dazu – das kommt jetzt raus – wenn genau die Leute, die sich als Feuerlöscher hervorgetan haben, am Ende die Brandstifter waren?“ Es wird schnell deutlich, dass bei Yann Song King eine tiefe Ernsthaftigkeit hinter den Possen steckt. Man merkt es auch an seinen Liedern über die Bedrohung durch den Krieg.

Stefan Krähe
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In den 90er Jahren gehörte er in der Musikwelt im Osten zu den ganz Großen. Mit Six, der „besten Cover-Band der Welt“, war er mit riesigem technischem Aufwand unterwegs und füllte die großen Säle, mit Six ClasSIX trat er mit großem Orchester auf. Nun hat er ein großes Thema gefunden und engagiert sich mit seinen neuen Songs für die Erhaltung des Friedens. Dabei spricht er große Gefühle an, er singt von dem Jungen, der in den Krieg zieht und seine Mutter trösten muss und von dem besorgten Vater, der sein Kind liebt. Es droht ein Krieg, da gilt es, alles zu tun, ihn zu verhindern. „Für den Frieden geh ich mit jedem auf die Straße“, sagt er und fügt als jemand, der keinem Politiker glaubt, mit bitterem Lächeln hinzu, „auch mit Habeck“.

Achim Amme
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Robert Gernhardt hat mit seinem Spottgedicht „Ich find‘ Sonette sowas von beschissen“ selbst ein vorbildliches Sonett geschaffen und die Kunstform aufleben lassen. Es werden immer noch Sonette geschrieben und die alten werden neu diskutiert. Der Umgang mit dem berühmten Sonett 66 von William Shakespeare ist dabei besonders aufschlussreich. Im sozialistischen Weltbild sollte die Liebe keinen Platz haben; das Sonett 66 wurde von angepassten Kulturschaffenden verstümmelt, bei ihnen fehlt die Liebe. Ganz anders beim Schauspieler und Liedermacher Achim Amme, der über 1000 Sonette „zusammengeleimt“ hat und dabei der Liebe einen besonderen Raum gibt – auch dem Sex! Er führt uns in einem flotten Streifzug durch die literarische Welt des Sonetts und stellt uns seine „Sexy Sonnets“ vor.

Dr. Paul Bartsch
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Sein Lied vom „alten, weißen Mann“, das dezent an „Forever Young“ von Bob Dylan erinnert, stand im August auf Platz 1 der Liederbesten-Liste. Womöglich kennen Sie seine Songs nicht, doch die Fachwelt tut es, Paul Bartsch räumt immer wieder Kritiker-Preise ab. Er blickt zurück auf 35 Jahre Liedermachen in der DDR und 35 im „freien Westen“. Er kann vergleichen. Gelegentlich packt ihn der „Ostalgie-Blues“, doch dann besinnt er sich, zitiert Hegel und Bloch und fragt sich, ob das Heimatgefühl nur eine vage „Utopie in der Vergangenheit“ war. Er spricht bedeutungsvoll von einem „Zirkustiger“, den die Gitterstäbe zahm gemacht haben und lobt den Wert von echten Freundschaften.

Hans Scheuerlein
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Hans Scheuerlein – der „Musikliebhaber des halben Jahrhunderts“ – schreibt Popgeschichte auf eine ganz eigene Art. Er blickt stets auf einen Zeitraum von fünfzig Jahren zurück und wundert sich, dass sich die Begeisterung für seine Lieblingsplatten so lange gehalten hat. Speziell die Musik der Beatles hat sich als eine Art von Weltkulturerbe erwiesen, an dem sich das Gefühlsleben von mehreren Generationen ablesen lässt. Wir reden über Verschwörungstheorien, über Missverständnisse, versteckte Botschaften, über Adorno, über die Verteufelung der Russen und über das Geheimnis der fehlenden Liebe.

Ludwig Lugmeier
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Wie passt das zusammen? Gut. Jedenfalls im Fall von Ludwig Lugmeier, der mit Überzeugung Verbrecher war und nun mit Leidenschaft Schriftsteller ist. Er erzählt, wie sein erster Einbruch zugleich ein Ausbruch aus einer beengten Welt war. Er spricht von seinem spektakulären Überfall auf einen Geldtransport, von seiner Flucht aus dem Gefängnis, vom wahren Glück, von der Faszination des Bösen, von bewegten und bewegenden Bildern, und – am Beispiel des Hochstaplers Jack Bilbo – von der Bedeutung der richtigen Bekleidung, wenn es darum geht, "eine Rolle" zu "spielen".
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