Im ersten Teil wurde berichtet, dass der Verband der deutschen „Schriftsteller VS“ überlegt, sich in Verband deutscher „Schriftstellerinnen und Schriftsteller VSS“ umzubenennen, um den Gleichstellungsaspekt zu berücksichtigen. Ich habe erklärt, was Gleichstellung bedeutet: Es setzt ein gruppenbezogenes Denken voraus, bei dem die Gruppenbildung nach einem sexistischen Kriterium erfolgt – nämlich nach der nackten Geschlechtszugehörigkeit. Damit hat sich eine neue Art von Sexismus breit gemacht. Die neuen Sexisten haben ein natürliches Überlegenheitsgefühl, was dazu führt, dass sie ihre Vorstellungen vom richtigen Sprachgebrauch gar nicht erst zur Diskussion stellen, sondern mit Macht durchsetzen wollen. Was bedeutet das für Schriftsteller?
Die deutschen Schriftsteller sind ratlos. Sie leiden an der Innenwelt und wissen nicht wohin mit Herta Müller
Was bisher geschah: Die deutschen Schriftsteller überlegen, ob sie ihren Namen ändern sollen oder nicht. Wenn sie sich wirklich, wie vorgeschlagen, in „Schriftstellerinnen und Schriftsteller“ umbenennen, dann reichen sie damit dem Sprachfeminismus den kleinen Finger und kämen in Teufels Küche. Sie müssten dann drei Gebote befolgen: 1. Das natürliche und das grammatische Geschlecht sind eins! 2. Es gibt keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit! 3. Der Plural hat ein Geschlecht!
Worauf kommt es an? Was wollen Schriftsteller? Was wollen Sexisten? Warum ist Sarah sauer?
Was bisher geschah: die deutschen Schriftsteller wissen nicht, ob sie sich weiterhin „Schriftsteller“ oder lieber „Schriftstellerinnen und Schriftsteller“ nennen sollen. Was wäre wenn?
Deutsche Schriftsteller in der Krise. Wie sollen sie sich nennen? Wie ist ihr Verhältnis zur Natur und zur Grammatik? Wann stirbt das letzte Einhorn?
Was bisher geschah: Der Verband „VS Schriftsteller“ erwägt, sich umzubenennen in „VSS Schriftstellerinnen und Schriftsteller“. In bisher vier Teilen ging es darum, wie sich schriftstellerische Arbeit und Gleichstellungspolitik verträgt, bzw. eben gerade nicht verträgt: Die Gleichstellungspolitik bringt nämlich eine Vorstellung von Sprache mit sich, die drei Gebote kennt: 1. Das natürliche und das grammatische Geschlecht sind eins! 2. Es gibt keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit! 3. Der Plural hat ein Geschlecht!
Ein „gefährlicher“ Witz hat dem „witzelnden Professor“ Tim Hunt seine Stellung gekosten. Harald Martenstein vergleicht in der ‚Zeit’ die hysterische Stimmung von heute, in der so ein Absturz möglich ist, mit der McCarthy-Ära, „als auf alles Linke eine Hexenjagd veranstaltet wurde und als jeder zum Kommunisten gestempelt wurde, der sich mit einem Buch von Bert Brecht erwischen ließ.“
Ich antworte mit Fanpost:
„Lieber Harald. Hoffentlich siehst du es mir nach, dass ich dich kumpelhaft anmache und duze. Ich bin ein großer Freund deiner Texte. Es ist schon vorgekommen, dass ich eine lachende Frauenstimme aus der Küche gehört habe und als ich dann nachfragte, was denn nun schon wieder los sei – dann war Harald Martenstein los.
Dein Text über Tim Hunt ist deshalb so stark, weil er so sachlich ist, so gründlich. Du bringst das umstrittene Zitat in voller Länge:
„Es ist seltsam, dass ein chauvinistisches Monster wie ich gefragt wurde, vor Wissenschaftlerinnen zu sprechen. Lassen Sie mich von meinen Problemen mit Frauen erzählen. Drei Dinge passieren, wenn sie im Labor sind: Du verliebst dich in sie, sie verlieben sich in dich, und wenn du sie kritisierst, fangen sie an zu heulen. Vielleicht sollten wir getrennte Labore für Männer und Frauen einrichten? Spaß beiseite, ich bin beeindruckt von der wirtschaftlichen Entwicklung Koreas. Und Wissenschaftlerinnen spielten dabei zweifellos eine wichtige Rolle. Wissenschaft braucht Frauen, und Sie sollten Wissenschaft betreiben trotz all der Hindernisse und trotz solcher Monster wie mir.“
Wenn wir kleinlich wären, könnten wir nachfragen, ob es „heulen“ oder „weinen“ heißen muss und ob an dieser Stelle schon die Empfindlichkeiten anfangen, aber wir sind nicht kleinlich, und auf solche Feinheiten kommt es eh nicht an, denn …
„Daraufhin brach ein Shitstorm los, wegen Sexismus. Hunt wurde gezwungen, als Professor zurückzutreten, auch aus der Royal Society wurde er ausgestoßen. Es hat ihm nichts genützt, dass er sich entschuldigt hat. Als der Londoner Bürgermeister Boris Johnson sich vor ihn stellte und den „unerbittlichen Moloch politische Korrektheit“ anprangerte, wurde auch Johnson sofort bedroht. Eine Abgeordnete sagte: „Johnson macht sich schuldig im Sinne des Antidiskriminierungsgesetzes.“ Hunt arbeitete übrigens in der Zellforschung, seine Forschungsergebnisse retten vielleicht Tausenden von krebskranken Frauen das Leben. Jetzt ist er erledigt, Berufsverbot, und kann niemanden mehr retten.“
Wie kann man das erklären? Wie kann man das verstehen?
„Du schlägst einen Vergleich vor. Das ist eine gute Idee. Denn daran zeigt sich, an welchen Stellen es Überschneidungen gibt und wo gewisse Unterschiede liegen.
„Mich wundert, dass keiner die Parallelen zwischen diesem Fall und den Anschlägen auf ‚Charlie Hebdo’ gesehen hat. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man Leute erschießt oder ob man sie nur beruflich vernichtet. Aber in beiden Fällen geht es darum, dass Menschen es nicht ertragen, wenn über etwas Scherze gemacht wird (werden), das sie für unantastbar halten. Und in beiden Fällen wird mit äußerster Unbarmherzigkeit vorgegangen, um ein Klima der Angst zu schaffen. Und die Akteure sind nicht „der“ Islam oder „der“ Feminismus, sondern radikale Gruppen.“
Mich wundert es – ehrlich gesagt – nicht, dass niemand „Parallelen“ (Plural) gesehen hat, denn es gibt nur eine Parallele (Singular). Nur an einer Stelle ist ein Vergleich sinnvoll. Ich bin froh, dass du den in aller Deutlichkeit hervorhebst: Es wird in beiden Fällen mit äußerster Unbarmherzigkeit ein Klima der Angst geschaffen. Hier wirkt die alte Weisheit von Mao Zedong: Bestrafe einen, erziehe hundert.
Sonst sehe ich keine Parallelen. Aber große Unterschiede. Zunächst einmal handelt es sich um zwei grundsätzlich verschiedene Sorten von Witzen (wer wüsste das nicht besser als du?): Das eine ist Satire, das andere ist Humor.
Witz und Witz ist nicht dasselbe
„Satire greift an, Satire ist grob, Satire ist kämpferisch, Satire will verletzten, provozieren, erniedrigen; Satire stellt sich künstlich dumm und tut so, als hätte sie kein Verständnis; Satire meint, dass sie keine Grenzen beachten müsse und grundsätzlich alles dürfe, weil Kurt Tucholsky es erlaubt hat.
Der Humorist dagegen bezieht sich selbst mit ein. Wenn ein Humorist lacht, dann lacht er nicht nur über andere, sondern immer auch über sich selbst. Während man über einen Satiriker sprichwörtlich sagt, dass er Pfeile abschießt, so versucht ein Humorist, ein gutes Ende im Lachen zu finden, das den anderen gelten lässt.
Die beiden Witze unterscheiden sich damit auch in ihrem Gegenstand; denn es ist sehr wohl ein Unterschied, ob ich einen Witz über Mohamed mache oder über mich selbst. Wer ist das Monster? Bin ich es oder ist es der andere?
Wenn wir die beiden Witze vergleichen, merken wir schnell, dass es gar keine sind. Nun kenne ich die Cartoons von ‚Charlie Hebdo’ nicht aus eigener Anschauung und muss bei meinem Urteil einem Feingeist wie Michael Klonovsky vertrauen. Ich vermute, dass sich die Macher des Blattes darin gefielen, mit dem Feuer der kalkulierten Geschmacklosigkeiten zu spielen. Sie wussten sehr wohl, dass ihre Bilder vom Propheten kein gutes Haar an ihm ließen.
Ganz anders bei Tim Hunt. Er hebt die guten Haare der Frauen ausdrücklich hervor und streichelt sie. Im Vertrauen – unter uns Humoristen: Er ist sicher ein ausgezeichneter Forscher, aber kein guter Witzerzähler. Seine Bemerkung ist überhaupt nicht witzig. Sie ist ein verdruckstes Kompliment, eingerahmt in eine kokett-ironische Selbstbezichtigung, die man durchaus als misslungen ansehen, aber auch charmant finden kann. Früher haben wir uns in so einem Fall im Kreis aufgestellt und gemeinsam ausgerufen: „Witz komm raus, du bist umzingelt!“ Es kam keiner.
Um welches Heiligtum geht es eigentlich?
Was ist das „Unantastbare“, über das man, wie du schreibst, keine Scherze machen darf? Beim Islam ist mir das klar. Das verstehe ich. Das respektiere ich. Aber beim Feminismus? Welche heilige Kuh hat Tim Hunt geschlachtet? Ich sehe da keine Kuh. Vermutlich ist er sowieso Vegetarier und schlachtet grundsätzlich keine Kühe. Für mich klingt er wie jemand, der sich redlich bemüht, dem Feminismus nach dem Mund zu reden.
Die Frauen sagen es selber: Ihre große Emotionalität sehen sie als besonderen Wert und sie sind es auch, die Arbeitsplätze fordern, die nach Geschlechtern getrennt werden (was Tim Hunt nicht getan hat). Eine Gleichstellungsbeauftragte hätte es womöglich so formuliert – und ernst gemeint: „Immer noch werden Frauen am Arbeitsplatz belästigt und ins Abseits gedrängt. Das muss sich ändern. Männer sind emotional verkrüppelt und können mit den Gefühlen der Frauen nicht umgehen. Deshalb brauchen wir einen permanenten Girls’ Day, damit Frauen die Möglichkeit haben, ohne die schädliche Gesellschaft von Männern die Berufswelt zu erobern und neu zu gestalten.“
Was hat Tim Hunt falsch gemacht? Das vernichtende Urteil, das über Tim Hunt gefällt wurde, lautet – das hast du ganz richtig dargestellt – Sexismus! Sexismus muss etwas ganz Schlimmes sein, etwas ganz, ganz Schlimmes. Was aber ist Sexismus?“
In Nürnberg weiß man, was Sexismus ist
„Eine Antwort finden wir in Nürnberg, der „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“. In ihrem Internetauftritt präsentiert die Stadt eine Studie „gegen Rechtsextremismus“ aus dem Jahre 2011, die von der Friedrich Ebert Stiftung erstellt wurde. Darin geht es um Intoleranz, um Vorurteile, um Diskriminierung, um gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, um die „Abwertung der Anderen“.
Und um Sexismus: „Eine wesentliche Kategorie, auf der Vorurteile und Stereotypen im Alltag basieren, ist das Geschlecht. Die mangelnde Gleichstellung von Männer(n) und Frauen in allen Bereichen des Lebens ist ein anhaltendes Thema, denn Frauen sind strukturell noch immer massiv benachteiligt.“
So ist das. Wer etwas einwenden will, übersieht etwas Wichtiges: „Strukturelle Chancenungleichheiten und Diskriminierungen werden dabei übersehen oder verleugnet, beispielsweise bei der Ablehnung von speziellen Frauenquoten mit dem Verweis darauf, dass sich individuelle Leistung durchsetze. Übersehen wird dabei, dass die entscheidenden Strukturen aber von Männern gemacht sind, an den Bedürfnissen von Männern orientiert sind und von Männern dominiert werden.“
Lassen wir die Frage beiseite, ob wir dem zustimmen oder nicht. Für die Wissenschaftler, die diese Studie besorgt haben, stellte sich das Problem, wie man Sexismus nachweisen und in Zahlen ausdrücken kann. Das haben sie folgendermaßen gelöst: Sie haben die Zustimmung zu folgenden Aussagen abgefragt:
Frauen sollten ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen.
Wenn Arbeitsplätze knapp sind, sollten Männer mehr Recht auf eine Arbeit haben als Frauen.
So macht man das. So kommen Ergebnisse zustande, die man in Zahlen ausdrücken kann. Eine große Zustimmung zu den Sätzen zeigt, dass im hohen Ausmaß Sexismus vorhanden ist. Ich wüsste schon – weil ich den Braten rieche –, wie ich die Sätze bewerten müsste, wenn ich mich vom Vorwurf des Sexismus reinwaschen wollte, aber ein wenig verwirrt bin ich doch. Wann wurde eigentlich das „Recht auf eine Arbeit“ eingeführt? Da muss ich gerade im Urlaub gewesen sein. Wie auch immer. Ich glaube, wir sind uns einig: Dies ist natürlich eine gaaanz andere Art von Wissenschaft als die, die Tim Hunt betrieben und für die er den Nobelpreis erhalten hat.“
Mit dem Dirndl zur Arbeit. Geht das?
„Immerhin wird damit etwas deutlich, das womöglich den ein oder anderen überrascht – oder die eine oder die andere oder all die, die nicht wissen, ob sie zu den einen oder zu den anderen gehören. Man kann auch in unserem Alter immer noch Überraschungen erleben.
Viele stellen sich womöglich etwas Falsches vor, wenn sie das böse Wort „Sexismus“ hören. Sie stellen sich vor, dass damit ein Verhalten von Männern gemeint ist, die nicht richtig auf den Sexappeal von Frauen reagieren (Dirndl, Tanzkarte, Aufschrei, Alltagssexismus … oder: Busengrapschen, Blondinenwitze …), dass es also irgendwie etwas mit der körperlichen Attraktivität von Frauen zu tun hat, die auch als „erotisches Kapital“ bezeichnet wird.
Aber da ist noch mehr. Da ist noch etwas anderes: Der Sexismus, um den es hier geht, wird durch die Frage definiert, wie die Bedeutung der Frauen für die Arbeitswelt gesehen wird: Ein Sexist ist demnach jemand, der einer Politik nicht zustimmen mag, die Frauen verstärkt aus der Familie heraus- und in die Arbeitswelt hineindrücken will.
So passt es halbwegs zu Tim Hunt. So kann man ihn auch gut von Rainer Brüderle unterscheiden, der ebenfalls als Sexist gilt, wenn auch irgendwie auf andere Art. Bei ihm gab es auch ein echtes „Opfer“ (wenn wir es so sehen wollen), das unter ihm leiden musste, eine Journalistin vom ‚stern’. Wie war das bei Tim Hunt?
Anders. Kein Opfer in Sicht. Tim Hunt hat keiner Frau etwas angetan, seine Feindlichkeit, die man ihm unterstellt, ist eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, sie richtete sich nicht gegen eine real existierende Frau, sondern gegen die Frauen als Gruppe. Deshalb ist auch eine Entschuldigung oder eine Wiedergutmachung nicht möglich: Bei wem sollte er sich entschuldigen? Bei „den“ Frauen? Wo sollte eine Wiedergutmachung ansetzen? Er hat nichts Schlechtes gemacht. Tim Hunt ist ein Wohltäter. Den Frauen als Gruppe hat er mit seiner Forschung geholfen und hat, wie du sagst, damit womöglich der ein oder anderen aus der Krankheit herausgeholfen.
Immerhin: Wir haben nun verstanden, dass wir Sexismus nicht nur an einer Meinung zum Busen im Dirndl, sondern auch an einer Meinung zur Frau in der Arbeitswelt erkennen – das Wichtigste haben wir damit immer noch nicht kapiert. Wir stehen aber kurz davor. Wir müssen uns nicht nur fragen, was Sexismus ist, sondern vielmehr, wer die Sexisten sind.“
Nicht was, sondern wer
„Man handelt sich den Vorwurf, ein Sexist zu sein, nicht dadurch ein, dass man etwas sagt, das man besser nicht sagen sollte, sondern dadurch, dass man ein Mann ist, egal was man gesagt und wie man es gemeint hat. Um in dem Bild zu bleiben, das du verwendet hast: Tim Hunt wurde nicht etwa mit einem Taschenbuch von Bertolt Brecht erwischt, sondern mit einem Taschenbuch von Simon de Beauvoir.
Wir ahnten es schon, als ich mir die Gleichstellungsbeauftragte ausgedacht und ihr einen fiktiven Text untergejubelt habe. Da hatte sich gezeigt, dass es gar nicht darauf ankommt, was jemand sagt. Es kommt einzig und allein darauf an, wer dieser jemand ist. Hier findet die berüchtigte Wer-Was-Verwechslung statt, die eine menschenfeindliche, intolerante Grundstimmung kennzeichnet.
Das zeigt auch die erwähnte Studie, die man auf der Internetseite der Stadt Nürnberg nachlesen kann. Ich bin sicher, dass sie das nicht zeigen wollte. Sie zeigt es aber. Selber schuld. Das haben sie nun davon. Warum machen sie solche fragwürdigen Studien?! Wir erinnern uns? Ob man Sexist ist oder nicht, sollte sich am Umgang mit den beiden Testfragen offenbaren. Was ist dabei herausgekommen? Oh weh, es gibt es Sexismus. Es wäre auch erstaunlich gewesen, wenn herausgekommen wäre, dass es keinen gibt. Doch nun kommt die spannende Frage: Wer ist sexistisch? Was sind das für Leute? Die Antwort: Frauen sind es. Frauen sind sexistisch. Mehr als Männer.
Das heißt: wenn man auf der Basis dieser Definition von Sexismus, die durchaus einen gewissen offiziellen Rang beanspruchen kann, einen Mann als „Sexisten“ bezeichnet, dann bezeichnet man damit einen Mann, der die Mehrheitsmeinung der Frauen vertritt.
Das darf er nicht. Wehe! Wenn er es dennoch tut, kann es ihn (beruflich) vernichten. Warum? Weil er ein Mann ist. Darum! Frauen können sexistisch sein, soviel sie wollen. Aber: Wenn jemand aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Gruppe (die er sich nicht ausgesucht hat und die er auch nicht ändern kann) verurteilt wird, dann ist das – bitte tief Luft holen vor dem Aufschreien – … hhh, hhh, hhh, … dann ist das: Rassismus. Dann ist das gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Dann ist das der wahre Sexismus von heute – der gefährliche Sexismus. Er ist nur für Männer gefährlich. Ein Mann kann jederzeit durch einen unbegründeten Sexismus-Vorwurf zugrunde gerichtet und Opfer eines Shitstorms (Steinigung in digitaler Dosis) werden.
Nicht Tim Hunt ist Sexist. Seine Peiniger und Steiniger sind Sexisten. Da es sich um Frauen handelt, kann man auch sagen: seine Peinigerinnen und Steinigerinnen. Sie verurteilen ihn nicht etwa für eine schreckliche Tat, nicht dafür, dass er als Person etwas Unverzeihliches getan hätte, sondern dafür, dass er einer Gruppe – der Gruppe „der“ Männer – angehört, gegen die sich ihre gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit richtet, die sie als die mächtigen Sexistinnen von heute genüsslich und hemmungslos exekutieren. Weil sie es können. Weil sie es dürfen.“
Wo sind sie alle?
„Nun kommt der Punkt, an dem sich der Fall Tim Hunt krass vom Fall ‚Charlie Hebdo’ unterscheidet. Hier gibt es keine Parallele. Im Gegenteil. Ich frage mich: Wo sind die Schriftstellerinnen, die SchriftstellerInnen, die Schriftsteller_innen, die Schriftsteller*innen … wo sind die Journalistinnen, JournalistInnen, Journalist_innen, Journalist*innen und all diejenigInnen, die schon durch ihre aufdringliche Selbstbezeichnungen deutlich machen, wie wichtig ihnen ihre Sensibilität für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist? Wo sind sie? Was sagen sie dazu? Was sagen die Feministen?
Wo sind (abgesehen von uns beiden) die Schriftsteller und Journalisten, die fürchten müssen, dass sie in Zukunft nur noch unaufrichtige und verkniffen angepasste Texte schreiben können? Wo sind die aufrechten Politiker, die seriösen Wissenschaftler, die publikumswirksamen Bedenkenträger, die mutigen Verteidiger von Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit, die sich europaweit zu eindrucksvollen Massenveranstaltungen zusammenfinden? Wo sind die geänderten Profilbilder auf facebook? Wo kann man T-Shirts mit der Inschrift „I am Tim“ kaufen? Wo bleibt der Aufstand der Anständigen?
Man könnte sich doch mit einem ausgezeichneten Wissenschaftler und Hobby-Humoristen, dessen Scherz wir nun genau kennen, viel eher solidarisch erklären als mit Zeichnern von Cartoons, die viele von denen, die sich spontan „Je suis Charlie“ auf den Oberarm tätowieren ließen, nicht kannten. Es geht schließlich prinzipiell um dieselbe Sache! Oder – sagen wir – um eine vergleichbare Sache. Insofern ist dein Blick auf die Parallelen, über die ich anfangs ein wenig gemeckert habe, richtig und wichtig.“
Die Fische können nichts dafür
„Nun kommt ein Punkt, an dem ich widersprechen möchte – oder anders gesagt: Es kommt ein Punkt, den ich ausführen will. Du schreibst, dass nicht „der“ Feminismus der Akteur war, sondern eine radikale Gruppe. Damit entschuldigst du „den“ Feminismus. Der war’s also nicht. Man kann sich auch schlecht vorstellen, dass „der“ Feminismus, den du zu recht in Anführungsstrichen auftreten lässt, ein Akteur ist.
Aber wenn es nicht „der“ Feminismus war, wer dann? Wo ist hier die radikale Gruppe? Sehen wir uns die Akteure näher an. Da sehen wir eine feministische Journalistin, die vorsätzlich falsch von dem Vortrag berichtet und damit einen Shitstorm ausgelöst hat (sie meldete, dass der Bemerkung von Tim Hunt eisiges Schweigen folgte. Tonaufnahmen von dem herzlichen Applaus wurden erst bekannt, als es zu spät war). Da sehen wir feministische Steinigerinnen, die innerhalb kürzester Zeit einen Shitstorm lostreten konnten. Dann sehen wir die feministische Leitung der Universität, die vorschnell, ohne Tim Hunt eine Chance zu geben und ohne den Fall richtig zu kennen, mit einem Rauswurf reagierte. Dann sehen wir die von dir erwähnte feministische Abgeordnete, die den Bürgermeister von London (einen Mann), der Tim Hunt verteidigen wollte, zurechtwies und ihm Rechtsverletzung vorwarf.
Was wird getan? Es wird eine falsche Beschuldigung in die Welt gesetzt. Das ist nicht ungewöhnlich. Das passiert ständig. Der ach-so-privilegierte alte, weiße Mann ist sowieso im Moment die beliebteste Adresse für Schuldzuweisungen im großen Stil. Da wird es dann schon keinen Falschen treffen. Dann wird noch etwas von den vielen, kleinen Scheißestürmerinnen beigetragen, immer nur ein bisschen was, es wird nur ein klitzekleiner Kieselstein geworfen. Dann wird unterlassen. Es wird etwas nicht getan. Tim Hunt wird nicht weiter beschäftigt. Seine Entlassung wird nicht begründet. Ihm wird nicht mehr zugehört. Die meisten Akteure in dem Fall sind Nicht-Akteure. Das gilt auch für alle, die fassungslos zuschauen – und nichts tun.
Wer tut denn etwas? Es ist in unserem Fall keine radikale Gruppe, die etwas Verbrecherisches getan hat. Wir haben es mit einem Schwarm zu tun, der unbeirrt mit dem Strom treibt. In ihm schwimmen viele kleine Fische mit, die gar nicht zu großen Verbrechen in der Lage sind. Einige davon sind niederträchtig, viele sind nur dumm. Sind sie radikal? Im Einzelfall sind sie es nicht. Sie wirken aber in ihrer Gesamtheit. Jede einzelne Mitschwimmerin ist der Meinung, dass sie eigentlich nichts täte. Oder bestenfalls ein bisschen was tut. Doch jede einzelne tut es in dem Wissen, dass die kleinen Unterlassungen und die vielen kleinen Kieselsteine verheerende Folgen haben (sonst bringt ein Shitstorm keine Befriedigung, die bringt er nur, wenn er mit Macht und Verantwortungslosigkeit verbunden ist).
So bleibt zum Schluss die berühmte Frage eines Krimilesers: Wer war es? Ist der Täter endlich überführt? Ja. Der Akteur ist der Feminismus in seiner Gestalt als sexistisch-rassistische furchterregende Medusa.
Der Erfinder des Dreiwortsatzes „Je suis Charlie“ hatte damals erklärt, dass eine der Bedeutungen dieses Slogans sein sollte: „Ich habe keine Angst“. Ich habe den Eindruck, dass wir Angst haben.
Das Leben ist das Wichtigste des menschlichen Daseins.
So sagte er einst. So kennen wir ihn, wie er leibte und lebte. Nun lebt er nicht mehr. Er wäre am 20. Februar des Jahres 2015 106 Jahre alt geworden. Die Zeit ging rasend schnell vorbei:
Kaum, dass auf diese Welt du kamst,
zur Schule gingst, die Gattin nahmst,
dir Kinder Geld und Gut erwarbst –
schon liegst du unten, weil du starbst.
So hat er es einst gedichtet. Im letzten Jahr wollte ich zu seinem Geburtstag noch einen Zweizeiler hinzufügen:
Er ist jetzt hundertfünfe
und hat noch unbekannte Trümpfe.
Aber ich kam nicht dazu. Die Zeit ging rasend schnell vorbei. Nun muss es heißen:
Jetzt wird er hundertsechse.
Wie? Trümpfe gibs? Entdeckse!
Es geht, wie wir bestimmt sofort erkannt haben, um Heinz Erhardt. Aber was soll der für Trümpfe haben? Wieso sind die unbekannt geblieben? Wir kennen doch alles von ihm. „Große Schatten werfen ihre Ereignisse hinter sich“, hat er einst gesagt. Nun liegen sie da, die Schatten, die Ereignisse. Und nun? Als neulich im Fernsehen der bisher unbekannter Kurzfilm ‚Geld sofort’ gezeigt wurde, war das jedenfalls keine großartige Entdeckung.
Manche halten seine Texte sowieso nicht für besonders geistreich, sie erkennen da lediglich oberflächliche Witzeleien, die auf dem Glatteis der sprachlichen Missverständnisse ausrutschen und zu Kurzschlüssen führen, als würden wir bei einem Starthilfekabel die Plus- und Minus-Enden nicht etwa an die Batterie eines anderen Autos anschließen, sondern direkt gegeneinanderhalten, so dass da ein Blitz entsteht, der wie ein Geistesblitz wirkt. Ein Auto kommt damit nicht in Fahrt. Wir vermissen bei ihm die Tiefe, die uns Deutschen so wichtig scheint.
Sollte es da wirklich noch mehr geben? Trümpfe gar? Ja. Ein beachtlicher Teil der Kunst von Heinz Erhardt ist tatsächlich bisher im Schatten geblieben. Wenn wir nur den großen Dicken kennen, kennen wir nur einen kleinen Heinz Erhardt. Es gibt noch andere Seiten von ihm. Erstaunliche Texte und erstaunliche Musik. Jawohl, Musik. Bei Musik erwarten wir sowieso mehr Tiefe. Doch Musik trauen wir ihm gar nicht zu.
Es gibt sie aber. Schon zu seinem Hundertsten spielte die Konzertpianistin Chie Ishii in der Berliner Philharmonie einige seiner Kompositionen und öffnet mit ihrem Programm „Heinz Erhardt – mal klassisch. Klassik trifft Humor“ einen Fächer mit bisher unbekannten Facetten. Es hieß wirklich: „Klassik trifft Humor“. Aber passt das zusammen? Ist Klassik nicht grundsätzlich humorlos? Wer trifft sich da überhaupt? Es klingt ja fast, als hätte man Limericks von Kafka entdeckt.
Reden wir eigentlich über denselben Heinz Erhardt? War der überhaupt Musiker? War er nicht vielmehr das Schwergewicht des leichten Humors mit kleinen Gedichten über kleine Tiere – wie Made, Regenwurm und Kabeljau? War das nicht diese Ulknudel? Dieser ewige Kindskopf? Diese lächerliche Figur, die für uns zum Inbegriff der Peinlichkeit der frühen sechziger Jahre geworden ist? War das nicht der, der von sich sagte, dass er nicht von der Muse geküsst wurde, sondern von der Pampelmuse?
Genau der. Ihm möchte ich zum Geburtstag gratulieren, ihm möchte ich einen späten Gruß nachtragen. Dazu will ich kurz etwas über seine Musik schreiben und ihn dreimal hochleben lassen für seine kurzen Gedichte, die eben doch nicht so ganz ohne sind.
Wie war das mit dieser Konzertpianistin? Sollte das ein Scherz sein? Ausgerechnet eine Japanerin will uns Heinz Ehrhardt nahebringen? Wie das denn? Sie ist doch eine Frau, die den Resonanzboden seiner Texte überhaupt nicht kennt; eine Exotin, die überhaupt nicht eingebunden ist in die deutsche Kultur und Geschichte; eine Fremde, die keinen Sesshaftigkeitshintergrund hat! Geht das überhaupt? Nun: Falls wir denken sollten, dass wir keine Vorurteile haben, dann wäre das ein Vorurteil.
So war es (Es klingt wie in einem Roman von Klaus Modick): Auf dem Dachboden wird zufällig ein Karton mit handgeschriebenen Zetteln gefunden. Es sind Noten, die Heinz Erhardt als Siebzehnjähriger geschrieben hat. Dass er aus einem musikalischen Haus stammt und große Pläne in Sachen Musik hatte, wissen wir aus seiner ‚Lebensgeschichte’, wie sie Rainer Berg und Norbert Klugmann aufgeschrieben haben. Doch wie klingt das? Seine Töchter Grit Berthold, Verena Haacker und Marita Malicke, die ein bezauberndes Buch über Heinz Erhardt „privat“ zusammengestellt haben, treffen auf dem Kreuzfahrtschiff MS Europa die Pianisten Chie Ishii, die zu den Stars auf hoher See gehört. So fing es an.
In den USA hat man bei der Zusammenstellung einer Jury manchmal das Problem, dass man bei besonders prominenten Fällen niemanden findet, der nicht schon mal davon gehört hat und daher nicht unvorbelastet ist. Im Fall von Heinz Erhardt war Chie Ishii die ideale Besetzung: Sie mochte die Musik, hatte aber noch nie von Heinz Erhardt gehört, sie kannte kein Gedicht von ihm und hatte noch keinen seiner Filme gesehen. Sie hatte keine Vorurteile – oder besser gesagt: nur ein Vorurteil der besonderen Art.
In ihrem Programm lernen wir Heinz Erhardt erst richtig kennen. Wir sehen ihn in seiner Ganzheit. Denn erst wenn man ihn von Weitem sieht, erkennt man die ganze Größe. Wenn man zu dicht davorsteht, sieht man nur einen Teil. Chie Ishii hatte als Kollegin die Bereitschaft, ihn von Anfang an als ernsthaften Künstler zu sehen. Sie stellte die richtigen Fragen, die großen Fragen: Wo kommt er her? Was hat er für ein Verhältnis zu seiner Heimat? Was für ein Verhältnis zur Kunst und zu seinen Vorbildern? Was für eines zur kleinen Form, zum Handwerk und zur Arbeit? Was für eins zum Krieg? Zu seiner Frau?
Chie Ishii hat das große Verdienst, dass sie bei ihrem Programm nicht einfach nur so viele Lacher wie möglich abgreift, sondern mit einer Ernsthaftigkeit an die Kunst herantritt, bei der wir plötzlich – falls wir es nicht doch schon geahnt haben – bemerken, dass auch seine Texte eine bisher unterschätzte Qualität haben.
Auch wenn seine Gedichte nicht gerade tiefsinnig sind, so sind sie nicht flach. Sie sind auch nicht hochsinnig, sie sind – sagen wir mal – ebenerdig. Sie bauschen sich nicht auf, sie raunen nicht, sie lassen keine falsche Größe zu. Keine Lüge. Das ist schon mal was.
Uwe Friesel, der in diesem Jahr seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag feiert, erinnert sich noch gut an die Schulzeit: „Nie wieder Krieg! – lautete damals die Parole. Die Pädagogen, die gerade erst einen überlebt hatten, wollten alles besser machen. Sie wollten die Ideale von Klassik und Humanismus von den Beschädigungen, die sie erleiden mussten, reinigen und endlich wieder zum Guten, Wahren und Schönen vordringen. Doch was die Schüler damals viel lieber lasen, fiel unter das Schlagwort ‚Kahlschlagliteratur’. Die war nüchtern, sie vertrug kein Pathos.“
Heinrich Böll notierte: „Man hat noch nicht begriffen, was es bedeutete, im Jahre 1945 auch nur eine halbe Seite deutscher Prosa zu schreiben.“ So war die Stimmung damals. Wie sollten da Gedichte entstehen?
Uwe Friesel schreibt weiter: „Das Alte war toter als tot, das Neue war noch nicht zu erkennen. Da konnte nicht einfach an die Klassik anknüpfen. Den Schülern kamen Schillers ‚Fest gemauert in der Erden’ und Goethes ‚Bedecke Deinen Himmel, Zeus’ wie Botschaften von einem fremden Stern vor, egal, wie sich die Deutschlehrer auch abmühten.“ Auch die Gedichte von Heinz Erhardt verweisen oft auf einen klassischen Hintergrund, den ein Leser oder Hörer von heute, der die Zitate nicht parat hat, gar nicht mehr erkennt. Egal. Nun ist es sowieso vorbei. Schon bei Heinz Erhardt gab es nichts zu retten. Man konnte nur noch darüber lachen. Doch das Lachen von Heinz Erhardt enthielt auch eine Portion Traurigkeit und eine heimliche Verehrung. Es war immer auch ein Lachen über sich selbst.
Er war ein gefürchteter Lehrerschreck. Nicht nur, dass er den Pädagogen ihr Vorhaben, die deutsche Klassik wiederzubeleben und mit neuem Wert auszustatten, gründlich vermasselte, in seinen Gedichten findet ein grundsätzliches Misstrauen gegen die Sprache selber, die wie ein dünnes Eis erscheint, wo man jederzeit einbrechen kann, oder wie ein glattes Eis, auf dem man leicht ausrutscht.
Inzwischen wird das – wenn auch erst in Ansätzen – gewürdigt. „Was man plötzlich wahrnimmt“, schreibt Uwe Friesel weiter, „ist die für viele erstaunliche, für mich aber seit Schülertagen unumstößliche Gewissheit, dass Erhardts Verse aus derselben hintergründigen Substanz sind wie die von Busch und Morgenstern und Ringelnatz.“ Ich stimme zu. Und Uwe Friesel ist nicht der einzige, der die literarische Qualität von Heinz Erhardt entdeckt hat. Auch das Nachschlagewerk ‚50 Klassiker Lyrik’ aus dem Gerstenberg-Verlag zählt ihn neben Ingeborg Bachmann, Erich Fried und Peter Rühmkorf zu den bedeutendsten Dichtern der Jetztzeit.
Selbst in seinen Filmrollen, in denen manche Kritiker nur den Klamauk erkennen, sieht Uwe Friesel noch etwas mehr: „Ich sehe darin ein ziemlich genaues Abbild des Kleinbürgers aus der Zeit des Wirtschaftswunders, der sich nicht recht zurechtfindet in der braven neuen Welt des Neckermann-Tourismus. Aber noch die blödsinnigste Blödelei von Erhardt war ja nie dumm: dazu wer er zu intelligent.“
Nun verkleidet sich Uwe Friesel selber als Lehrer und bringt uns zurück in die Penne (auch ein Wort, das sich inzwischen gewandelt hat. Früher nannten wir das Gymnasium so, heute gibt es Penne beim Italiener) und er führt uns beispielhaft eine Gedichtinterpretation vor. Damit lassen wir ihn zum ersten Mal hochleben:
Der Förster
Mitten im Wald
Stand der Förster und schalt:
denn er fand auf seiner Suche
eine ungeeichte Buche,
und im selben Waldbereiche
eine ungebuchte Eiche.
Was sehen wir da? Magister Friesel erklärt es so:
„Wie man sieht, herrscht hier im deutschen Wald, der uns seit der Romantik heilig ist, eine Unordnung, die ein deutscher Förster schlechterdings nicht durchgehen lassen kann, weshalb er in Schimpfen gerät: ‚Mitten im Wald/stand der Förster und schalt.’ ‚Schalt’ von ‚Schelte’, nicht etwa von ‚schallen’: ein genialer, unvermuteter, ja eigentlich unerlaubter Reim, wie so viele aus Erhardt’scher Feder. Die Leute verstanden solch naiv daherkommenden Wortwitz, der es in Wahrheit faustdick hinter den Ohren hat, sofort.“
Hier ahnt man schon, dass ein musikalisches Empfinden zugrunde liegt: Die Gedichte sind formal perfekt, man hat gleich den Eindruck, dass hier jemand lange an der Sprache gefeilt und geschliffen hat. Auch wenn der Inhalt banal wirkt, mit der Form hat sich Heinz Erhardt große Mühe gegeben.
Das kann man auch von Robert Gernhardt und F.W. Bernstein sagen. Sie hatten ein ähnliches Problem. Die modernen Gedichte, die sich von jeder Form verabschiedetet hatten, behagten ihnen nicht. Ausgerechnet die komische Dichtung versuchte, die Form zu wahren. Sie brauchte nämlich eine Formvorgabe für ihr Timing und für die komischen Effekte. So kommt es, dass sich gerade bei der komischen Dichtung die Handwerker und Techniker versammeln. Da finden sich die Dichter, die in der Überwindung oder in der Zerstörung einer Form keinen Wert sehen.
Martin Betz, der knapp über fünfzig ist, sieht in Heinz Erhardt vor allem eine Figur des Wirtschaftswunders: „Radioauftritte tragen zur Berühmtheit bei, die im selben rapiden Tempo zunimmt wie der materielle Wohlstand in der jungen Bundesrepublik. Der Komiker, der denselben Nachnamen trägt wie der Wirtschaftsminister, hat sich gewandelt, aus dem schmalbrüstigen Musensohn am Piano ist der gewichtig-gewitzte Familienvorstand geworden, der in Filmkomödien ideal die Rolle eines umtriebigen Firmenchefs verkörpern kann.“
Martin Betz sieht auch, dass die Bilder, die wir von unserem Geburtstagskind haben, die „artistischen Feinheiten des Künstlers Erhardt verstellen“ und möchte sich für eine nähere Untersuchung seiner Stilmittel stark machen. Besonders hat es ihm ein Gedicht angetan – das kurze, ausnahmsweise reimlose, metrisch gebundene Gedicht ‚Schal und Rauch’, das Martin Betz sogar zu den besten ernsten Gedichten seiner Zeit zählen würde und das gleichwohl, wie zur Entschuldigung, eingangs und ausgangs je ein Wortspiel präsentiert. Damit soll er zum zweiten Mal hochleben:
Schal und Rauch
Und der Rauch der Zigarette
kräuselt sich und steigt zur Decke,
und da oben wird er breiter.
Und nun sieht er Deinem blauen
Schal so ähnlich, dem ich zürnte,
weil er das tat, was du ständig
mir verbotest, nämlich dieses:
Dich ganz zärtlich zu umhalsen.
Doch nun ist der Rauch verflogen.
nichts erinnert an den Schal mehr,
höchstens der Geschmack im Munde,
den ich habe, weil er schal ist.
Martin Betz schreibt: „Erhardt kann als die Repräsentationsfigur der westdeutschen Nachkriegsgeschichte schlechthin gelten. Der Dichter, der kein Außenseiter, der Komiker, der kein Sonderling ist, sondern vielmehr Prototyp und, aufgrund seiner großartigen Selbstironie, auch Karikatur des Bundesbürgers, der es zu etwas gebracht hat.“
Doch das hat seinen Preis: „Die Rastlosigkeit, die Vorliebe für komfortable Hotels und Autobahnfahrten, bei denen der Mercedes-Fan Erhardt stets selbst am Steuer sitzt, teilt der Komiker mit dem neuen Berufsstand der Manager, nach dem sogar eine in den Sechziger Jahren grassierender Krankheits-Komplex benannt wird: die ‚Managerkrankheit’. Ihre Wirkung bekommt der übergewichtige und dauergestresste Erhardt schließlich selbst zu spüren: indem er schließlich einen schweren Schlaganfall erleidet. Halbseitig gelähmt, muss Erhardt seine Auftrittskarriere beenden.“
Hier kommt wieder die Musik ins Spiel. Heinz Erhardt kann nicht mehr sprechen. Er verbringt seine letzten Tage damit, seine Lieblingsmusik aus alten Tagen zu hören. An dieser Stelle kommen im Programm von Chie Ishii große Gefühle auf: Sie weiß, welche Stücke er von Chopin gerne gehört hat. Es sind zufällig auch ihre Lieblingsstücke, die sie schon früher gespielt hat, ohne wissen zu können, dass es eine unsichtbare, aber doch starke Verbindung zu Heinz Erhardt gab. An der Stelle im Programm hat man das Gefühl, es würde eine unbekannte Enkeltochter ihrem kranken Opa einen letzten Gefallen tun und damit ein weltweites Netz einer Verständigung spannen, wie es nur die Musik vermag. Da haben wir alles, was man sich von Heinz Erhardt wünschen kann: Missverständnisse in der Sprache und Einverständnis in der Musik. Und das alles in einem Programm. Da kann man nicht nur lachen, man möchte fast schon weinen.
Mein Lieblingsgedicht von Heinz Erhardt will ich auch noch erwähnen. Dreimal soll er hochleben. Es hat drei Fragezeichen als Titel und handelt von Eichhörnchen – oder sollte gar von etwas ganz anderem die Rede sein?
???
Warum heißt bloß das Eichhorn ‚Eichhorn‘?
Denn weder hinten, geschweige vorn
hat es ein Horn oder dergleichen,
auch sieht man es nicht nur auf Eichen.
Ein Wort erscheint und tritt in Kraft,
sein Sinn jedoch bleibt schleierhaft.
So lässt mich noch etwas nicht ruhn:
Was hat der Mensch mit ‚Mensch‘ zu tun?
Ich habe das Gefühl, dass mir diese Eichhörnchen überall begegnen. „Ein Wort erscheint und tritt in Kraft, sein Sinn jedoch bleibt schleierhaft“ – dieser Spruch war schon lange mein treuer Gefährte. Den wollte ich schon oft an den Rand einer Zeitungsnotiz schreiben. Schon als Kind hatte ich mich gefragt, ob etwas, wenn es kein Wort dafür gibt, überhaupt existiert, ohne dass ich sagen könnte, ob sich diese Überlegung auf irgendeinen Philosophen bezieht. Ich erinnere mich noch, wie die Worte „Sex“, „Stress“, „Frust“ und „Nostalgie“ als Modeworte auftauchten und wie ich mich damals fragte, ob es die Sachen, die damit benannt werden sollen, schon gegeben hatte, ehe es die Worte gab oder ob die Worte sie erst geschaffen haben und so etwas sind wie Deckel ohne Töpfe.
Ich frage mich das heute immer noch. Wenn ich etwa Begriffe lese wie „Nachhaltigkeit“, „Geschlechtergerechtigkeit“, „Diskriminierung“ oder „Menschenrechtsaktivist“ (um nur einige Beispiele zu nennen). Da frage ich mich, ob es das alles überhaupt gibt oder ob es sich dabei vielmehr um eine neue Art von Eichhörnchen handelt.
Wie man sieht, kann einem die Dichtung von Heinz Erhardt echte Lebenshilfe bieten. Und was zu lachen gibt es auch.
Soeben ist der zweite Band von ‚Frau ohne Welt’ aus der Trilogie zur Rettung der Liebe erschienen. Er behandelt den „Krieg gegen das Kind“. Dazu gibt es eine eigene Seite: ‚Frau ohne Welt’, auf der es auch um den Sprachfeminismus und die Möglichkeiten eines Geschlechterfriedens geht. Da ich auch Kinderbuchautor bin (dazu gibt es die Seite ‚Blaubär und Bananenbieger’, auf der auch die Wahrheit über Käpt’n Blaubär verraten wird), berührt mich das Schicksal der Kinder, die in eine lieblose Welt, in der man sie mit Orientierungsproblemen der Erwachsenen schädigt, hineingeboren werden.
Auch für das Buch ‚Turm der Lieder und Lügen’ gibt es eine eigene Seite, sie heißt: ‚Turm der Lieder’. Da gibt es Lieder und Texte über Liedermacher, sowie einige kleine Texte von den Brettern, die möglicherweise die Welt bedeuten.
Gibt es Krieg? Diesmal mit Atomwaffen? Als damals die Angst vor so einem Krieg in Europa umging und es bei uns so etwas wie eine Friedensbewegung gab, erschien das Günther Anders Lesebuch, das ich zusammengestellt hatte, nachdem ich in Hiroshima war und meine Eindrücke verarbeiten wollte. Ich hatte Angst vor einem Krieg. Angst vor der Atombombe. Nach dem Unglück in Fukushima ist das Buch unter dem Titel Die Zerstörung unserer Zukunft neu erschienen. Die Texte, die ich seither dazu geschrieben habe, habe ich hier zusammengestellt.
Mein Beitrag zu diesem langfristig angelegten Projekt besteht darin, für die Neuaufnahmen der Werke von Haydn jeweils einen Text zu schreiben, der versucht, das Lebensgefühl der Zeit, die Person von Joseph Haydn und sein Umfeld zu beschreiben. Die musikwissenschaftlichen Kommentare zu den – wie man sagt – „historisch informierten“ Aufnahmen schreibt Christian Moritz-Bauer. Wir arbeiten zusammen. Wir haben Giovanni Antonini nach seinem Konzept befragt und historische Tatorte besucht. Ein besonderes Extra der Sonderausgaben sind die fantastischen Fotos.
ist ein umfangreicher Tatsachenroman, nicht bloß ein Schmöker, der auf hoher See spielt, sondern ein umfangreicher Generationsroman, der einst von der FAZ als „’Animal Farm’ der Friedensbewegung“ bezeichnet wurde: In einer sowohl künstlerischen als auch politischen Aktion, die symbolisch und konkret zugleich sein sollte, werden verbotene Bücher auf einem Segelschiff nach Afrika gebracht.
war mein erster Roman: In einer realistischen Rahmenhandlung werden – als würden zwischendurch Videos eingelegt – fantastische Geschichten erzählt, bei denen etwas Echtes durch etwas Modellhaftes ersetzt wird.
Die Schönheit der Frauen (Goldmann, 2001),
zum Buch
über das Buch
das ursprünglich ‚Die Schönheit der Frauen aus dem Radio’ heißen sollte, hat gar keine Rahmenhandlung mehr, nur noch Parabeln. So gesehen sind beide Romane Versuche, die Welt in Fabeln zu erklären.
Ab in die Tropen (Diogenes, 1984)
zum Buch
über das Buch
hat nur eine realistische Rahmenhandlung von einem jungen Mann, der aussteigen will und sich zum falschen Zeitpunkt verliebt. Es ist eine durchgehende kleine Winter-Erzählung.
In dem Buch finden wir die Geschichte vom Märtyrertor. Eine Geschichte aus der Zeit von Not und Pest. Auch aus der Zeit von Corona?
Hier stelle ich das Buch in einemm kurzem Video vor:
Es war mein erster Roman, der im Diogenes-Verlag erschienen ist und nun noch einmal neu, diesmal mit Zeichnungen von Uli Gleis. Man merkt, dass ich noch jung und unbefangen bin.
In der Rahmenhandlung wird eine Reise durch Deutschland unternommen, durch die BRD, besser gesagt, denn Deutschland ist noch geteilt. Man merkt auch deutlich die Stimmung der achtziger Jahre. Aber die wüsten Geschichten, die sich im Kopf des Reisenden abspielen, sind zeitlos und gehen an das Eingemachte: an die Träume und Ängste.
Ein Kritiker hatte bemängelt, dass so etwas kein Roman sei, sondern lediglich eine Aneinanderreihung von wüsten Geschichten. Ja. Schon. Aber die gehören zusammen und ergeben ein Ganzes.
Die Vorbilder waren für mich Die gelben Männer von Urs Widmer, Frühstück für starke Männer von Kurt Vonnegut und Tante Julia und der Kunstschreiber von Mario Vargas Llossa. Da ist es auch so. So ähnlich jedenfalls.
Ich habe damals die modernste Technik genutzt, die mir zur Verfügung stand: eine IBM Kugelkopfmaschine mit zwei auswechselbaren Schriftköpfen. Und mit Korrekturband.
Mit dem Courier-Kopf habe ich die Rahmenhandlung beschrieben: eine Reise durch das Land mit den lila Kühen von einem, der günstig mit einem Tramper-Monatsticket reist.
In den Gesprächen im Zugabteil geht es noch um solche Fragen wie die, ob die DDR zu Deutschland gehört und ob es die Götter extra so eingerichtet haben, dass die Liebenden ein paar Stationen voneinander entfernt leben.
Leider, leider, leider muss der Reisende beobachten, wie die Städte immer gesichtsloser und verwechselbarer werden als würden sie völlig hinter den Werbeplakaten verschwinden. Schlimm genug.
Mit dem Italic-Kopf habe ich dann zehn Geschichten als Kommentare eingeschoben, als hätte der liebe Leser – und unser Reisende – ein Kino im Kopf.
Da geht es um Entdecker, die im Weltall herumfliegen und das Echte nicht mehr vom Surrogat unterscheiden können, um einen Liebhaber, der sich eine ideale Frau aus verschiedenen Einzelteilen zusammenbaut.
Es geht um einen Trickbetrüger, der den Zufall verkaufen will und um die Verfilmung einer Liebesgeschichte, bei der die Liebenden durch Doppelgänger ersetzt sind.
Da wird von einem Ludel-Dichter berichtet, der unverstanden bleiben will, aber gerade deshalb zu einer Kultfigur wird.
Es gibt eine einmalige Hamlet-Ausführung, bei der zum Schluss der Theaterkritiker dran glauben muss.
Es geht um einen einsamen Mann, der die Götter herausfordert, weil er alle schöne Frauen küssen will; es geht um zwei Computer, die sich bekämpfen, um die Rache der Gummistiefelmörder und um weitere fantastische Geschichten – auch alles schlimm genug irgendwie, aber da hat das Schrieben noch richtig Spaß gemacht.
Man merkt aber schon, dass da immer wieder ein Gefühl von Heimatlosigkeit durchschimmert, dass es um den Verlust von etwas geht, das man als „echt“ bezeichnen möchte.
Das Buch stammt schließlich aus der Zeit, als sich das Wort wie ein Virus verbreitete und man das Gefühl hatte, man müsse es mit „ä“ schreiben (wie in „Ätsch Bätsch“) und ein Fragezeichen anhängen: ächt?
Ja!
Hier noch ein kleiner Ausschnitt
„Ich will dir mal eine Geschichte erzählen“, sagte der Mann, obwohl er gar nicht wußte, ob er das gut konnte, aber das war eine gute Gelegenheit, also los:
„Es war einmal ein Planet, auf dem hatten die Götter alles wunderbar fertig aufgebaut. Schöne Häuser; grüne Wiesen, über die wilde Pferde hinweggaloppierten; große Flüsse. Alles war fertig, sogar den Fahrplan für die Zugverbindungen hatten die Götter schon ausklamüsert. Alles war schön geworden, und auf jedem Baum, auf jeder Blume, überall stand das Zeichen: Copyright by the Gods. Nur die Menschen waren noch nicht fertig. Die lagen zwar alle schon vorbereitet in Kühlboxen und konnten jederzeit aufgetaut werden, doch denen fehlte noch die Programmschaltung für Liebe, und da konnten sich die Götter einfach nicht einig werden, nach welchem Programm sich die Menschen lieben sollten. Der eine Gott wollte, dass immer je zwei Menschen in Liebe zusammenpassen, und wollte dazu ein System einbauen wie bei BKS-Schlüsseln, wo immer nur der richtige Schlüssel ins richtige Schlüsselloch paßt. Andere Götter fanden das langweilig und wollten lieber Kombinationsstecker und Steckdosen, die man beliebig zusammenstecken konnte. Andere Götter fanden es schon mal gar nicht gut, dass immer zwei sich auf Gegenseitigkeit lieben sollten, und machten den Vorschlag, dass immer je sieben Männer ein und dieselbe Frau lieben sollten, damit auch ordentlich was los wäre auf dem Planeten. Ein Gott machte sogar den Vorschlag, dass alle Männer nur eine einzige Frau lieben sollten, und die eine Frau wollte er in der Kühlbox lassen, so dass alle Männer vergeblich lieben würden. Andere Götter waren für mehr Ernsthaftigkeit und brachten ein Weggefährten-Modell in die Debatte, danach sollten sich immer Paare finden gemäß ihrer jeweiligen Arbeit. Andere Götter waren völlig gegen Paare und wollten stattdessen, dass sich die Menschen in lockeren Gruppen zusammentun. Ein Gott wollte sogar alle Menschen auf Einzelwesen programmieren. Kurz, es herrschte keine Einigkeit. Die Götter konnten sich nicht mal darüber einigen, ob es mehr Eifersucht oder mehr Liebe auf dem Planeten geben sollte, ein Gott wollte sogar überhaupt keine Liebe, nur Sehnsucht …“
„Die stimmt aber nicht, die Geschichte“, freute sich die Frau plötzlich.
„Die denke ich mir doch nur aus.“
„Das ja, aber du denkst sie falsch aus.“
„Wieso?“
„Der Planet kann nicht schon ohne Liebe fertig sein. Das geht nicht. Die Welt prägt die Liebe und läßt nicht jede Art von Liebe zu: So wie die Welt ist, so ist auch die Liebe in der Welt. Zum Beispiel hast du gesagt, dass die Häuser schon fertig sind – sind das denn Einfamilienhäuser? Häuser mit Gemeinschaftsräumen? Oder Leuchttürme für Einzelwesen?“
„Ist schwierig“, mußte der Mann zugeben, „stimmt, ist ganz schön schwierig.“
Es gibt dazu auch einen Text in englischer Sprache
Auf dem schwarzen Schiff
ist ein Taschenroman über „Operation Namibia“, bei der auf einem Segelschiff Bücher nach Afrika gebracht werden sollten – eine symbolische und zugleich konkrete Aktion, in der wir sofort den Geist der 70er Jahre erkennen, als John Lennon noch lebte. Ich wollte immer schon mal eine richtigen Schmöker schreiben, so was in der Art wie „Meuterei auf der Bounty“. Als mir Raphael Schell eines Tages von seinen Abenteuern an Bord der ‚Golden Harvest‘ erzählt hat, war ich so verzaubert, dass ich selber einige Tatorte in Afrika aufgesucht und Überlebende in London und Aukland befragt habe. Zunächst hatte ich mit dem Titel „Friedenspiraten“ geliebäugelt, Raphael dagegen mit „Blues der Bücher“ – beides stimmt. Es ist ein Beitrag zur Friedensbewegung und eine Liebeserklärung an das Buch.
Hier stelle ich das Buch in einem kurzen Video vor: