Land mit lila Kühen

 

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Ausschnitt

 

„Ich will dir mal eine Geschichte erzählen“, sagte der Mann, obwohl er gar nicht wußte, ob er das gut konnte, aber das war eine gute Gelegenheit, also los:

„Es war einmal ein Planet, auf dem hatten die Götter alles wunderbar fertig aufgebaut. Schöne Häuser; grüne Wiesen, über die wilde Pferde hinweggaloppierten; große Flüsse. Alles war fertig, sogar den Fahrplan für die Zugverbindungen hatten die Götter schon ausklamüsert. Alles war schön geworden, und auf jedem Baum, auf jeder Blume, überall stand das Zeichen: Copyright by the Gods. Nur die Menschen waren noch nicht fertig. Die lagen zwar alle schon vorbereitet in Kühlboxen und konnten jederzeit aufgetaut werden, doch denen fehlte noch die Programmschaltung für Liebe, und da konnten sich die Götter einfach nicht einig werden, nach welchem Programm sich die Menschen lieben sollten. Der eine Gott wollte, dass immer je zwei Menschen in Liebe zusammenpassen, und wollte dazu ein System einbauen wie bei BKS-Schlüsseln, wo immer nur der richtige Schlüssel ins richtige Schlüsselloch paßt. Andere Götter fanden das langweilig und wollten lieber Kombinationsstecker und Steckdosen, die man beliebig zusammenstecken konnte. Andere Götter fanden es schon mal gar nicht gut, dass immer zwei sich auf Gegenseitigkeit lieben sollten, und machten den Vorschlag, dass immer je sieben Männer ein und dieselbe Frau lieben sollten, damit auch ordentlich was los wäre auf dem Planeten. Ein Gott machte sogar den Vorschlag, dass alle Männer nur eine einzige Frau lieben sollten, und die eine Frau wollte er in der Kühlbox lassen, so dass alle Männer vergeblich lieben würden. Andere Götter waren für mehr Ernsthaftigkeit und brachten ein Weggefährten-Modell in die Debatte, danach sollten sich immer Paare finden gemäß ihrer jeweiligen Arbeit. Andere Götter waren völlig gegen Paare und wollten stattdessen, dass sich die Menschen in lockeren Gruppen zusammentun. Ein Gott wollte sogar alle Menschen auf Einzelwesen programmieren. Kurz, es herrschte keine Einigkeit. Die Götter konnten sich nicht mal darüber einigen, ob es mehr Eifersucht oder mehr Liebe auf dem Planeten geben sollte, ein Gott wollte sogar überhaupt keine Liebe, nur Sehnsucht …“

„Die stimmt aber nicht, die Geschichte“, freute sich die Frau plötzlich.

„Die denke ich mir doch nur aus.“

„Das ja, aber du denkst sie falsch aus.“

„Wieso?“

„Der Planet kann nicht schon ohne Liebe fertig sein. Das geht nicht. Die Welt prägt die Liebe und läßt nicht jede Art von Liebe zu: So wie die Welt ist, so ist auch die Liebe in der Welt. Zum Beispiel hast du gesagt, dass die Häuser schon fertig sind – sind das denn Einfamilienhäuser? Häuser mit Gemeinschaftsräumen? Oder Leuchttürme für Einzelwesen?“

„Ist schwierig“, mußte der Mann zugeben, „stimmt, ist ganz schön schwierig.“

„Ja, es ist schwer.“

Die beiden schwiegen ein bisschen.

 

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Über das Buch

 

Ein Kritiker hatte bemängelt, dass so etwas kein Roman sei, sondern lediglich eine Aneinanderreihung von wüsten Geschichten. Ja. Schon. Aber die gehören zusammen und ergeben ein Ganzes. Die Vorbilder waren für mich Die gelben Männer von Urs Widmer, Frühstück für starke Männer von Kurt Vonnegut und Tante Julia und der Kunstschreiber von Mario Vargas Llossa. Da ist es auch so. So ähnlich jedenfalls.

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