Attest für Literaten. Sie müssen nicht gendern

Haben Sie schon von einer „öffentlichen Schreibweise“ gehört? Nein, noch nicht? Dann hören Sie mal. Ich meine natürlich: dann lesen Sie bitte weiter.

 

Ihre Meinung ist uns wichtig

 

„Ihre Meinung ist uns wichtig“ – wenn mir jemand so kommt, bin ich sofort misstrauisch und vermute ein vorgetäuschtes Interesse. Wir kennen das. Wir werden gefragt, haben aber nichts zu sagen. Es wird lediglich so getan, als gäbe es einen Hauch von Mitbestimmung, wir werden nur irgendwie mit einbezogen, selbst wenn wir leise murren, wir werden abgeholt und mitgenommen auf eine Reise, bei der das Ziel längst feststeht. Nun ist es passiert. Ich wurde gefragt.

 

Und? Wie ist meine Meinung zur „öffentliche Schreibweise“? Schwer zu sagen. Ich höre den seltsamen Begriff zum ersten Mal und weiß nicht so recht, was damit gemeint ist. Ich habe allerdings meine Vermutungen. Mit dem verführerischen Charme der Undeutlichkeit soll hier eine Veränderung eingeführt werden, die viel weitreichender ist, als die scheinheilige Befragung erahnen lässt. Ich halte das Zauberwort von der „öffentlichen Schreibweise“ für eine Mogelpackung. Für einen raffinierten Taschenspielertrick. Wie komme ich dazu? Sehen wir uns die beiden Komponenten näher an. Undeutlich ist sowohl das „öffentlich“ als auch die „Schreibweise“. Beide Komponenten setzen eine Spaltung voraus. Schauen wir mal:

 

Wie hätten Sie denn gerne eine öffentliche Schreibweise?

 

Der P.E.N. befragt zu dem Thema die „Kolleginnen und Kollegen“. Einer von ihnen, Prof. Dr. Lutz Götze, ist zugleich Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung, und dieser Rat will nun rechtzeitig zu seiner nächsten Sitzung am 26. März ein Papier der Arbeitsgemeinschaft Geschlechtergerechte Schreibung (der Herr Götze ebenfalls angehört) verabschieden, das eine „Empfehlung“ für den oben erwähnten „öffentlichen Schreibgebrauch“ abgeben will. Zur Diskussion stehen dabei folgende Möglichkeiten:

 

„-Doppelnennung: vollständige Paarform: (Schülerinnen und Schüler, jede und jeder)

Verkürzungen: Schrägstrichvarianten: (Lehrer/in, Lehrer/-in)

Binnen-I: LehrerIn, MitarbeiterInnenbüro)

Doppelpunkt: (Forscher:in)

Klammer: Lehrer(in)

Ersatzformen: geschlechtsneutrale übergreifende Formulierungen/Abstrakta: weder Frauen noch Männer sind sprachlich sichtbar (Studierende, Lehrkräfte, Gäste, Direktion)

Varianten geschlechtergerechter Markierung für mehr als zwei Geschlechter sind:

-*Asterisk( Sternchen): (Lehrer*innen, Ärzt*innen). Hier ergibt sich ein Fehler beim Stammmorphem(der *Ärzt)

Gender-Gap-Varianten: Aufhebung binärer Personenvorstellungen. Männliche und weibliche Personen sowie inter* und trans* sind gemeint:

Statischer Unterstrich (jede_r Lehrer_in, Bürger_innen)

    Dynamischer Unterstrich (We_lche Mita_rbeiterin)

-x-Form, Plural=xs : ( Dix Studierx; Dixs Studierxs)

Kurzwörter ( Azubi, Hiwi, OB)“

 

Was hat Literatur mit Öffentlichkeit zu tun?

 

Nun dürfen wir gespannt sein, welche dieser Empfehlungen das Rennen machen. Sie sollen speziell für den „öffentlichen Schreibgebrauch“ gelten – für den öffentlichen wohlgemerkt, also nicht für den literarischen. Denn „literarisches Schreiben und persönliche schriftliche Äußerungen (Brief, Karte, e-mail)“ sollen, wie es lakonisch heißt, „nicht betroffen“ sein.

 

Da fragt man sich: Warum werden dann ausgerechnet die Mitglieder des P.E.N. dazu befragt? P.E.N. ist die Abkürzung für Poets, Essayists und Novellists. Die sind nicht betroffen. Denn den vielen Romanciers, Essayisten und Poeten, die im P.E.N. organisiert sind, geht es um literarisches Schreiben. Sollen sie trotzdem den neuen Empfehlungen für den „öffentlichen Schreibgebrauch“ folgen? Etwa dann, wenn sie nicht literarisch (und nicht persönlich) schreiben, wenn sie beispielsweise Stellungnahmen abgeben oder Solidaritätsadressen verfassen?

 

Sollen also die Mitglieder im P.E.N. zukünftig einen doppelten Schreibgebrauch pflegen, so dass sie in ihren Novellen weiterhin von inhaftierten „Journalisten“ schreiben, bei ihrem „öffentlichen Schreibgebrauch“ jedoch von „Journalistinnen und Journalisten“, von „Journalist*innen“, von „Journalist­_innen“, „Journalist:innen“ oder „JournalistInnen“?

 

Kann man Öffentlichkeit teilen?

 

Es heißt: „öffentlicher Schreibgebrauch“. Wenn es um Öffentlichkeit geht, dann sind Schriftsteller natürlich betroffen. Sie wollen ihre Werke schließlich veröffentlichen. Alle „bücherschreibenden Personen“, wie aktuell „Autoren“ definiert werden, drängen an die Öffentlichkeit, sie wollen keinesfalls davon ausgeschlossen werden. Neuerdings scheint es jedoch zwei Öffentlichkeiten zu geben, in denen jeweils verschiedene Schreibgebräuche gelten.

 

Moment … Das geht nicht. „Öffentlichkeiten“ gibt es nicht im Plural. Das hat das Rechtschreibprogramm von meinem Computer sofort erkannt und entsprechend angemahnt. Öffentlichkeit ist ein Singularetantum. Das sehe ich auch so. „Öffentlichkeiten“ kommt mir falsch vor. Es gibt nur eine Öffentlichkeit.

 

Also gut – dann haben wir eben nur eine einzige Öffentlichkeit, in der allerdings zwei verschiedene Standards für den Schreibgebrauch gelten. Das erscheint mir genauso falsch.

 

Bösewichter, Bleichgesichter, Heuchler, Duckmäuser und Denunzianten

 

Wir kennen das vom Sprechen. Da kann es zu üblen Szenen kommen. Ich erinnere mich, in meiner Jugend von fiesen Bleichgesichtern gelesen zu habe, die sehr zum Missfallen von Winnetou mit „gespaltener Zunge“ gesprochen haben. Das waren die Bösen. So sollte man nicht sprechen. Wir kennen es auch vom Predigen. Erinnert sei an die üblichen Verdächtigen, die öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken. Das ist verlogen und betrügerisch, das sollte man lieber nicht tun. Pfui! Und wir kennen es vom Flüstern der Duckmäuser, vom Sprechen hinter vorgehaltener Hand; wenn wir – wie wir es heute tun – im privaten Kreis anders reden als in Zusammenhängen, bei denen wir fürchten müssen, dass ein missgünstiger Lauscher mithört, etwas in den falschen Hals kriegt und versucht, uns zu schaden. Das ist schlimm. Das sind Zustände wie in einer Diktatur, in der die Freiheit verloren gegangen ist. Pssst!

 

Das gab es bisher beim gesprochenen Wort. Dass nun auch beim geschriebenen Wort – also beim Schreiben – eine Spaltung eingeführt werden soll, ist neu, und das ist gar nicht gut. Dann haben wir genau die beklagenswerten Zustände, wie wir sie beim Sprechen im Kontext von Verbrechen, Heuchelei, Unterdrückung und Denunziation haben, auch beim Schreiben. Dann haben wir es schriftlich. Deshalb war auch stets vom „Schreibgebrauch“ die Rede.

 

Wie passt das zusammen?

 

Das kam mir gleich verdächtig vor. Vielleicht haben Sie „Schreibgebrauch“ gelesen und gedacht, dass damit „Sprachgebrauch“ gemeint ist. Das passiert leicht. Mit einem alleinstehenden Schreibgebrauch fremdeln wir noch. Wir kennen natürlich die Zweierpackung: „Sprach- und Schreibgebrauch“. Die leuchtet sofort ein. Beides gehört zusammen. Es geht darum, wie man spricht und wie man es schreibt. Mir war sofort verdächtig, dass hier der Schreibgebrauch unabhängig vom Sprachgebrauch auf einem Bein hüpfend ins Feld geführt wurde. Kann man denn die beiden Elemente voneinander trennen?

 

Wohl nicht. Andererseits beziehen sich die beiden Teile aus dem Doppelpack nicht so reibungslos auf einander, als hätten wir es mit zwei Bierdeckeln zu tun, die man deckungsgleich übereinanderlegen kann, so sehr wir uns auch eine klare und einfache Zusammengehörigkeit wünschen mögen.

 

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die umstrittene Lernmethode „Schreiben nach Gehör“, die vor etwa zwanzig Jahren ausprobiert wurde und uns den „Fata“ und die „Muta“ beschert hatten. Ein Irrweg. Eine Studie im Jahr 2013 stellte fest, dass das Experiment zu einer Verarmung des Wortschatzes und zu deutlich größerer Fehlerhäufigkeit geführt hatte (vorher: 7 Fehler aus 100 Wörter/ nachher: 17 Fehler aus 100 Wörter).

 

Wie predigte einst der Kohlrabi-Apostel?

 

Dem Scheitern ging bereits ein Scheitern aus den zwanziger Jahren voraus, von dem man offenbar nicht gelernt hat. Wer kennt ihn noch? Der als „Kohlrabi-Apostel“ bekannte Carl Gustaf Adolf Nagel, ein leicht bekleideter Naturmensch, Wanderprediger, Barfussläufer und Reformer, der sich gemäß seiner eigenen „ortografi“ schlicht „gustaf nagel“ schrieb, hatte sogar eine eigene Partei, die „Deutsche kristliche Folkspartei“, die bei der Reichstagswahl 1924 ganze 0,01 Prozent der Stimmen erringen konnte. Zu seinen Forderungen gehörte eine grundlegende Rechtschreibreform nach dem Motto: „schreibe wi du sprichst“. Nun ja, das war wohl nix. Was allzu schlicht ist, scheitert.

 

Ich bin übrigens auch ein Opfer der Vorstellung, dass man alles einfach so schreiben kann, wie man es spricht. Wir hatten einen Deutschlehrer, an dem wahrscheinlich ein großer Schauspieler verloren gegangen war. Er hatte eine dermaßen prononcierte Aussprache, dass man bei offenem Fenster vermutlich noch auf der gegenüberliegenden Straßenseite jeden Konsonanten identifizieren konnte. So hatte ich beim Diktat geschrieben: „Er zock sein Hempt an“. So hatte es der Lehrer gesagt. Mir wurden dafür mehrere Fehler angekreidet, man hat mir diese kleinen Vergehen nicht großzügig als Flüchtigkeitsfehler durchgehen lassen, als Flüchtlingskind hatte ich damals keinen Bonus.

 

Am Anfang war das Wort – das gesprochene Wort

 

So einfach ist es also nicht. Dann eben nicht. Und dennoch gehören Sprechen und Schreiben zusammen wie Pech und Schwefel. Wenn vom Sprachgebrauch die Rede ist, denken wir den Schreibgebrauch automatisch mit. Er ist nachgeordnet. Erst kam das Sprechen, dann das Schreiben. Sprachgebrauch war zuerst da. Den pflegen auch Analphabeten, auch wenn es davon keine schriftlichen Zeugnisse gibt. Der Schreibgebrauch regelt nachträglich, wie wir aufschreiben und festhalten können, was wir gesprochen haben.

 

Nun haben wir eine neue Situation. Die Reihenfolge ist auf den Kopf gestellt: Der vorgeschlagene neue Schreibgebrauch mit Sternchen, Unterstrich oder Doppelpunkt ist nicht aus dem tatsächlichen Sprechen hervorgegangen, sondern aus der Tastatur des Computers aufgestiegen. Die Formel „Schreibgebrauch first, Sprachgebrauch later“ stellt uns vor das Problem, dass wir nicht wissen, wie wir das Geschriebene – das Getippte – aussprechen sollen. Das ist auch nix.

Sprachgebrauch und Schreibgebrauch werden geschieden

 

Das einbeinige Wort-Ungeheuer „Schreibgebrauch“ ist vergleichsweise neu – doch so neu nun wieder auch nicht. Im Jahr 2013 wurde das Projekt Schreibgebrauch gestartet, im Jahr 2016 wurde es beendet. Es wollte ein Instrumentarium entwickeln, um die „tagtägliche Produktion von Schriftdeutsch für orthografische Untersuchungen auszuwerten“, auf dass sie dem Rat für deutsche Rechtschreibung als „Bausteine für die künftige Normierungsarbeit“ dienen können.

 

In anderen Worten: Man hat nachgesehen, wie die Leute heutzutage schreiben. Dabei wurden, wie es ausdrücklich heißt, nicht nur „Zeitungen, Zeitschriften und Bücher von ‚professionellen Schreibern‘, sondern auch Schülertexte und Internetbeiträge etwa in Blogs und in Foren“ ausgewertet. Erstaunlicherweise stehen die „professionellen Schreiber“ in Anführungsstrichen, als wollte man sich von diesen Leuten distanzieren.

 

Genau das hat man auch getan. Denn in der unübersichtlich großen Produktion von Schriftdeutsch in Romanen, Essays und Gedichten – ob von Autoren im P.E.N. oder nicht – wird sich kaum etwas gefunden haben, was dem Rat für Rechtschreibung als Baustein für eine künftige Normierungsarbeit nützlich gewesen sein könnte. Eine Schieflage bei der Gewichtung der Datenlage war da unvermeidlich. Die Literatur von professionellen Schreibern blieb den Germanisten überlassen. Die wiederum haben ihre eigene Terminologie, zu der ein Begriff wie „Schreibgebrauch“ nicht gehört –  jedenfalls gehörte er nicht dazu, als ich das studiert habe.

 

Zwei Spaltungen

Das Projekt Schreibgebrauch wurde besonders bei schriftlichen Äußerungen fündig, in denen die gendergerechte Sprache vorangetrieben wurde, von der es umso mehr gab, je mehr der Journalismus von Frauen dominiert wurde. Je mehr die gendergerechte Sprache durch Gleichstellungsbeauftragte in einer Politik verankert wurde, die grundsätzlich zwischen Frauen und Männern trennt. Die Gendersprache hat sich umso stärker durchgesetzt, je mehr der Nichtgebrauch mit sozialer Ächtung und Nachteilen (beispielsweise an Universitäten) verbunden war. Die Spaltung der Öffentlichkeit, die ich weiter oben beklagt habe, wurde schon an dieser Stelle vorbereitet. Dieses war der erste Streich.

 

Da speziell Internetforen erfasst wurden, hatte es das Projekt Schreibgebrauch mit Texten zu tun, die Sonderzeichen enthielten, die ohne Rücksicht darauf benutzt wurden, ob sich die neuartigen schriftlichen Produktionen überhaupt in gesprochene Sprache umsetzen lassen. Um Sebastian Krämer aus dem Lied „Deutschlehrer“ (auf das ich gleich näher eingehen werde), zu zitieren: Das Internet wurde zum Ort, „wo die Schriftlichkeit ihre triumphale Renaissance bar jeder Orthographie erlebt, ich kozze ab mit zwei Zett …“  Das also war der zweite Streich. So kam es zu einer weiteren Spaltung – zu einer vom gesprochenen zum geschriebenen Wort.

 

Nun haben wir den Salat. Mehr und mehr trennte sich das Sprechen vom Schreiben und die „öffentliche Schreibung“, die mit dem Projekt Schreibgebrauch mit unverdächtigen Absichten aus der Taufe gehoben wurde, bereitete auf lange Sicht die Trennung der Öffentlichkeit in zwei Lager – und damit auch die Spaltung der Gesellschaft.

 

Schlechter Rat muss nicht billig sein

 

Vielleicht hatten sie noch nie von dem Projekt Schreibgebrauch gehört, aber dass es einen Rat für deutsche Rechtschreibung gibt, in dem auch der oben erwähnte Prof. Dr. Götz tätig ist, haben Sie vermutlich undeutlich in Erinnerung und haben sich womöglich schon gewundert, wieder davon zu hören. Womöglich haben Sie sich im Stillen gefragt: Gibt es den etwa immer noch? Was macht der überhaupt?

 

Die umstrittene Rechtschreibreform, die uns der Rat seinerzeit eingebrockt hat, liegt ja nun schon ein Weilchen zurück. Richtig. Die gab es 1996. Vor mehr als zwanzig Jahren also. Damals gab es sehr viel Wirbel um die richtige Schreibweise von Worten (Delfin, Nessessär, Wandalismus). Erinnert sich noch jemand? Wenn ja, dann vermutlich ungern.

 

Sebastian Krämer hat ein dramatisches Lied zu dem Thema geschrieben, aus dem ich schon zitiert habe. Es hatte trotz seiner ungewöhnlichen Form erstaunliche Popularität gewonnen. „Deutschlehrer“, schimpft er, „ihr hättet die neue Rechtschreibung verhindern können …“ Wie wir inzwischen wissen, haben sie es nicht getan. „Schande über euch, Schande, Schande …“ Lange ist es her. Wie lange, sieht man u.a. daran, dass in einem kurzen Schwenk ins Publikum Kurt Beck (wer war das noch?) zu erkennen ist.

 

Der Sprachfrieden hat nicht lange gehalten

 

Im Jahre 2004 wollte der Rat für deutsche Rechtschreibung, wie es hieß, „Sprachfrieden“ herstellen, denn es herrschte bereits ein regelrechter „Rechtsschreibkrieg“; der Duden wurde als „das meistgehasste Buch“ bezeichnet. Zu den Friedensangeboten, die schließlich im Jahr 2017 verkündet wurden, gehörte es, dass bei der „Goldene Hochzeit“ das vorangestellte „Goldene“ weiterhin großgeschrieben werden kann, dass es Yoga heißt und nicht „Joga“, und dass der Grizzlybär auf die Schreibweise „Grislibär“ verzichtet. Es war auch das Ende der Majonäse. Mayonnaise schreibt man nun weiterhin so, wie sie schmeckt. Nun war Frieden. Die Wellen sind geglättet.

 

Die Rechtsschreibreform sieht man heute als Unglück, an das man nicht dauernd erinnert werden möchte. Die Luft ist raus. Günter Grass – damals wohl das prominenteste Mitglied im P.E.N. und einer der schärfsten Kritiker der Rechtschreibreform – lebt nicht mehr. Wir haben uns zähneknirschend an die Folgen dieser Reform gewöhnt. Das Publikum wünscht sich zwar immer wieder das Lied „Deutschlehrer“ als Zugabe, doch Sebastian Krämer hat keine rechte Lust, dem Publikum den Gefallen zu tun. Auch er hat mit dem Thema abgeschlossen. Die Luft ist raus. Jedenfalls war sie eine Zeit lang raus.

 

Nun ist die Luft wieder drin. Heiße Luft. Wer nach dem historischen Sprachfrieden anno 2017 gedacht hatte, dass wir bei der Rechtsschreibreform noch mal mit einem blauen Auge davongekommen seien und dass es alles noch viel schlimmer hätte kommen können, steht jetzt als blauäugig da: Es kommt noch schlimmer. Der Rat für Rechtschreibung ist wieder da – da, wo er nicht hingehört.

 

Wenn es schlechte Schüler gibt, wie schreibt man das richtig?

 

Die Empfehlungen, um die es nun geht, gehören nämlich nicht in den Zuständigkeitsbereich des Rates Rechtsschreibung, auch wenn immer wieder von „Schreibung“ die Rede ist. Das lässt sich leicht zeigen. Eine Frage der Rechtschreibung wäre es, wenn wir festlegten, dass die Schreibweise „Schühler“ nicht korrekt ist, auch „Schüla“ nicht ­– was an das berüchtigte Methode „Schreiben nach Gehör“ erinnert.

 

Nach dem zur Debatte stehenden Empfehlungen zum gendergerechten Schreibgebrauch sieht es jedoch anders aus: Die „Schüler“ würden dann zu „Schülerinnen und Schüler“, zu „Schüler*innen“, zu „Schüler_innen“, „Schüler:innen“ oder „SchülerInnen“. Oder zu „zur Schule Gehende“, auch wenn sie zu Hause bleiben müssen. Inzwischen sind auch „Vater“ und „Mutter“, die kurzzeitig nach Gehör zu „Fata“ und „Muta“ mutiert waren, durch „Elter 1“ und „Elter 2“ ersetzt worden. Erkennen Sie den Unterschied? Wir haben es hier nicht mit einer neuen Rechtschreibreform zu tun.

 

Es geht keinesfalls um Rechtsschreibung, sondern um inhaltliche Vorentscheidungen zu Geschlechterfragen, die in die „öffentliche Schreibung“ implementiert werden sollen, um weitere Diskussionen zu dem Thema abzuwürgen.

 

Wenn ich das Fleisch nicht essen will, mag ich auch nicht über das Dressing reden

 

Hier zeigt sich, wie tückisch die Betonung auf „Schreibung“ und die Vermeidung des Wortes „Sprache“ war. Damit wurde so getan, als ginge es um eine eher unbedeutende Frage der Rechtschreibung, obwohl es in Wahrheit um die Einführung der gendergerechten Sprache geht, die uns feministische Denkmuster vorschreiben will.

 

Stellen Sie sich vor, Sie wären Vegetarier und würden regelmäßig in ihrem Lieblingslokal zum Mittag essen. Eines Tages sagt der Kellner: „Das Fleisch, das Sie bestellt haben, kommt gleich. Welches Dressing möchten Sie: Knoblauch, Kräuter oder Mayonnaise?“ Dann sagen Sie hoffentlich: „Ich will nicht über das Dressing mitbestimmen dürfen, ich habe das Fleisch nicht bestellt und will es auch nicht essen.“

 

So lautet auch meine Antwort als Mitglied im P.E.N.: Über die Schreibweise von der Mayonnaise lasse ich gerne mit mir reden, da halte ich mich an das, was die Öffentlichkeit am besten versteht, doch ich will die gendergerechte Sprache nicht, die unter der falschen Flagge der „öffentlichen Schreibung“, mit der signalisiert wird, dass es sich lediglich um ein nachgeordnetes Problem der Schreibung handelt, abgesegnet werden soll, so dass man nachher in aller Bequemlichkeit sagen kann: Ja, ja, es gab da schon einige kritische Stimmen, aber eine Befragung der „Kolleginnen und Kollegen“ hat wichtige Bausteine ergeben, die der Rat für Rechtschreibung nun in seine Arbeit einbeziehen kann. Er kann nun Empfehlungen geben, die viel mehr als Empfehlungen sind, sondern Öl im Feuer.

 

Die Spaltung wird vertieft. Die Stimmung wird gereizter

 

Ich fürchte, dass es genauso kommen wird. Herr Götze ist, wie gesagt, Mitglied im Rat für Rechtschreibung, ebenso in der Arbeitsgemeinschaft Geschlechtergerechte Schreibung und außerdem im P.E.N. Er kann alle Türen aufhalten, damit ein Durchzug entsteht und die gendergerechte Sprache kräftig Wind in die Segel kriegt.

 

Dabei kann man jetzt schon erkennen, dass sich die Spaltung dramatisch zuspitzt, dass ein Diskurs immer schwieriger wird. Die Markierungen der „öffentlichen Schreibung“ sind längst zu Erkennungszeichen geworden, um nach dem armseligen Aschenputtel-Prinzip (die Guten ins Töpfchen …) die Gesellschaft zu spalten.

 

Wer die „öffentliche Schreibung“ nicht nutzt, gehört zu denen, auf die man mit dem Finger zeigt. Zu denen, die ausgestoßen werden. Zu denen, die man als zumindest rechtsgerichtet, wenn nicht gar als Gefahr für die Demokratie beschimpfen und wegen Diskriminierung verklagen kann. Eine Sprech- und Schreibweise, die sich frei hält von den Erkennungsmerkmalen der gendergerechten Sprache, gilt als „AfD-Sprech“.

 

Henning Lobin warnt uns: „Die ‚Neue Rechte‘ missbraucht die deutsche Sprache.“ Dabei besteht der Missbrauch hauptsächlich darin, dass die ‚Neue Rechte‘ sich der Gendersprache verschließt. Dahinter stecke, so Lobin, eine politische Agenda. „Die Ablehnung einer Gendersprache“, erklärt er, „stehe für eine traditionelle Vorstellung von Familie und Gesellschaft allgemein“. Das ist schlecht. Jedenfalls in seinen Augen.

 

Ich gehöre zu den Kritikern

 

Ich fürchte, dass es genauso kommen wird, wie ich beschrieben habe, weil Herr Götze mit einer deutlichen Vorentscheidung an die Sache herangegangen ist. Er nutzt demonstrativ die Doppelnennung und schreibt wiederholt „Kolleginnen und Kollegen“, was übrigens nicht alle im P.E.N. tun; manchmal kriegt man auch Schreiben, in denen die Kollegen „Kollegen“ genannt werden.

 

Auch die damalige Präsidentin Doris Ahnen im Rat für Rechtschreibung befand, dass der Rat in seiner Zusammensetzung eine hohe Pluralität aufweisen kann, was sie als „faires Angebot insbesondere an die Kritikerinnen und Kritiker“ bezeichnet hat. Ich verstehe das so, dass Kritik willkommen ist, sofern die Doppelnennung beibehalten wird, an die sich die meisten inzwischen gewöhnt haben (ich nicht).

 

Ich gehöre zu den Kritikern, die sich in einer Gruppe finden, die sich einfach „Kritiker“ nennt und in der es egal ist, welche geschlechtliche Identität jemand hat, der sich zu welchem Thema auch immer äußert.

 

Ich will einen Vorschlag zur Güte machen. Eingangs erwähnte ich, dass es in dem Fragebogen zur „öffentlichen Schreibung“ hieß , dass das literarische Schreiben „nicht betroffen“ ist.

 

Ein Attest für Literaten

 

Hier nun mein Vorschlag: Der P.E.N. stellt für seine Mitglieder ein Attest aus, das auch andere Schriftsteller beantragen können, die sich dem literarischen Schreiben verpflichtet fühlen. Denen wird bescheinigt, dass sie vom gendergerechten Schreibgebrauch befreit sind und in ihrer literarischen Arbeit, in ihren persönlichen sowie in allen sonstigen an die Öffentlichkeit gerichteten Schreiben ein und dieselbe Schreibung benutzen dürfen.

 

Dieses Attest könnte auch auf dem Handy geladen werden, so dass jeder, der so ein Freistellung hat, in Diskussionen, in denen die „öffentliche Schreibung“ der gendergerechten Sprache auch im Sprachgebrauch zum Ausdruck kommt, sich nach dem Vorzeigen des Attestes zu Wort melden und sich damit auf eine Art und Weise einbringen und kann, wie es zu seinen literarischen Arbeiten passt.

 

Wie wäre das?

 

 

Angriff auf das Individuum

Worum geht es bei der Cancel-Culture?

 

Spätestens jetzt hat es jeder mitgekriegt: Die Cancel-Culture verbreitet sich exponentiell und geht inzwischen so weit, dass sogar der mächtigste Mann des freien Westens aus den sozialen Netzen rausgeschmissen wird und selbst ihm, wie es immer heißt „keine Bühne“ mehr geboten werden soll. Nicht nur ihm nicht. Nicht erst seit dem 6.1. nicht. Man kommt kaum noch nach, die Fälle zu dokumentieren. Einer versucht es immerhin, Woche für Woche. Die FAZ spricht von 70.000 Twitter-Konten, die neuerdings gelöscht wurden. Wegen Verschwörungstheorien. Dazu gehört auch Kritik an Biden und der Verdacht, dass es einen Wahlbetrug gegeben haben könnte.

 

Um welche Fragen geht es?

Was steckt dahinter? Beim Kampf um die Redefreiheit geht es nicht etwa darum, wer reden darf und wer nicht. Es geht tiefer. Es geht in Wirklichkeit um zwei Fragen – um die Frage, ob ein Individuum überhaupt die Voraussetzung hat, verständlich zu kommunizieren und um die Frage, welchen Wert so eine Kommunikation haben kann.

 

 

So sieht es jedenfalls Jordan Peterson und er erklärt es in einem kurzen Ausschnitt ­ – von min 36.05 bis min 39.42 – aus einem langen Interview. Die deutschen Untertitel, die recht hilfreich sind, müssen Sie selber einstellen (an dem kleinen Rädchen in der Unterzeile). Es ist mir nicht gelungen, den Auszug so zu verlinken, dass die deutschen Untertitel automatisch übernommen werden.

 

Wie lautet die Antwort?

Wie lautet denn nun die Antwort, wie sie die postmodernistisch denkenden Studenten von heute auf diese beiden Grundsatzfragen geben? Sie lautet nicht etwa: Nein, ein Individuum kann gar nicht verständlich kommunizieren und eine solche Kommunikation hat sowieso keinen erkennbaren Wert – schlimmer noch: Sie tun so, als ob es so etwas wie ein Individuum überhaupt nicht gäbe. Grundsätzlich nicht. Die Abschaffung des Individuums ist in ihrem Denken bereits vorausgesetzt.

 

Die Vorstellung, dass es so etwas wie eine „freie Rede“ geben müsste, ist in den Augen der cancel culture worriors abwegig. Denn die Wertschätzung der freien Rede beinhaltet die Überzeugung, dass jeder von uns tatsächlich etwas zu sagen hat, dass jeder einzelne einen eigenen Wert hat, der seine einzigartige Individualität ausmacht. Die Existenz des Individuums wird aber grundsätzlich abgestritten. Es gilt nur noch die Zughörigkeit zu einer Gruppe – oder zu mehreren Gruppen.

 

Es geht damit um die tragenden Säulen der westlichen Werte

Damit entfällt auch die Vorstellung, dass durch den fairen Austausch von Positionen die Voraussetzung für sozialen Frieden geschaffen und eine gemeinsame Wahrheitssuche gestartet werden kann. Es geht also um nichts weniger als um die Grundpfeiler der so genannten westlichen Werte, um das Regelwerk unserer Zivilisation. Der „Krieg“, der „kulturelle Bürgerkrieg“ – oder wenn man es nicht zu drastisch haben will: der „Kampf der Kulturen“ – ist zugleich ein politischer, ein philosophischer und ein theologischer Kampf; einer, mit dem ein totalitäres System etabliert wird.

 

Wenn ich das in meinen Worten zusammenfasse, klingt es vermutlich weniger überzeugend, nicht so fundiert und anspielungsreich. Jordan Peterson kann es besser. Die deutschen Untertitel müssten obendrein noch mit Fußnoten angereichert werden. Wer nicht sowieso schon im Bilde ist, möchte womöglich eine Pause einlegen und ab min 37:50 beim Stichwort „Derrida“ kurz innehalten: Jacques Derrida, Logozentrismus, Phallogozentrismus.

 

Gruppen reden nicht miteinander. Wozu auch?

Doch das muss nicht sein. Es geht auch so. Halten wir fest: Wenn es sowieso kein Individuum gibt, dann brauchen wir auch keine freie Rede, denn alles, was jemand dann noch ist, besteht nur noch darin, dass er lediglich ein weiteres Mitglied irgendeiner Gruppe ist (ein Avatar), dessen Stimme genauso gut durch die von jedem anderen aus seiner Gruppe ersetzt werden kann.

 

Es besteht bei einer Gruppe überhaupt nicht das Interesse, jemandem zuzuhören, der nicht der eigenen Gruppe angehört. Zumal ein starker innerer Zusammenhalt solcher Gruppen, die sich sowieso erst neuerdings gebildet haben, nicht wirklich gegeben ist und ein Zusammenhalt hauptsächlich durch die Gegnerschaft zu anderen Gruppen aufgebaut wird (das habe ich in meinen Worten hinzugefügt, das sagt Jordan Peterson an dieser Stelle nicht so). Es findet jedenfalls kein fruchtbarer Austausch von Meinungen und Positionen mehr statt; jede Debatte wird automatisch zu einem reinen Machtspiel, in dem es nur noch darum geht, den anderen zu demütigen.

 

Die Wölfe sind wieder da

Ab min 38.28 lässt der deutsche Untertitel zwei Fragezeichen aufleuchten. Das Wort, das an dieser Stelle fehlt, lautet: „Hobbesche“. Der Hobbesche Albtraum, um den es hier geht (Thomas Hobbes, Homo homini lupus) markiert die gegenteilige Position zu der berühmten Vorstellung von Rousseau, dass der Mensch – besonders der Edle Wilde, der noble savage – grundsätzlich gut ist. Hobbes dagegen sieht in seinem ebenfalls berühmten – wenn auch nicht so beliebten – Albtraum den Menschen als Wolf, der zum Wolf des nächsten Wolfes wird. Heute geht es jedoch nicht mehr um den Kampf „Wolf – vs – Wolf“, sondern um „Rudel – vs – Rudel“. Durch die zerstörerische Kraft des Mobs wird das Licht der Aufklärung in sein Gegenteil verkehrt, die Wahrheit wird zur Gegen-Wahrheit, der Traum von der Eigenständigkeit des Menschen und seinem besonderen Wert wird zum Albtraum.

 

Es reicht, wenn Sie sich das Video bis min 39.42 anhören. Dann rauscht ein Zwischen-Applaus auf, als Jordan Peterson erklärt, dass ihn Studenten hassen, die in der kollektivistischen Weltanschauung gefangen sind. Vielleicht haben Sie aber Lust, das ganze Interview mit Dennis Prager bis zum bitteren Ende anschauen, wenn Peterson schließlich mit den Tränen kämpft und verliert.

 

Die Menschen sind nicht gut

Petersons Stimme machte schon von Anfang an den Eindruck, als wäre er nah am Wasser gebaut. Für meinen Geschmack ist der Ton des Gastgebers etwas zu feierlich: Er stellt Peterson mit dermaßen salbungsvollen Worten als „guten Menschen“ vor, dass der sofort auf die Bremse treten muss. Doch damit wird ein wunder Punkt angesprochen und am Ende des Gespräches wird schließlich die Wunde deutlich. Dennis Prager berichtet seinerseits davon, wie ihn strenge jüdisch-christliche Einflüsse schon in früher Jugend davon abgehalten haben, Menschen für grundsätzlich gut zu halten.

 

Video kills the radio star

Zum Schluss geht es um den spektakulären Medien-Erfolg von Peterson, der sich zumindest teilweise mit dem Video-kills-the-radio-star-Effekt erklären lässt: Denn nicht nur Petersons Reden sind weltweit verbreitet, auch Bilder von ihm sind es. Er wird nun überall auf der Welt auf der Straße erkannt. In einem frühen Podcast erkläre ich den Gutenberg-Effekt des gesprochenen Wortes. Es kommen noch die bildhaften Eindrücke hinzu.

 

Im Jahr 1964 war es noch nicht so, dass sich Bilder so weit verbreitet hatten wie Töne. Das mussten die Beatles feststellen, als sie, um die Werbung für ihre Konzerte anzukurbeln, die Champs-Élysées auf- und abliefen in der Hoffnung, damit einen Menschenauflauf und womöglich eine Pressemeldung zu provozieren, wie wir es Jahre später in dem Film ‚Let It Be‘ vorgeführt kriegen – vergeblich. Sie wurden nicht erkannt, es gab so gut wie keine Autogrammwünsche und die Jungs fragten sich, wo eigentlich all die legendären jungen Schönheiten stecken, die man in Paris vermutet.

 

 

Der einzelne und das Massenmedium

Peterson dagegen wird erkannt, wo immer er hingeht, ob in einen Gemüseladen oder in ein Elektrogeschäft. Es halten sogar Autos an, weil die Fahrer ihn erkannt haben. Er ist ein Popstar ohne Musik. Die Möglichkeit der massenhaften Vervielfältigung von Bildern ließen ihn – um eine Formulierung von Günther Anders zu bemühen – in die „höhere Sphäre der Serienprodukte“ aufsteigen. Warum sprechen wir von einer höheren Sphäre? Weil durch massenhafte Reproduktion bei gleichbleibender Qualität die „Malaise der Einzigartigkeit“, mit der wir als fragiles Individuum geschlagen sind, scheinbar überwunden wird, als wäre jemand geradezu unsterblich geworden, wenn er so oft wie möglich fotografiert wurde und sich die Bilder so weit wie möglich verbreitet haben. Ein Medienstar wird so zu einem Phantom, zu einem Zwischenwesen zwischen Mensch und Bild.

 

Doch Petersons Rolle als Medienstar beißt sich mit dem Kern seiner Botschaft von der Einzigartigkeit eines jeden von uns und vom „göttlichen Funken“, den ein jeder in sich trägt. Für eine derartig sensible Person ist es eine glatte Überforderung, wenn sich die Welten berühren. Man konnte eigentlich damals schon vermuten, dass er demnächst unter einer übergroßen Last zusammenbrechen und auf irgendeine Art und Weise krank werden würde. Das kann man im Nachhinein leicht sagen, doch seine Dünnhäutigkeit war schon früh offensichtlich.

 

Glücklicherweise ist er wieder genesen. Unglücklicherweise ist die Cancel Culture inzwischen auf das nächste Level aufgestiegen.

 

 

 

 

 

 

Die Geschichte des Buches

 

„I’ve never been to Africa, but it comes up in my dreams…“

adss01Ich war tatsächlich noch nie in Afrika gewesen, als ich Raphael Schell in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts – So lange ist das her! – bei einer off-documenta-Ausstellung in Kassel traf. Er hatte seine Erlebnisse auf großen Bildern festgehalten, aus dem Gedächtnis, auf Bauplatten, auf die er ein Stück Leinwand getuckert hatte.

Die Bilder hatten ein Geheimnis; es fehlten die Menschen. Es sah aus, als wären es Tatorte, von denen man hastig alle Leichen weggeschafft hat, um ja keine Spuren zu hinterlassen. Alle Bilder mussten noch erklärt – oder sagen wir mal: sie mussten noch illustriert werden, auch wenn sie schon bunt waren.

Raphael fing an zu erzählen:

Vor mehr als zwanzig Jahren war er Mitglied einer gewaltfreien Aktion, die verbotene Bücher auf einem Segelschiff nach Namibia bringen wollte, um so die Unterdrückung durch Zensur und Apartheid anzuprangern und letztlich zu Fall zu bringen. Er hatte ihm noch den Belegnagel von seinem geliebten Schiff, der Golden Harvest. Er hielt immer noch Nachtwachen.

 

Auch als er mir seine Erlebnisse auf etwa 40 Kassetten gesprochen hatte (was ich an dem Rand der psychischen Erschöpfung adss02brachte), war er lange nicht fertig. Er lebt in Kassel, aber ist immer noch in Afrika.

Weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte, hab ich ihm den Stoff abgekauft – richtig mit Vertrag und Geldüberweisung. Es hat nicht viel genützt. Ich konnte lange nichts darüber schreiben.

Weil Raphael immer noch nicht über Lagos, nicht über San Antonio hinweg war. Es war zu viel für ein einziges Leben. Dabei war er noch jung gewesen, voller power, love and energy, nicht mal volljährig. Er kommt aus dem Landesinneren und liebt das Meer- wie wir alle, mehr oder weniger. Bei ihm war es etwas mehr. In seiner Familie wurde schon gespottet, dass er ein Opfer der Schlager von Freddy Quinn geworden ist. So wurde er zum Jungen, der nicht so bald wiederkam.

 

Ich habe noch einen Überlebenden getroffen. Hans lebt in Berlin. Man kennt ihn vielleicht vom Sehen: Er stand immer nachts am Bahnhof Zoo mit der neuesten Ausgabe der „taz“. Hans spricht nicht so viel wie Raphael. Er hatte so viel erlebt, dass er nicht einfach adss03zurück nach Deutschland kommen konnte, nach allem was passiert war. Immerhin hatte er eine Kiste mit Briefen, Zeitungsartikeln und Protokollen aufgehoben.

Darin sind die siebziger Jahre protokolliert – es ist meine Zeit, ich war auch so jung wie die Helden damals. Ich erinnere mich noch sehr an all das politisch Denken und Träumen. Damals gab es das Wort „Gutmenschen“ noch nicht, aber „relevant“ und „Spätkapitalismus“. Ich bin auch Kriegsdienstverweigerer. Mit der Mappe von Hans war es nicht mehr nur die Geschichte von Raphael, sondern: talkin‘ about my generation.

Natürlich liebe ich Bücher – ich war sofort überzeugt von diesem book project und hätte da selber gerne mitgemacht, wenn ich es gewusst hätte. Es ist eine wunderbar poetische Idee: Auf einem Segelschiff reisen junge Menschen aus verschiedenen Nationen in Richtung Namibia – mit Büchern an Bord. Ein friedliches Bild. Doch die Bücher sind Sprengstoff.

 

Wenn Südafrika, das den Hafen von Walfish-Bay beanspruchte, diese Bücherspenden an Land ließe, wäre ihr Unterdrückungssystem von Kontrolle und Zensur eingebrochen wie ein Damm, der ein Leck hat. Wenn sie dagegen die Einfuhr verweigerten, was sie adss04eigentlich nicht könnten, zumal die Crew eine UN-permission hatte, würde sich Südafrika vor der Weltöffentlichkeit blamieren. Letztendlich könnte man die Menschen sowieso nicht davon abhalten, Bücher zu lesen.

So wie Donovan bekanntlich einen Aufkleber auf der Gitarre hatte THIS MACHINE KILLS (von Woody Guthrie abgeguckt, bei dem es der Zusatz FASCISTS gab); um die Gefährlichkeit solcher Lieder wie ‚Universal Soldier‘ zu betonen, so könnte so ein Sticker auch auf so manchem der Bücher geklebt haben (deren Besitz mit fünf Jahren Gefängnis bestraft wurde) – Bücher, die im Schafspelz einer non-violent action, Fahrt aufgenommen hatten Richtung Namibia.

Doch es genügt nicht, Bücher zu lesen. Sie verführen einen ja, selber etwas zu erleben und die Welt kennen zu lernen. Zuerst war ich in The Gambia. Mir war sofort klar, dass ich da noch mal hin muss. Da wieder diese Intensität wie von den Kassetten von Raphael – es war alles too much, mehr, als ich hätte träumen können: Es war zu heiß, alles ging viel zu langsam; die Menschen kamen einem zu nah, man musste sie einfach lieben und fürchten.

 

Als Schriftsteller hat man eine Einsamkeit, über die ich an dieser Stelle nicht lamentieren will – nur so viel: Wenn man versucht, in Afrika alleine zu reisen, kommt man nicht weit. Ich habe es versucht. Zuerst in Togo. Es war gerade Valentinstag. Ich freundete mich mit einem Mann an, der – zufällig – auch Valentin heißt. Mit ihm war ich im Hafen und bereiste Benin. Er braucht dringend Geld, er nimmt auch Gebrauchtwagen. Also, falls zufällig jemand …adss05

Es kam noch schlimmer. Lagos erreichte ich mit Verspätung gegen die dringende Empfehlung des ‚lonely planet‘-Reiseführers, der lapidar bemerkt: „Don’t arrive at night!“ Ich hatte mich vorbereitet und verschwiegen, dass ich Schriftsteller bin, aber ich hatte mir nicht vorgestellt, dass sie mich verhören würden wie ein Verbrecher. Mein Gepäck wurde nur deshalb nicht gefilzt, weil es gar nicht da war.

 

 

Ein Uniformierter brüllte mich an – (offenbar der normale Umgangston): „I give you one advice: go back now!“ Dann lauter, als wäre ich begriffs-stutzig: „I told you to go back now!“ Es gab Warnungen, dass man kein Trinkgeld geben dürfte (ich hatte extra Dollars in den Schuhen) – Defaulters will be arrested. Was nun? Meine erste Nacht verbrachte ich auf dem Sofa der Drogenfahndung. Am Morgen hatte ich neue Freunde, die mir versicherten, dass Jesus mich liebt.

Fela Anikulapo Kuti wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen und war wieder in den Schlagzeilen, wie damals, als das schwarze adss09Schiff in Apapa einlief. Ich habe seinen Laden aufgesucht und sein Buch ‚Why Blackmen Carry Shit‘ gekauft. Man durfte sich nicht setzen und nicht länger als 10 Minuten der Musik zuhören. Es war auch nicht gestattet, politische Diskussionen zu führen. Sein Shrine war nicht zugänglich, der ganze Compound war von Polizisten umstellt.

 

 

 

Später war ich in Cape Town – im ehemaligen Feindesland. Hier gibt es inzwischen so eine Bibliothek mit Büchern zur wahren Geschichte, mit true african thinking, black heritage – Bücher, die dem neuen Afrika zur eigenen Identität verhelfen können. So wie es Fela Kuti gefordert hat und vor ihm schon Dr. Kwame Nkrumah. Hier war genau so eine Freiheitsbibliothek, wie sie die Friedenspiraten so gerne schon in den 70er Jahren errichtet hätten.

In einem Internet-Café habe ich gleich nach den beiden peace-ships suchen lassen, nach ‚Golden Harvest‘ und ‚Fri‘ (die auch vor Mururoa kreuzte und schon in den 30er Jahren Juden aus Deutschland raus brachte). Die Schiffe waren schließlich Vorkämpfer so einer Freiheitsbibliothek. Dann habe ich mich in die kleine Karoo-Wüste zurückgezogen zu Jans Rautenbach, einem Filmemacher, der an vielen Dokumentationen zur Geschichte Afrikas gearbeitet hat.

 

Es ist noch eine Geschichte aus einer Zeit, in der das Herrschaftswissen (wie man damals sagte) noch in Buchform transportiert werden musste. Da war Zensur noch möglich. Da galt auch das Buch noch etwas.

adss11Das Buchprojekt der Operation Namibia auf den beiden peace ships ‚Golden Harvest‘ und ‚Fri‘ war noch eines der letzten großen Auftritte in der Geschichte des Buches so wie wir es kennen …

Ich habe versucht, weitere Überlebenden aufzuspüren. Neuseeland ist klein. Die zweite Stimme am Telefon war die von Anna. Im Buch werden Babyfotos von ihr rumgereicht. Die große Anna hat ihre Poster von der Decke genommen, um für mich ein Moskitonetz überm Bett anzubringen. Sie hat ihren Eltern das Leben gerettet, weil sie ihretwegen die ‚Rainbow Warrior‘ verlassen hatte, eh sie vom Geheimdienst in die Luft gesprengt wurde. Ihretwegen hatten sie auch die ‚Golden Harvest‘ verlassen. Auch rechtzeitig.

 

adss12Ich war – nach fast sieben Jahren – so gut wie fertig mit dem Manuskript, da kam die Nachricht, dass Kris tot ist. Er hätte das Buch schreiben müssen. Er war der „responsible officer für press and public relation“ (zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, wie man auf deutsch sagt). Er hatte mir noch gefaxt, dass er immer noch davon träumt, so ein Buch zu schreiben, wenn er nicht Wichtigeres zu tun hätte – nämlich den Regenwald zu retten.

Es gab ein meeting REMEMBER KRIS in London. Da kamen sie noch mal alle zusammen. Es war sehr aufregend – und auch ein bisschen gruselig – für mich, all die Figuren aus dem Buch als richtige Menschen zu treffen (aber das gehört wieder zum Thema Einsamkeit des Schriftstellers). Erst wenig später habe ich mich in Tränen aufgelöst.

 

Das Treffen selber war recht nett: Es gab Nudeln, Weine aus Südafrika, wir haben seine Lieblingssongs aufgelegt, Fotos rumgehen lassen und Videos von Regenwald-Aktionen angeguckt. Es war wie bei einem Kamikaze Bodenpersonal reunion meeting. Ich kriegte das Logbuch der ‚Golden Harvest‘ zum Kopieren; ich habe Jude umarmt, und Barry hat mir vorgeführt, wie leicht er seine fünften Zähne rausnehmen kann (die dritten und vierten adss14hat er in Afrika eingebüßt).

 

Barry ist übrigens sicher, dass Kris ermordet wurde. Er will demnächst nach Südafrika. Da will er erforschen, ob nicht doch der Geheimdienst bei dem Buchprojekt mitgemischt hat. Denn Operation Namibia – wenn man sich das recht überlegt – konnte eigentlich nicht scheitern. Nun ist jedenfalls ein Buch daraus geworden. So wie ein Buch sein muss: ein Abenteuerroman mit richtigen Menschen.

 

The Killing of Jordan B. Peterson, Teil 2

 

 

Schon der Blick auf das Cover hatte mich enttäuscht. Das fängt gar nicht gut an, hatte ich mir gedacht. Und wie geht es weiter? Wie ist die Übersetzung?

Ich nehme mir mal eine Kostprobe aus dem zweiten Kapitel zur Brust, in der es darum geht, dass wir uns selbst erstaunlicherweise schlecht behandeln und beispielsweise Vorschriften von Ärzten in auffälligem Maße missachten. Peterson holt weit aus und schlägt zunächst die Bibel auf.

Zwei Gedanken, die er darin findet, sind uns womöglich nicht geläufig und behandeln die Frage, warum uns ausgerechnet die Schlange die Erkenntnis gebracht haben soll. Das kam so: Die Gefahr durch die Schlange hat uns aufmerksam gemacht und dazu geführt, dass wir eine erstaunliche Fähigkeit, Farben zu unterscheiden, entwickelt haben. Es war gerade diese „gottähnliche Sehkraft“, die es dem Menschen ermöglicht hat, nicht nur reifes Obst zu erkennen, sondern auch die Gefahr durch Schlangen so früh wie möglich auf dem Radar zu haben.

Diese Kraft wurde uns, wie es bei Peterson heißt, „by snake, fruit and lover“ gegeben. Es geht noch weiter. Der geschulte Blick reicht ein Stück weit in die Zukunft hinein. Die Bedeutung der Erkenntnis, die für uns dank der Schlange, dank Eva und dem Apfel möglich wurde, liegt in dem Bewusstsein der eigenen Verletzlichkeit, Nacktheit und Sterblichkeit und damit zugleich in der Entdeckung der Zukunft, der zuliebe der Mensch aufgrund seiner neuen Erkenntnisse Opfer bringt.

Wie sagt er das am besten? Peterson legt dazu einen gediegenen Slalom hin zwischen dem hohen Ton der Bibel (eternally sacrifice), einem immer wieder aufblitzenden Hang zur Abstraktion – als Professor kann er vermutlich nicht anders (for all contingencies and possibilities) – und einem gewissen Augenzwinkern, wenn er nahelegt, dass der Mensch womöglich masochistische Neigungen hat und Dornen mag. Es heißt bei ihm:

„God says something akin to this: ‚Man, because you attended to the woman, your eyes have been opened. Your godlike vision, granted to you by snake, fruit and lover, allows you to see far, even into the future. But those who see into the future can also eternally see trouble coming, and must then prepare for all contingencies and possibilities. To do that, you will have to eternally sacrifice the present for the future. You must put aside pleasure for security. In short: you will have to work. And it’s going to be difficult. I hope you’re fond of thorns and thistles, because you’re going to grow a lot of them.’”

 

Die Übersetzung ist für den Arsch

Ich hatte, bei aller Begeisterung für Petersons Sprache im aparten kanadischen Klangkostüm, stets gewisse Schwierigkeiten mit dem gehobenen Englisch und musste mich erst eingewöhnen. Auch Freunde von mir, denen ich Peterson ans Herz und auf den Nachttisch legen wollte, scheiterten an der Sprachbarriere. Doch nun liegt eine Übersetzung vor. Da lesen wir:

„Gott sagt sinngemäß: „Okay, Kollege, nachdem du die Alte einmal klargemacht hast, siehst du besser. Aber wer sich von Schlange, Frau und Co. helfen lässt, der kann wohl auch in die Zukunft gucken, habe ich recht? Und wer in die Zukunft gucken kann, der sieht auch die ganze Scheiße, die unter Umständen auf ihn zurollt. Aber Vorbereitung ist alles, sag ich mal, und deshalb sollst du von nun an keine ruhige Minute mehr haben. Für alle Zeit wirst du dich bequemen müssen, den wunderschönen Tag von heute einer unsicheren Zukunft in den Rachen zu schmeißen. Kurz und gut, du sollst ackern und rackern und dir den Arsch abarbeiten. Schön ist was anderes, das sage ich dir gleich. Aber vielleicht stehst du ja auf Dornen und Disteln, denn die kriegst du von mir gratis obendrauf. Nur damit du weißt, wo der Frosch die Locken hat.“

Wie kann man das ernst nehmen? Gott labert nicht. Er verwendet keinesfalls Füllsätze wie „sag ich mal“ oder „habe ich recht?“. „Scheiße“ und „Arsch“ gehen gar nicht. Das ist weder der Tonfall von Peterson noch der von Gott. Es ist nicht einmal der Ton der so genannten Volx-Bibeln in Jugendsprache, die dagegen vergleichsweise charmant sind. Es gibt durchaus Beispiele von geglückten Simulationen von Gesprächen mit Gott auf Augenhöhe, etwa die „Zwiegespräche mit Gott“ von Ahne, der damit auf den Lesebühnen Erfolge feiert. Es geht also. Man kann das machen. Doch dann muss man es richtig machen. Selbst an Kabarett-Standards gemessen ist die Version des Peterson-Übersetzers unter aller Sau.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Vokabel „shit“ in Petersons Schriften niemals auftaucht. Bei seinen freien Reden habe ich sie womöglich einmal gehört, als er statt „get your act together“ ausnahmsweise „geht your shit together“ gesagt hat, aber da könnte ich mich getäuscht haben.

Selbst wenn: „shit“ sollte man nicht mit „Scheiße“ übersetzen. Im Deutschen ist „Scheiße“ das ultimative Übelwort, das noch am ehesten dem englischen „fucking“ entspricht. Man würde also „the fucking car broke down“ mit: „Die Scheiß-Karre ist verreckt“ übersetzen – wenn man es überhaupt mit einem Text dieser Sorte zu tun hätte. Doch das haben wir nicht. So schreibt Peterson nicht. Es gibt Blogger, die extra und lustvoll so reden und schreiben. Peterson gehört nicht dazu.

 

So macht man Gelaber-Rhabarber

Der „Arsch“, den der Übersetzer da eigenmächtig hineingedrückt hat, ist ohnehin eine speziell deutsche Vulgarität, die buchstäblich „für den Arsch“ ist und in einem Text von Professor Dr. Jordan B. Peterson nicht nur unpassend, sondern richtiggehend schädlich ist. Toxisch, wie man in Feministen-Kreisen sagen würde. Es wirkt geradezu so, als wollte man ihm etwas antun und seine Sprache absichtlich niedermachen, seinen Sprachgestus vorsätzlich versauen.

Es steht so nicht im englischen Text. Der Übersetzer ist nicht etwa flüchtig über die Seiten hinweggehuscht. Er hat Extras hineingeschrieben. Er hat sozusagen Überstunden gemacht, um den Text zu verderben. Jedenfalls einer der beiden Übersetzer. Es gibt erstaunlicherweise zwei, die sich abgelöst haben.

An der Kostprobe ist noch mehr falsch; „Scheiße“ und „Arsch“ sind nur die beiden Knaller, die zuallererst ins Auge springen. In Petersons Text gibt es keine Bewertungen. Das ist ein wichtiger Punkt. Schlampige Bewertungen sind eine journalistische Unsitte, die inzwischen weit um sich gegriffen hat und immer weiter um sich greift, die sich bei einer literarischen Schreibweise jedoch verbietet.

Solche Bewertungen hat der Übersetzer mutwillig hinzugefügt. „Gegenwart“ ist im Original nicht etwa der „wunderschöne Tag von heute“, sondern einfach nur Gegenwart, und „Zukunft“ ist keine „unsichere Zukunft“. Im Gegenteil. Die Vorausschau, die das kluge Opfer mit sich bringt, soll ja gerade die Zukunft sicherer machen. Deshalb ist auch das Opfer nicht nur eine überflüssige Angewohnheit aus vergangenen Tagen. Opfer bedeutet so viel wie Planung und Vorsorge. Ein Opfer ist nicht sinnlos und keineswegs etwas, das einem nimmersatten Monster „in den Rachen“ geschmissen wird. Der falsche Zungenschlag verrät, dass auch der Inhalt nicht richtig verstanden wurde.

 

Ein einziger Brei für zahnlose Problemfälle

So entsteht der Eindruck, dass nicht nur Gott labert. Auch Peterson wirkt durch die Extras und aufgesetzten Flapsigkeiten geschwätziger, als er in Wirklichkeit ist. Die überflüssigen Verzierungen und vorschnellen Bewertungen, die wie Unkraut in seiner Prosa wuchern, lassen einen Plauderton entstehen, der billig und ungepflegt wirkt.

Was ist mit den „Dornen und Disteln“? Auch falsch. Sie sind bei Peterson nicht etwas, das uns Gott „gratis obendrauf“ gibt, sondern vielmehr etwas, für dessen Wachstum und Ausbreitung der Mensch selbst verantwortlich ist. Das ist nicht etwa ein kleiner, sondern ein großer, ein prinzipieller Unterschied. Er berücksichtigt die Frage der Verantwortung und beachtet, wer etwas tut und wem etwas angetan wird.

Doch hier wird wieder die feministische Nebelmaschine angeworfen, die alles in ein lähmendes, aber zugleich autoritäres Passiv einhüllt und keinen Urheber erkennen lässt. Man gerät in einen Modus, bei dem einem alles immer nur irgendwie zustößt; es gibt nichts, dass man selbst in die Hand nehmen könnte. Niemand ist für irgendetwas zuständig oder verantwortlich, die Sprache ist ein einziger Brei für zahnlose Problemfälle geworden und alle klagen, jammern und jaulen, dass sie immer nur Opfer sein müssen. Genau gegen diese Mentalität wenden sich Petersons Ratschläge zur Selbsthilfe.

Sehen wir weiter. Warum behandeln wir uns selbst nicht gut? Um diese Frage zu beantworten, geht Peterson zurück zu der Szene, in der sich Adam sinnloserweise hinter einem Busch versteckt, als Gott ihn ruft, und Adam dabei eine jämmerliche Figur abgibt. Peterson hängt ihm eine ganze Liste übler Eigenschaften an und fragt: Warum sollte man sich um so jemanden kümmern, auch wenn man als Geschöpf Gottes selber „dieses Etwas, dieses Wesen“ (that thing, that being) ist? Da hier Adam als Beispiel herhalten muss, ergänzt Peterson, dass das ebenso für Frauen gilt. Es liest sich bei ihm so:

Why should anyone take care of anything as naked, ugly, ashamed, frightened, worthless, cowardly, resentful, defensive and accusatory as a descendant of Adam? Even if that thing, that being, is himself? And I do not mean at all to exclude women with this phrasing.

In der deutschen Ausgabe heißt es:

„Warum sollte er anders mit sich umgehen, wenn er, wie wir gehört haben, so nackt und hässlich, verschämt und verängstigt, so wertlos und feige und mies und link ist wie seither sämtliche Nachkommen Adams? Wobei ich einfach mal so tue, als sei das generische Maskulinum noch gültig. Die Frauen hängen also fein mit drin in dem Schlamassel.“

Auch hier hat sich der Übersetzer im Ton vergriffen. Die kurze Bemerkung, mit der Adam als Ding und Wesen zugleich beschrieben wird, fehlt ganz, und in der umfangreichen Liste der schlechten Eigenschaften werden zwei wichtige unterschlagen: resentful und accusatory. Dabei kommt es gerade auf diese beiden an.

 

Ressentiment und falsche Beschuldigung

Das Ressentiment, das wir sogleich mit Nietzsche in Verbindung bringen, spielt wenig später bei Kain und Abel eine entscheidende Rolle und taucht bei Peterson immer wieder auf. Es ist so etwas wie ein Leitmotiv; man könnte es mit „Missgunst“ übersetzen. Auch die vorschnelle Beschuldigung anderer – accusatory – spielt eine bedeutende Rolle; in dem Fall war es Adam, der Eva beschuldigt hatte (Dieses Weib, das du mir gegeben …), was Peterson als Verrat des Mannes an der Frau ansieht.

Also: Ausgerechnet die wichtigsten Elemente der Liste der üblen Eigenschaften sind unter den Tisch gefallen. Dafür taucht das „generische Maskulinum“ auf, das da nicht hingehört. Was soll das? „Wobei ich einfach mal so tue, als sei das generische Maskulinum noch gültig …“ – soll das etwa heißen, dass es inzwischen nicht mehr gültig ist? Hier verbeugt sich der Übersetzer so tief und unterwürfig vor einem Modewort des Sprachfeminismus, dass ein Hexenschuss die gerechte Strafe wäre.

Peterson ist auf Welttournee: Amerika, Australien, Südafrika. Er hat es in Europa schon bis Dublin, bis Oslo und Helsinki geschafft, aber noch nicht bis nach Deutschland. Da scheint ein blinder Fleck zu sein. Es gibt in Deutschland keine Willkommens-Kultur für ihn. Hierzulande wird ihm ein schäbiger Fransenteppich ausgerollt. Die deutsche Ausgabe präsentiert ihn als Scharlatan. Sie ist lieblos aufgemacht und hat wahrscheinlich nicht nur die Macken, die ich stichprobenartig aufgezeigt habe.

Erstaunlicherweise fehlen auch die Illustrationen. Dadurch bleiben die Hinweise unverständlich, die sich darauf beziehen – was bei einem sorgfältigen Lektorat aufgefallen sein müsste. Aus dem Klappentext erfahren wir erstaunlich wenig. Dabei gäbe es viel zu sagen. Doch da heißt es nur lapidar: „Mehr zum Autor auf der englisch-sprachigen Webseite“. Ach so. Das muss einem natürlich gesagt werden.

 

Peterson steht unter strenger, missgünstiger Beobachtung

Es gab schon einige Vorab-Besprechungen, die nicht mehr im grünen Bereich waren. Peterson wurde vorgeworfen, dass er Verschwörungstheorien verbreite (welche auch immer), dass er männliche Privilegien verteidige, dass er gefährlich sei (warum auch immer …, für wen auch immer …), und dass er konservativ sei, womöglich sogar – ganz schlimm – rechts. Außerdem sei das nur Ratgeber-Ramschware, mit der er unberechtigterweise Millionen verdiene.

Dass Peterson übervorsichtig mit seiner Wortwahl ist, ist nicht etwa Besessenheit oder überzogener literarischer Anspruch. Es ist Notwehr. Er steht da wie in einer Krimiszene, in der man jemanden eine Pistole vor die Brust hält und sagt: „Kein falsches Wort! Keine falsche Bewegung!“ Er achtet notgedrungen auf seine Formulierungen. Die Häscher, Denunzianten und Sykophanten, die ihm unbedingt etwas anhängen wollen, stehen Schlange … da ist sie wieder: Die Schlange. Es gibt sie nicht nur im Paradies.

Peterson hat einmal gesagt: „I am very, very, very careful with my words“. Das war eine der raren Gelegenheiten, bei denen er – was er selten tut – ein Verstärker-Wort wie „very“ verwendete – und dann gleich dreimal. Normalerweise ist er streng. Knapp. Präzise. Punktgenau. Gerade das macht seine Texte gut. Der deutschen Ausgabe merkt man das nicht an.

Nach einem sprachlichen Kunstwerk sieht das nicht aus. Nicht auf den ersten Blick. Auch nicht, wenn man genauer hinschaut. Fußball-technisch gesprochen gehört Peterson in die Champions League, in Deutschland lässt man ihn in der Kreisklasse mitspielen.

 

The Killing of Jordan B. Peterson, Teil 1

 

Viele, viele Stunden habe ich schon mit Jordan Peterson verbracht: Er bei mir im Laptop, ich bei mir in der Küche. Ich möchte nicht sagen, dass ich ein Fan bin, weil das lächerlich klingt. Es ist ernst. Seine Art, die Welt zu sehen, bedeutet mir viel. Ich habe kleine Vorträge über ihn gehalten, Beiträge geschrieben, habe ihn live erlebt und finde immer wieder – obwohl meine Peterson-Phase nun schon Jahre anhält – neue Anregungen in seinen Videos.

Nun gibt es sein neues Buch auf Deutsch. O weh … schon der flüchtige Blick auf das Cover enttäuscht: Der deutsche Titel lautet „12 Rules For Life. Ordnung und Struktur in einer chaotischen Welt“. Warum kann man „12 Rules For Life“ nicht übersetzen? So schwer ist es nicht. Mein Vorschlag: 12 Lebensregeln. Und wieso heißt es im Untertitel „Ordnung und Struktur“? Reicht „Ordnung“ nicht? Gibt es etwa einen Unterschied zwischen Ordnung und Struktur, den man in diesem Zusammenhang beachten muss, oder ist das nur pseudo-intellektuelles Getue, damit es irgendwie kompliziert wirkt?

Was soll „Struktur“ an der Stelle? Struktur ist ein überstrapaziertes Angeber-Wort, das Anklänge an „strukturelle Benachteiligung“ und „strukturelle Gewalt“ mit sich bringt und mehr im Unklaren lässt, als erklärt. Es gehört da nicht hin. Ich vermute stark, dass es zu den Begriffen gehört, die Peterson, der sehr penibel in seiner Wortwahl ist und eine ganze Liste von Begriffen hat, die er meidet, „Struktur“ ebenfalls unpassend und störend finden würde.

Im Original heißt das Buch: 12 Rules For Life. An Antidote To Chaos. Damit sollen 12 Regeln dem Chaos gegenübergestellt werden. Wenn man das Buch kennt, weiß man, dass es um zwei Pole geht, die sich gegenüberliegen und dennoch aufeinander bezogen sind, wie in dem daoistischen Symbol von Yin und Yang. Die Gegenüberstellung wird durch das englische „antidote“ ausgedrückt. Im Deutschen steht sich nichts gegenüber, da haben wir stattdessen diese seltsame Doppelpackung „Ordnung und Struktur“, die wie eine Mogelpackung daherkommt und irgendwie in eine chaotische Welt eingebettet ist.

Klar sind die Begriffe jedenfalls nicht. Das passt nicht zu Peterson. Die Ungenauigkeit, die zur Geschwätzigkeit und letztlich zum Chaos führt, hat sich damit schon im Untertitel als bestimmende Kraft durchgesetzt.

 

Every cigarette kills

Dann folgt ein schlimmer Satz. Gleich vorne auf dem Umschlag: „Dieses Buch verändert Ihr Leben!“ „Every cigarette kills“. So war es auf Zigarettenpackungen in Australien zu lesen – lang ist es her, es muss 1998 gewesen sein, als ich down under war. Es kam mir albern und übertrieben vor. Jede Zigarette? Immer? Müssten dann nicht längst alle Einwohner Australiens ausgerottet sein?

Bei uns hieß es zunächst „Rauchen kann tödlich sein“, nun steht da: „Rauchen ist tödlich“. Kann man das so sagen? Tödlich für jeden? Sofort? Aus der Möglichkeit wurde unbemerkt die Tatsächlichkeit. Inzwischen ist auch aus der Formel, dass jeder Mann ein „potenzieller Vergewaltiger“ sei, die Behauptung „Alle Männer sind Vergewaltiger“ geworden. Sie könnten es nicht nur sein, sie sind es. Auch die netten.

Es gibt Ratgeberbücher, die Hilfestellungen anbieten, die eventuell angenommen werden. Es gibt Lektüre, die uns gefällt, vielleicht sehr gefällt. Von manchen Büchern sagt man, dass sie dem einen oder anderen Leser geholfen hätten, sein Leben zu verbessern, es zu ändern. Dieser Leser wäre dann allerdings auch der Einzige, der so etwas verkünden dürfte. Und es wäre dann eine Aussage, die mehr über diesen Leser als über das Buch aussagt. Ein Buch wirkt auf jeden anders.

Es gab mal eine Werbung für eine Seife, die von sich behauptete, dass sie auf jeder Haut einen anderen Duft entfalte. So ist das bei Büchern. Jedenfalls so ähnlich. Sie wirken nicht auf jeden in der gleichen Art. Deshalb gilt das Buch als das Massenmedium des Individuums. Darin liegt seine Stärke.

Wenn ein Leser sagt, dass ihm ein Buch gefallen habe, dann ist das für andere Leser uninteressant; die Wahrscheinlichkeit, dass es einem anderen ebenso gefällt, ist gering. Es sei denn, die beiden kennen sich – und kennen sich gut. Der berühmte Satz von Jean Paul, dass ein Buch ein langer Brief an Freunde ist, trifft es gut. Der Satz berücksichtigt die Eigenheit des Einzelnen und den besonderen Charme der Vertrautheit, den Bücher haben können.

Wenn es dagegen heißt: „Dieses Buch gefällt allen“ oder „Dieses Buch wird Ihnen gefallen“, bin ich verstimmt und denke: Wer sagt das? Kennt der mich überhaupt? Ist es ein Freund von mir oder jemand, der mich betuppen will und dem ich nicht vertrauen sollte? Ich will nicht in dieser Art angesprochen werden. Auch wenn ich gesiezt werde, habe ich den Eindruck, dass ich hier übervorteilt werden soll. Ich fühle mich nicht ernst genommen.

Das liegt schon daran, dass unklar bleibt, wer spricht, mit welcher Berechtigung er das tut und wer eigentlich angesprochen werden soll. Die persönliche Aussage eines einzelnen Lesers über ein Buch ist unerheblich. Es sei denn, wir kennen ihn. Wenn im Namen aller Leser gesprochen und über sie verfügt wird, handelt es sich um einen Betrugsversuch.

 

Fehlstart mit einer Lüge

Es gibt Bücher – zumindest eines fällt mir ein –, da finden wir die Aufforderung, das Leben zu ändern, ausdrücklich im Titel formuliert: „Du musst dein Leben ändern“ von Peter Sloterdijk. Der Titel ist ein Zitat von Rilke. Könnte man nun über dieses Buch, das übrigens empfehlenswert ist, sagen, dass es tatsächlich unser Leben verändert? Könnten wir uns vorstellen, dass das Buch im Untertitel heißt: „Dieses Buch verändert Ihr Leben!“?

Nein.

Vorne auf der deutschen Ausgabe von Jordan B. Petersons „Weltbestseller“ steht es aber. Da heißt es tatsächlich an der Stelle, an der es im Original heißt: „One oft he most important thinkers to emerge on the world stage for many years. THE SPECTATOR“ auf Deutsch: „Dieses Buch verändert Ihr Leben!“

Ein Fehlstart.

Was stimmt hier nicht? Wir fassen damit das Buch an der falschen Stelle an. An der Stelle, an der im Original, wie es angemessen und sinnvoll ist, eine für den Leser interessante Aussage über den Autor („One oft he most important thinkers …“) zitiert und belegt wird, steht in der deutschen Ausgabe eine unbelegte und unwahrhaftige Aussage eines namenlosen Handelsvertreters über die Wunderwirkung des Buches, von der wir alle wissen, dass es die gar nicht geben kann. Der Spruch ist eine Lüge. Jordan Peterson wird uns als Quacksalber angepriesen.

Die wichtigste Regel in seinem Buch – um das gleich zu verraten – ist, die Wahrheit zu sagen, zumindest nicht zu lügen. Dazu gehört eine besondere Achtsamkeit gegenüber der Sprache. Das wäre zumindest ein guter Anfang, der ganz im Sinne Petersons wäre: Wir könnten uns abgewöhnen, Sachen zu sagen, die man so nicht sagen sollte, weil sie auch so nicht stimmen. Das ist es, was Peterson uns sagen will. Die Bewerbung seines Buches für den deutschen Markt verstößt von Anfang an dagegen.

 

Wer sagt was? Wer ändert was?

Schauen wir mal, wie Nassim Nicholas Taleb beworben wird. Da heißt es: „‚Taleb hat meinen Blick auf die Welt verändert.‘ Daniel Kahneman“. Hier fand auch eine Veränderung statt. Bei wem? Bei einem namentlich genannten einzelnen Leser, einem Leser von Rang, bei dem Nobelpreisträger Daniel Kahneman, der dem Satz Golddeckung verliehen hat, so dass ihn andere interessierte Leser ernst nehmen können. Die Veränderung, von der Kahneman spricht, ist außerdem wohldosiert: Verändert hat sich sein Blick auf die Welt, nicht sein ganzes Leben.

Wenn man es noch genauer fassen will, müsste man sagen, dass Kahneman die Veränderung nicht nur zugelassen, sondern willentlich selbst herbeigeführt hat, und ihm die Bücher von Taleb dabei eine Hilfe waren. So ist es richtig.

Eine Person – es muss ja nicht gleich ein Nobelpreisträger sein –, die von sich sagen könnte, dass Petersons Buch ihr Leben verändert hätte und sie es deshalb anderen empfehle, gibt es nicht. Es kann so eine Person auch nicht geben. Wer Peterson gelesen hat, würde anschließend nicht mehr so daherreden. Wer Peterson verstanden hat, weiß, dass Veränderungen durch eine freiwillige Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben erfolgen und dass man sie nicht anderen verabreichen kann.

„Dieses Buch verändert Ihr Leben!“ Der Satz ist nicht nur in der Sache falsch – mega-falsch, besser gesagt –, er steht auch im falschen Kontext. Stellen wir uns einen Hausbesetzer vor, der sich in die Belle Etage eingeschlichen hat, keine Miete zahlt und laute Musik spielt, auf dass das ganze Haus wackelt. So ist der Satz.

Verräterisch sind die fehlenden Gänsefüßchen, die an der Stelle nicht fehlen dürften, denn sie weisen einen Satz als Zitat aus und versichern, dass es einen Urheber gibt; einen, der die Verantwortung übernimmt, der – mit Taleb gesprochen – selber skin in the game hat und für sein Wort einsteht. Für so jemanden ist ein Platz in der Hierarchie des Covers reserviert.

Auf einem Cover ist die Reihenfolge der Namensnennungen so wichtig wie beim Abspann eines Films. Wer da einen oberen Platz einnimmt, beansprucht durch seine Position eine wichtige Rolle beim Auftritt des Buches. Der Satz „Dieses Buch verändert Ihr Leben!“ steht, um das noch einmal zu unterstreichen, nicht etwa auf einer abnehmbaren Banderole, nicht auf einem Beiblatt, sondern vorne drauf, als würde er zum Titel gehören oder wäre ein wichtiges Zitat.

Das Verschweigen von Urheberschaft und Zuständigkeit bedeutet zugleich eine Vertuschung von Machtstrukturen. Erwischt! Nun habe ich selber „Strukturen“ erwähnt, was nicht nötig gewesen wäre, ich hätte auch „Machtverhältnisse“ sagen können oder einfach nur „Macht“.

Peterson wird ein Bein gestellt. Schon bei seinem ersten Schritt in Deutschland muss er stolpern. Er ist mit seiner Forderung „Speak the truth!“ international bekannt geworden als Fürsprecher der freien Rede. In Deutschland wird er bekannt als jemand, dem man eine Lüge auf das Cover gedruckt hat. Eine Lüge, die es in der Originalausgabe nicht gibt. Es handelt sich um eine deutsche Besonderheit.

 

Viele kleine Lügen schaffen ein großes totalitäres System

Der Mensch hat nicht nur ein Sprachvermögen – was schon erstaunlich genug ist: Wenn man Kinder beobachtet, die sich Sprache aneignen, dann ist das immer wieder wunderbar –, wir haben darüber hinaus auch eine moralische Empfindlichkeit und ein Gespür für die Lüge.

Die ist sozusagen serienmäßig bei uns eingebaut. Wir spüren, wenn wir uns selbst und zugleich alle anderen mit unserer Ausdrucksweise betrügen und uns was in die Hosen- oder Handtasche lügen. Wir sind längst nicht so unaufmerksam und abgebrüht, wie uns nachgesagt wird. Wir bemerken einen Schwindel. Jeder merkt, dass da was faul ist und dass man so nicht reden sollte: „Rauchen ist tödlich“, „Alle Männer sind Vergewaltiger“, „Dieses Buch verändert Ihr Leben!“ Wir fühlen uns nicht wohl im Umfeld solcher Sprüche. Da tickt eine innere Alarmanlage.

Die grandiose Sprache ist ein bösartiger Virus, der sich immer weiter ausbreitet und uns in die Epoche eines neuen Totalitarismus begleitet, über die wir im Nachhinein sagen werden: „Wir haben alle gelogen. Jeder ein bisschen. Und wir haben es gewusst.“ So haben es Václav Havel und Alexander Solschenizyn rückblickend zusammengefasst. Bücher aus meinem Regal über das Leben unter dem Hakenkreuz haben beispielsweise Titel wie „Betrug war alles, Lug und Schein …“ oder „Lebenslüge Hitler-Jugend“. Alles Lüge. Alle haben mitgemacht.

Die Gefährlichkeit der Lüge liegt in der Verallgemeinerung, sie liegt in dem Fehlen von Zwischentönen und Mittellagen und damit auch in dem Fehlen von Kompromiss- und Friedensmöglichkeiten. Die Abstufungen sind jedoch entscheidend. Totalitäre Systeme bauen sich Schritt-für-Schritt-für-Schritt auf, durch kleine und kleinste Grenzüberschreitungen, die ständig nachverhandelt werden. Als klinischer Psychologe weiß Peterson, dass man ebenfalls kleine Schritte unternehmen muss, um da wieder raus zu kommen. Daher sind seine Ratschläge einerseits weitschweifig theoretisch begründet, andererseits praktisch umsetzbar und wirken auf den ersten Blick banal – wie etwa die Tipps, das Zimmer aufzuräumen oder Katzen zu streicheln.

 

Literarischer Hochleistungssport

Die genaue Wortwahl ist wichtig. An seinem ersten Buch Maps Of Meaning, das inzwischen auf Deutsch unter dem Titel „Warum wir denken, was wir denken“ erhältlich ist, hat Peterson fünfzehn Jahre gearbeitet. Er hatte sich dazu eine Disziplin auferlegt, die er von Hemingway übernommen hatte – früh aufstehen, schreiben, schreiben, schreiben, mindestens drei Stunden lang, täglich, keine Ablenkungen dulden –, nur dass Peterson bei der Gelegenheit auch noch darauf verzichtet hat zu rauchen und zu trinken. Er hat jeden Satz fünfzig Mal überarbeitet.

Eine Interviewpartnerin hatte sich davon schwer beeindruckt gezeigt und mochte es kaum glauben: Oha, ganze fünfzehn Mal hätte er also seine Sätze überarbeitet … Peterson unterbrach sie sofort: Er habe gesagt fünfzig Mal, nicht fünfzehn. Bei seinem zweiten Buch seien es allerdings weniger Durchgänge gewesen.

Von Hemingway heißt es, er hätte „Der alte Mann und das Meer“ vierzig Mal umgeschrieben; allein die erste Seite hätte er 140 Mal abgetippt. Die über tausend Seiten von ‚Krieg und Frieden‘ wurden sieben Mal in voller Länge abgeschrieben. Von Hand. Das ist Literatur als Hochleistungssport für Langstreckenläufer. Das gilt auch für Haruki Murakami. So ist Petersons Stil entstanden, sein Sound. Peterson ist gut trainiert. Er ist in Form. Er kann druckreif reden. Bei Interviews muss man ihn nur antippen, dann legt er los wie eine Sektflasche, die man gerade entkorkt hat. Auch das hat er lange geübt. Sonst könnten seine Vorträge nicht so spektakulär sein.

Er hätte so eine unscharfe Doppelung wie „Ordnung und Struktur“ nicht durchgehen lassen, schon gar nicht an so prominenter Stelle wie im Untertitel. Er hätte sich auch einen Satz wie „Dieses Buch verändert Ihr Leben!“ nicht verziehen, zumal er eine Bevormundung und Kollektivierung der Leserschaft enthält, die ihm zuwider ist. Da bin ich sicher, nach all dem, was ich von ihm gelesen und gehört habe.

Vladimir Nabokov hatte einst die gesamte erste italienische Auflage von „Lolita“ einstampfen lassen, weil er mit Nuancen in der Übersetzung nicht einverstanden war.

Wie ist die Übersetzung bei Peterson? Nicht schlecht. Dachte ich erst. Ich war zunächst sogar angetan von Formulierungen wie „Das geht gar nicht“, weil es mir so vorkam, als wolle man absichtlich hin zu einem lässigen und weg von einem akademischen Stil. Doch irgendwann konnte ich nicht mehr. Ich habe das Buch weggelegt und die Stellen mit dem Original verglichen.

Darüber schreibe ich morgen im zweiten Teil, damit nicht zu viel auf einen Schlag kommt.

 

Kleines Jordan Peterson Kino

 

Freunde von mir machen sich schon Sorgen um mich, weil sie den Eindruck haben, dass ich geradezu süchtig bin nach Videos mit Jordan Peterson. Eine Gleichgesinnte ( „Ähnlichgesinnte“ wäre besser, dieses umfassende Streben nach Gleichheit in allen Bereichen wird mir immer suspekter … also, anders gesagt: eine Freundin, die ebenfalls mit Hingabe Jordan-Peterson-Videos verfolgt) hat vorgeschlagen, dass wir beide eine kleine „Jordan-Peterson-Anonymus“-Gruppe bilden sollten. Ein Scherz. Anonym sollte es natürlich nicht sein. Inzwischen gibt es sogar solche Gruppen. Sie nennen sich Jordan-Peterson-meetups.

Ich bin kein Fan. Aus dem Alter bin ich raus. Doch Jordan Peterson ist für mich die größte Entdeckung seit … seit … seit … ja, seit wann eigentlich? Jedenfalls möchte ich hier eine kleine Einführung geben, natürlich nur roughly speaking.

 

 

Der neue Sokrates

Also … Wer ist denn nun dieser Jordan Peterson? Er ist der „Neue Sokrates“, der „Held der freien Rede“ – „the hero of free speech“ –, er ist die „Neue Vaterfigur auf youtube“. Im Ernst. Das sind nicht meine Worte. Ich zitiere nur. Ich wiederum finde: Er ist eine rhetorische Sportskanone mit Wanderprediger-Qualitäten. Ich fange mal ganz von vorne an. Für mich war es 2017, als ich meine ersten Vorträge gehalten und die ersten Texte über Peterson geschrieben habe.

2017 habe ich geschrieben: Prof. Dr. Jordan B. Peterson – Mitte fünfzig – ist klinischer Psychologe an der Universität Toronto. Schon seit Jahren stellt er seine Vorträge zum Thema Persönlichkeit ins Netz und hat damit so viele angesprochen – so viele hätte er niemals durch direkten Kontakt mit Studenten und Patienten erreicht. Er hat sich regelrecht zu einer Art Ein-Mann-Fern-Uni entwickelt.

Doch das sind nur die Beiträge von ihm selber. Die sehen auch entsprechend aus: wie selbstgemachte Videos eben. Obendrein gibt es Blogger und Online-Publisher, anonyme und nicht anonyme Fans, die aus seinen Vorträgen, Talkshow-Auftritten und diversen Interviews Szenen ausschneiden, neu mischen, womöglich mit Musik unterlegen, kunstvoll bebildern und kommentieren. Inzwischen gibt so unübersichtlich viel von Jordan Peterson im Netz, dass ich Schwierigkeiten habe, Leuten, denen ich davon vorgeschwärmt habe, einen geeigneten Einstieg zu empfehlen. Wo soll man anfangen?

 

Moment. Gleich geht es los!

Es ist für alle was da. Für alle, die sich die Sinnfragen des Lebens stellen und sich für Christentum, Buddhismus, Atheismus oder Islam interessieren. Auch für ein akademisches Publikum, das an Nietzsche und Kierkegaard erinnert oder die Widersprüche im Poststrukturalismus bei Derrida erklärt haben will, ist was geboten. Jordan Peterson ist ein Experte für totalitäre Systeme, die auf Lügen gebaut sind, und kann ergreifende Geschichten aus Auschwitz oder von den Lagern in Russland erzählen. Aus der Kenntnis der Funktionsweisen solcher Systeme und der Bedeutung, die der Sprache dabei zukommt, ist sein Postulat entstanden: Speak the truth.

Es ist zugleich ein Bekenntnis zum „Logos“ als ordnendem Wort im Chaos – und weiterhin zum Dialog, worin „Logos“ enthalten ist.

 

 

Du musst dein Leben ändern

Jordan Peterson ist zugleich eine Art Online-Therapeut mit einer erstaunlichen Anhängerschaft, die von ihm wissen will, wie man denn nun ein bedeutungsvolles Leben führen kann. Sie befolgen seine Tipps, versuchen ihr Leben auf die Reihe zu bringen und dokumentieren ihre Fortschritte in eigenen Video-Kanälen. Was tun sie?

Sie ändern ihre täglichen Gewohnheiten; sie machen Pläne, wie sie ihre großen Ziele in kleinen Schritten erreichen können; sie versuchen, nicht mehr zu lügen. Sie gehen zum Beispiel jeden Morgen eine Runde um den Häuserblock, räumen ihr Zimmer auf, lesen endlich die Bücher von Dostojewski, die Jordan Peterson ihnen empfohlen hat, und nehmen an seinem self-authorizing-Programm teil.

Was ist das nun wieder? Es ist ein Programm, das sich schon tausendfach bewährt hat und versucht, den einzelnen zum Autor seiner eigenen Lebensgeschichte zu machen auf der Grundlage der Auffassung, dass Schreiben und freies Sprechen die geeigneten Werkzeuge sind, um zu einem Selbstbewusstsein zu kommen, das nicht länger einer Täuschung unterliegt, das vielmehr den Weg zur Wahrheit ermöglicht, was wiederum das Gegenmittel gegen das unvermeidliche Leiden an der Existenz ist.

Bei Rilke heißt es: „Du musst dein Leben ändern“. Jordan Peterson versucht zu zeigen, wie es gehen könnte. Die Wahrheit zu sagen – speak the truth – ist allerdings hoch gegriffen, das ist zu anspruchsvoll für den Anfang. Wir sollten kleine Schritte tun und erst einmal aufhören zu lügen. Das heißt auch, wir sollen nicht alles mitmachen und so tun, als wären wir einverstanden.

 

Ein Geschichten-Versteher

In meinen eigenen Worten klingt das womöglich nicht so toll, es ist auch längst nicht so simpel, so handlich und gebrauchsfertig, wie es erscheinen mag. Man muss berücksichtigen, dass es mit der Wahrheit nicht so einfach ist. Es ist keineswegs so, dass wir sie schon hätten, wir suchen sie. Es geht auch bei dem Recht auf freie Meinungsäußerung nicht nur darum, die Herrschenden kritisieren zu können, vielmehr geht es um einen Mechanismus, der erhalten bleiben muss, damit sich Gesellschaft entwickeln kann.

Jordan Peterson ist ein faszinierender … nein, nicht etwa Geschichten-Erzähler, sondern Geschichten-Versteher – nicht nur ein Frauen-Versteher. Ausnahmsweise möchte ich hier das ansonsten von mir nicht so geschätzte Wort „Narrativ“ verwenden. Er sieht auch unsere Leben als eine Art Erzählung und aus den überlieferten Meta-Erzählungen, aus den alten Mythen und Archetypen filtert er die Hinweise heraus, die uns zeigen können, wie wir leben sollen.

Dazu werden neue Lichter auf die Geschichten aus der Bibel geworfen, auf das Leben Buddhas und überraschenderweise auch auf Szenen aus ‚Harry Potter’, aus ‚Pinocchio’ oder aus ‚König der Löwen’. Das sind die Erzählungen, die in uns schlummern. Hier werden die großen Fragen aufgeworfen:

Was will eigentlich ein Drache mit einer Jungfrau? Wozu braucht ein Frosch Gold? Warum suchen die Ritter der Tafelrunde ausgerechnet die dunkelste Stelle des Waldes auf? Warum versteckt sich der nackte Adam vor Gott hinter einem Busch, als wüsste er nicht, dass Gott durch Büsche gucken kann? Immer wieder werden wir aufgefordert, unseren toten Vater vom Grunde des Meeres zu retten – alles klar?

 

 

Willkommen im Jordan Peterson Kino

Wenn Sie mal einen Blick riskieren wollen. Ich habe absichtlich kurze Videos ausgesucht. Ich weiß, wie ungeduldig die Nutzer des Netzes sind. Ich bin auch so. Zum Einstieg ein superkurzes Video von Pordan B. Jeterson – von einem Fan – über ihn als Redner der besonderen Art. Ein Scherz, allerdings einer mit Nachwirkungen. Man muss immer wieder, wenn man später andere Videos von ihm sieht, daran zurückdenken.

Ja, er spricht apodiktisch. Nicht immer. Manchmal fällt er sich auch selbst in die Worte und in die Gedanken, fängt noch mal neu an, entschuldigt sich oder denkt leise vor sich hin. Wenn man ihm beim Sprechdenken zuschaut, hat man oft das Gefühl, Uraufführungen beizuwohnen.

roughly speaking

Im folgenden 8-Minuten-Video vom Blog ‚Bite-size-philosophy’, wo seine Vorträge in Häppchen aufgeteilt werden, heißt es: Leben ist Leiden. Wie gehen wir damit um? Das muss der einzelne entscheiden. Hier kommt der Hinweis auf Kierkegaard. Es folgen Ausführungen über die Ehe als Spiel, dessen Regeln man befolgen soll. Man ist bei diesem Spiel „all in“. Wie auch im richtigen Leben. Wieder die Frage: Wie kann man bedeutungsvoll leben? Die Integrität des Einzelnen ist die Antwort. Für den Einzelnen und für die Gesellschaft.

Leben ist Leiden

Das ist ganz großes Kino (8 Minuten) mit einem gewissen Kitsch-Faktor. Hier wird heftig auf die Tube gedrückt: Peterson goes to Hollywood, möchte man sagen, wenn man sich diese Aufmachung anschaut:

Peterson goes to Hollywood

Das reicht für heute. Nein. Halt. Eins noch. Was Frauen wollen. Das interessiert uns sicher. Zumindest knappe 5 Minuten lang. Zunächst geht es um „cultural appropriation“, also um die so genannte kulturelle Aneignung, die neuerdings an den Universitäten als Ausbeutung gesehen wird – wenn beispielsweise jemand bei einer Party mit großen Mexikohüten rumläuft und sich damit fremdes Kulturgut überstülpt. So sieht es heute aus, auch Yoga ist betroffen. Es geht weiterhin um Aggression und Hip Hop und über Frauen, die harmlose Männer hassen – aber was lieben Frauen? Was wollen sie? Das zeigt eine Auswertung ihres Umgangs mit dem Internet, wenn sie da ihre heimlichen Fantasien spazieren führen.

Was Frauen wollen

Was Frauen wollen, Teil 2

 

 

 

Jordan Peterson und der Krieg der Sterne

 

Was war passiert? Ein Professor in Toronto, der sich geweigert hat, gendergerechte Pronomen zu verwenden, wurde von Google und von YouTube gesperrt. Es handelte sich um Jordan B. Peterson. Der dachte zunächst, dass es sich um ein Missverständnis handelte. Keineswegs. Es war kein Versehen. Nun war es passiert: Das Imperium hatte zurückgeschlagen.

Wir befinden uns in einem neuen Krieg der Sterne, einem Krieg der Gender-Sterne. Was in Kanada das genderechte Pronomen ist, ist in Deutschland das kleine Gendersternchen*, das neuerdings auch – wie in Expert*innen – so ausgesprochen wird, dass man vor dem „innen“ eine kleine Pause macht, als hätte man sich verschluckt.

Auch hier befinden wir uns in einem Krieg der Sterne, auch wenn es vielen noch so vorkommen mag, als wäre es höchstens ein kalter Krieg. Ohne Verwüstungen. Ohne Opfer. Dann sollten wir nach Kanada schauen. Das tut dieser Text, der schon aus dem Jahr 2017 stammt. Dann können wir selber sehen, wie heiß der Krieg ist.

 

Worum geht es?

 

Es wirkt wie eine Kleinigkeit. Doch es ist ernst. Es geht ums Ganze. Sage mir, welches Pronomen Du benutzt und ich sage Dir, ob Du mein Feind bist. Was hat es mit diesen gendergerechten Pronomen auf sich? Warum ist es neuerdings in Kanada strafbar, sie NICHT zu verwenden?

Es gibt Menschen, die sich nicht eindeutig einem der beiden Geschlechter zuordnen können. Sie können sich allerdings auch keiner für alle gültigen Gruppenbezeichnung zuordnen. Manche nennen sie launig „Buchstabenmenschen“, weil sich diejenigen, die sich nicht richtig festlegen können, sich selbst mit einer lockeren Reihung von Buchstaben als „LGBTTQ“ bezeichnen – aber da bin ich womöglich nicht mehr auf dem neuesten Stand: Die Liste ist mal länger, mal kürzer, mal ist ein Q dabei, mal nicht, mal ein +, mal nicht, das T ist umstritten. Auch die Reihenfolge ändert sich. Eigentlich ist es überhaupt keine Gruppe, keine „community“, über die man sagen könnte, dass sie gemeinsame Interessen hätten. Im Gegenteil: Sie sind sich untereinander gar nicht grün.

Es geht um Schwerverbrecher

Grün sind lediglich ihre Fürsprecher – politisch gesehen. Viele sind rot. Auch wenn keiner genau sagen kann, wer diese LGBTTIler sind, wie man sie korrekt nennen soll und was sie überhaupt wollen, so kann man immerhin ihre Gegner klar ausmachen: Das sind böse, transphobe Menschen; Finsterlinge, die diese Minderheiten diskriminieren, marginalisieren, unterdrücken und ihnen – das wird ernsthaft so gesagt – ihre „Menschlichkeit“, ihre „Würde“ und ihre „Existenzberechtigung“ absprechen. Kurz: Es sind Schwerverbrecher.

Deshalb muss der Kampf gegen Transphobie mit aller Härte geführt werden. Deshalb drohen entsprechende Strafen. In Kanada gibt es neuerdings „human rights tribunals“, also Menschenrechtstribunale. Wer vor ein solches Tribunal gestellt wird, muss fürchten, dass ihm die Existenzberechtigung abgesprochen wird, dass er aus der Gemeinschaft ausgestoßen und in seiner beruflichen Existenz vernichtet wird.

 

Wie erkennt man Schwerverbrecher?

Die Schwerverbrecher erkennt man leicht. Man erkennt sie daran, ob sie ein gendergerechtes Pronomen gebrauchen – oder nicht. Ein neues Gesetz macht die Identifizierung von solcher Art von Schwerverbrechern möglich.

Jordan Peterson hatte das neue Gesetz von Anfang an kritisiert – in ungewöhnlicher Deutlichkeit. In einer Talkshow sagte er: Wenn er jemals wegen Nichtbenutzung des gendergerechten Pronomens verurteilt würde, würde er nicht zahlen, wenn er ins Gefängnis müsste, würde er in den Hungerstreik treten. Nein, er würde diese Worte, die ihm vorgeschrieben werden, nicht gebrauchen: „I am not going to use the words other people require me to use.“

Es geht nicht darum, dass man etwas nicht sagen darf, sondern dass man etwas sagen muss

Das Gesetzt heißt Bill C16. Peterson sieht darin einen bisher nicht dagewesenen Übergriff des Staates auf die „freedom of speech“, weil damit ein bestimmter Sprachgebrauch vorgeschrieben werden soll. Andere begrüßen das Gesetzt: Eine großartige Neuigkeit –  a „great news“ – nannte es der kanadische Premierminister Justin Trudeau, als die Vorlage den Senat passiert hatte, und fügte der frohen Botschaft ein neckisches „#LoveisLove“ hinzu. Denn ab nun war es illegal, jemanden aufgrund seiner Gender-Identität oder der entsprechenden Erscheinungsform zu diskriminieren: „Making it illegal to discriminate based on gender identity or expression.“

Das ist neu. Es heißt nämlich nicht – wie womöglich manche wohlmeinend glauben –, dass man niemanden wegen seines Geschlechts benachteiligen darf. Das war einmal. Die Zeiten sind vorbei. Von „Geschlecht“ (Sex) ist gar nicht mehr die Rede, sondern von Gender-Identität und ihren Erscheinungsformen. Eine Gender-Identität gibt man sich selbst (heute fühle ich mich irgendwie als Frau) und bringt diese selbst gewählte Identität beispielsweise mit dem Einsatz eines Lippenstifts zum Ausdruck. Wer „fluid“ ist – also mal männlich, mal weiblich im fließenden Wechsel –, macht das durch entsprechende Armreifen deutlich.

 

Die Gender-Sturmtruppen geben kein Pardon

Machen Sie nicht den Fehler, dies als Kuriositäten abzutun, denen man mit Humor und Gelassenheit begegnen sollte. Es handelt sich um Repressionen, die mit der ganzen Wucht der Staatsmacht und mit unkontrolliertem Hass seitens der Krieger für soziale Gerechtigkeit (social justice warrios) brutal durchgesetzt werden. Es ist kein Scherz.

Dass die Strafen unverhältnismäßig hart und die Masken der Zivilisation gefallen sind, hat sich womöglich schon herumgesprochen. Sehen Sie sich ab Minute 0:40 das Video an, das bereits auf der Achse veröffentlicht war. Da sehen sie, was das für Kämpfer sind, die sensiblen Umgang und Respekt einfordern und sich nun zusammen mit ihrem Premierminister über Bill C16 freuen: Aufgebracht schreien sie Jordan Peterson als „transphobic peace of shit“ nieder. Tamara Wernli sieht das als schlimmes Beispiel dafür, wie respektlos Studenten heutzutage sind. Es ist ein Beispiel für das Auftreten der Gender-Sturmtruppen.

Vielleicht wundert sich jemand. Es handelt sich bei dieser Trans-Community um eine verschwindend kleine Minderheit. Warum macht man ausgerechnet um so wenige Leute so ein großes Theater? Um die wenigen Leute geht es gar nicht. Die wenigen Betroffenen wollen die Sprachvorschriften, die nun zu ihrem Gunsten durchgesetzt werden, selber gar nicht. Sie unterstützen eher Jordan Peterson in seinem Widerstand gegen einen verordneten Sprachgebrauch. Jordan Peterson ist Psychologe, er kennt solcher Fälle und erhält überwältigende Zustimmung aus der „community“ (die, wie gesagt, gar keine ist). Als Beispiel habe ich ein Video herausgesucht, das schon im Titel alles verrät: I’m Trans, and I Love Jordan Peterson“.

Wie kann man es richtig machen?

Dennoch. Ihm wird vorgeworfen, dass er mit seiner Weigerung, genderneutrale Pronomen zu verwenden, die Universität unsicher mache, dass er das Wohlbefinden der „students“ (ich verwende hier den englischen Ausdruck, weil der gendergerechte deutsche Ausdruck noch in Arbeit ist) gefährde und dass er diese „students“ – das wird ernsthaft so vorgetragen – „missbrauche“. So wurde es öffentlich in der Talkshow gesagt. Dazu wurde live eine Transperson zugeschaltet, die sich allerdings für Jordan Peterson aussprach – egal. Die Vorwürfe bleiben: Jordan Peterson begeht mit seiner Weigerung, gendergerechte Pronomen zu gebrauchen, „Verletzungen von Menschenrechten“ und „Missbrauch“.

Die Kanadier sollen daher ihren Sprachgebrauch ändern. Alle. Bei jeder Gelegenheit. Denn ihr bisheriger Sprachgebrauch stellt neuerdings eine Diskriminierung dar. So sehen es jedenfalls die „Kämpfer für soziale Gerechtigkeit“. Es ist ein ungeheuerlicher Gedanke. Alle müssen nun umlernen. Alle müssen mit dem vertrauten Sprachgebrauch brechen und sich bei jeder Formulierung darauf achten, dass die damit keine Menschenrechte verletzen.

Eine Diskriminierung in der Sprache kann sich nämlich bei jeder Gelegenheit ergeben.

 

Keine Ausreden!

Das sieht man in einem Video von den Studentenprotesten: Jordan Peterson will auf die Frage, die eine weiblich klingende Stimme gestellt hat, antworten, wird dabei sofort unterbrochen und sagt genervt: „Let me talk to her“ – also: Lass mich doch mal mit ihr reden. Darauf fährt ihm diese weiblich klingende Stimme über den Mund und befiehlt: „Don’t call me that“: Nennen Sie mich nicht so. Nicht wie? Er soll sie nicht als „her“ bezeichnen, nicht als „sie“.

Sondern? Wie soll er denn sagen? Das dürfen sich die LGBTTIler neuerdings aussuchen. Dazu wurde in der erwähnten Talkshow eine kleine, vorläufige Liste eingeblendet: ze/zim/hir/em/per … Es ist nur eine vorläufige Liste, wie gesagt. Es gibt noch mehr Möglichkeiten. Unzählige. Jordan Peterson wollte einwenden, dass er sich die nicht alle merken kann. Das ließen sie ihm nicht durchgehen: Er könnte sich in seinem Handy Notizen machen. Als er das ablehnte, wurde ihm vorgeworfen, dass er faul ist.

Der Feind steht rechts!

Hier wird angestrengt ein Feindbild aufgebaut. Der Feind steht rechts. Der Feldzug der Advokaten der LGBTTLIler ist Teil des Kampfes gegen Rechts. Wer nicht für „#LoveisLove“ ist, gilt als auch in Kanada als Nazi. An der Sprache kann man Nazis erkennen. Auch Jordan Peterson wird in die rechte Ecke geschoben. Die „Kämpfer für soziale Gerechtigkeit“ versuchen es jedenfalls. So soll er sich dafür rechtfertigen, dass so viele „Nazis“ auf seiner Seite stehen.

Das ist absurd. Wenn man sich seine Videos zum Thema Persönlichkeit oder die über die Schrecken totalitärer Systeme ansieht (es gibt dermaßen viel von ihm Netz, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, Empfehlungen auszusprechen), erfährt man, was einen Menschen dazu bringt, sich wie ein Auschwitz-Wärter zu verhalten und wie man diese Entwicklung verhindern kann. Da könnten die schreienden „students“ noch was lernen.

Wie sieht es bei uns aus?

Einen solchen Krieg der Sterne haben wir bei uns nicht? Doch, doch. Vielleicht noch nicht in der Härte. Die kleinen Sterne haben wir inzwischen auch, liebe Leser*innen, das ist Ihnen sicher schon aufgefallen und Sie haben sicher auch schon bemerkt, wer sie nutzt und wer nicht. Wer sie nicht benutzt, ist rechts. Das ist leicht zu erkennen. Der Ton wird schärfer. Die Strafen werden härter. Der Kampf gegen Rechts wird mit Millionenbeträgen gefördert.

Inzwischen sind die Videos von Jordan Peterson wieder online. Beruhigend ist das nicht. Google hatte auf Nachfrage mitgeteilt, er habe gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen, ohne zu sagen, worin der Verstoß bestanden haben soll. Genau da liegt die Gefahr. Sie handeln willkürlich. Es war ein Warnschuss.

Der nächste Schuss kann jederzeit kommen und jeden von uns treffen. Dieser Text ist – wie gesagt – auf dem Jahr 2017. Seitdem sind die Sterne immer weiter auf dem Vormarsch, die Löschungen nehmen zu. Bei den Videos auf youtube, die nicht auf Linie sind, geht das Licht aus.

 

 

Tipps und Klicks zum Peterson-Podcast

Willkommen

zu den Fußnoten zum Podcast, in denen sich, wie Günther Anders meinte, sowieso das Wichtigste findet:

Hier ist ein Beispiel von einem Podcast in Überlänge – knappe 3 Stunden. Es zeigt ein Gespräch, das auf eine unbestimmte Reise geht und von Joe Rogan angeregt wird, der mit seiner Art von Interviews als Pionier dieses neuen Formats gilt und damit Millionen und Millionen von Klicks erreicht. Peterson berichtet hier von seinen Vorträgen. Er hat schon in über 100 Städten Vorträge gehalten (inzwischen sind es mehr), Deutschland ist immer noch ein weißer Fleck auf der Landkarte seiner internationalen Erfolge.

Hier ist so ein Vortrag über die 12 Lebensregeln (1 h, 30 m), der die Lektüre des Buches nicht ersetzt, man kriegt aber doch sehr viel aus dem Buch geboten. Der Moderator behauptet am Anfang, dass schon Petersons erstes Buch ein großer Erfolg war (was nicht stimmt), das neue, um das es hier geht, ist es allerdings. Keine Sorge. Der Ton fällt am Anfang kurzfristig aus. Dann wird es doch noch recht unterhaltsam.

Hier ein Vortrag (2 h, 40 m), von dem jeder etwas mitnehmen kann, an dem er noch lange was zu knabbern hat. Worum geht es? Um das Selbstbewusstsein des modernen Menschen, um Hierarchien, um Postmodernismus, um Adam und Eva, Macht und Marxismus. Es geht um die Moral im Spiel bei Kindern und um Tiere. Weitere Stichworte sind: das Paradies und unsere Vorstellung davon, Kain und Abel, das Leiden als Voraussetzung des Seins. Es geht weiterhin um Unterdrückung, um Opfer, um die Zukunft, um Orwell und um die russische Revolution. Darüber hinaus geht es um die so genannte Pareto-Verteilung (ganz wichtig!), um die tatsächliche Situation des Proletariats, um das Ethos der Arbeiterbewegung und um Identitätspolitik.

Außerdem geht es um alles, was wir immer schon mal wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten: um Gutmenschen, um Nietzsche, um Nihilismus, um den Gulag, Castro und den Beinahe-Atomkrieg. Außerdem um den großen Sprung vorwärts, um Mao, um Vorurteile, um Sexualpartner, Huxley und Rassismus. Es geht um unbewusste Vorurteile, um die 3 Irrtümer der Postmodernisten, um Piaget (ganz wichtig!), um Hierarchien, um den „Mantel des Vaters“, um den Logos, um Individualität und um den Staat.

Wenn wir schon dabei sind, es geht außerdem um das Genderparadox, um Harvey Weinstein und um Intersektionalität. Wir erfahren, dass der einzelne die ultimative Minderheit darstellt und was es mit „white privileges“ und den „Big 5“ auf sich hat.

Und! Das Beste an diesem Überangebot: Es gibt deutsche Untertitel, die von Johnny Rockermeier eingerichtet wurden, dem ich bei der Gelegenheit große Verdienste um die Verbreitung von Petersons Gedankenwelt im deutschsprachen Raum bescheinigen möchte.

Nach einer Sicherheitsdurchsage kommen endlich die Fragen aus dem Publikum, die nicht mehr mit Untertiteln versehen sind. Nach fast zwei Stunden ist Bingo. Vorher kommt noch Dante zum Zuge und die schlimmste aller Höllen (was könnte das sein?). Es geht um Zensur, um Killerroboter, die sich von Menschenfleisch ernähren und um religiöse Offenbarungen, die durch Drogen hervorgerufen werden.

Here is the take-away: aim for peace, not for winning.  Wer es nicht schon ahnte, nun kommt es endlich ans Tageslicht: Wir erfahren, warum Trump gewählt wurde.

 

So hat alles angefangen:

Hier ist eine Vorlesung – fast zwei Stunden – über Existentialismus, Dostojewski, Nietzsche, Kierkegaard, Alchemie … Ich habe das Beispiel ausgesucht, weil es auch hier deutsche Untertitel gibt, die recht gut gelungen sind (ich habe selber mal versucht, Untertitel zu seinen Videos zu machen, und kann das beurteilen: Hier hat sich jemand wirklich was dabei gedacht und sich Mühe gegeben).

Als Peterson mit seinen Vorlesungen mehr als eine Million Zuhörer fand, kam ihm der Gedanke, dass er damit mehr Menschen erreicht, als das durch den Betrieb der Universität. Das Neue daran: Man kann die Vorträge hören, wann man will. Der einzelne kann entscheiden, wann für ihn der richtige Zeitpunkt ist. Er kann das Tempo regulieren. Was er sonst nur beim Buch konnte.

Noch ein Vortrag (1 h, 20 m), in dem es immerhin u.a. um Hitler geht, was uns womöglich mehr interessiert als alles andere. Allerdings gibt es hier keine deutschen Untertitel, nur automatisch erzeugte englische, die gelegentlich mehr irritieren als nützen:

Auf der Achse ist Peterson ein ständiger Gast mit den Folgen 112 Peterson. Auch mit meinen Beiträgen. Meine Kritik an der Übersetzung ins Deutsche und an der reißerischen Aufmachung im ansonsten durchaus empfehlenswerten Goldmann-Verlags, die ihn geradezu als Scharlatan erscheinen lassen, wurde bei den Besprechungen bei Amazon wegen „Obszönität“ wieder entfernt.

Die Beiträge von Johnny Rockermeier finden sich, wenn man den Namen anklickt.

Schlaglichter, die einen Einblick in sein Denken geben, kann man in kleinen Dosen in dem Magazin Cato unter dem Titel „Boy meets girls“ finden.

 

 

Das Neue zuerst

 

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Frau ohne Welt, Teil 2

zum Buch

über das Buch

 

Soeben ist der zweite Band von ‚Frau ohne Welt’ aus der Trilogie zur Rettung der Liebe erschienen. Er behandelt den „Krieg gegen das Kind“. Dazu gibt es eine eigene Seite: ‚Frau ohne Welt’, auf der es auch um den Sprachfeminismus und die Möglichkeiten eines Geschlechterfriedens geht. Da ich auch Kinderbuchautor bin (dazu gibt es die Seite ‚Blaubär und Bananenbieger’, auf der auch die Wahrheit über Käpt’n Blaubär verraten wird), berührt mich das Schicksal der Kinder, die in eine lieblose Welt, in der man sie mit Orientierungsproblemen der Erwachsenen schädigt, hineingeboren werden.

 

 

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Turm der Lieder und Lügen

zum Buch

über das Buch

 

Auch für das Buch ‚Turm der Lieder und Lügen’ gibt es eine eigene Seite, sie heißt: ‚Turm der Lieder’. Da gibt es Lieder und Texte über Liedermacher, sowie einige kleine Texte von den Brettern, die möglicherweise die Welt bedeuten.

 

 

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Günther Anders: Die Zerstörung unsere Zukunft

zum Buch

über das Buch

 

Gibt es Krieg? Diesmal mit Atomwaffen? Als damals die Angst vor so einem Krieg in Europa umging und es bei uns so etwas wie eine Friedensbewegung gab, erschien das Günther Anders Lesebuch, das ich zusammengestellt hatte, nachdem ich in Hiroshima war und meine Eindrücke verarbeiten wollte. Ich hatte Angst vor einem Krieg. Angst vor der Atombombe. Nach dem Unglück in Fukushima ist das Buch unter dem Titel Die Zerstörung unserer Zukunft neu erschienen. Die Texte, die ich seither dazu geschrieben habe, habe ich hier zusammengestellt.

 

 

 

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Joseph Haydn: Passione – Leidenschaft

zum Buch mit CD

zum Projekt Haydn 2032

 

Mein Beitrag zu diesem langfristig angelegten Projekt besteht darin, für die Neuaufnahmen der Werke von Haydn jeweils einen Text zu schreiben, der versucht, das Lebensgefühl der Zeit, die Person von Joseph Haydn und sein Umfeld zu beschreiben. Die musikwissenschaftlichen Kommentare zu den – wie man sagt – „historisch informierten“ Aufnahmen schreibt Christian Moritz-Bauer. Wir arbeiten zusammen. Wir haben Giovanni Antonini nach seinem Konzept befragt und historische Tatorte besucht. Ein besonderes Extra der Sonderausgaben sind die fantastischen Fotos.

 

 

Also …

„Music was my first love“, singt John Miles. Das kann ich von mir nicht sagen.

Für mich galt immer schon: Frauen und Kinder zuerst. Was dann? Literatur, Musik … klar, Musik gehört zu den Wundern dieser Welt.

Als Hörer bin ich stiller Genießer und gieriger Allesfresser. Nur schlechte Musik mag ich nicht.

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