„Unter Freunden“ 2022

 

Ja, das hat mich dann doch erfreut. Gerade für die letzte Folge in diesem Jahr hat es besonders wohlmeinende Kommentare gegeben:

Damit kann ich guten Mutes zurückblicken auf 28 Folgen meiner Sendereihe UNTER FREUNDEN und auf ein halbes Jahr beim Kontrafunk:

Zwei Vorstellungen hatte ich im Sinn, als ich dieses „Format“, wie man es unter Medien-Leuten nennt, ausgebrütet habe. Es ist schon eine recht spezielle Form des Gespräches, bei dem es vor allem darauf ankommt, in welchem Geist es stattfinden, unter welchem Stern es steht – kurz: dass es auch ein Gespräch wie UNTER FREUNDEN ist.

Dabei habe ich einerseits an das bekannte Zitat von Jean Paul gedacht, der meinte, dass ein Buch „ein langer Brief an Freunde“ sei, und andererseits an das Bekenntnis von Thomas Jefferson, der sich vorgenommen hatte, dass er einen Unterschied in politischen, philosophischen oder religiösen Ansichten niemals als Grund sehen würde, deswegen eine Freundschaft aufzugeben.

Das war einmal. Ich weiß: Heute sieht das anders aus. Die Welt des Buchhandels ist keineswegs so, wie Jean Paul sich das gewünscht hat. Heute zerbrechen Freundschaften schon am falschen Sprachgebrauch. Ein freundliches Lächeln verschwindet hinter einer Maske. Heute finden überhaupt keine richtigen Gespräche mehr statt. Es gibt keine Unterhaltungen mehr UNTER FREUNDEN. Weder unter Freunden, noch im Rundfunk. Es gibt keine gute Unterhaltung unter missgünstiger Überwachung.

Ich weiß es selber: Ich habe hier von Idealen aus einer anderen Zeit geträumt. Aus einer anderen Welt. Doch es gibt solche Ideale. Es gab sie zumindest. Sie sind nicht neu. Sie sind bereits in der Welt. Es sollte sie wieder geben. Es sollte sie gerade dann geben, wenn sie dem nervösen Zeitgeist nicht gefallen.

Daher passen sie auch zu einem Sender, der sich „Kontrafunk“ nennt, „die Stimme der Vernunft“. Wenn jemand gegen etwas ist (zum Beispiel gegen die Lüge, oder gegen schlechte Unterhaltung …), dann ist er deswegen nicht gegen alles. Wer das Ideal der Aufklärung – die praktische Vernunft – ernst nimmt, ist so vernünftig, dass er weiß, dass Vernunft nicht alles ist. Wer sich den Humor erhält, wird nicht zum Fundamentalisten.

Es gibt Hörer, die zumindest in einer Hinsicht so sind wie ich: Sie haben sich alle Sendungen angehört. Sie haben schnell gemerkt, wie unterschiedlich die Gespräche sind und dass sie dennoch etwas haben, das sie alle verbindet: mein Bestreben, gute Unterhaltung in Form von guten Unterhaltungen UNTER FREUNDEN anzubieten. Aus der Fülle des Lebens. Aktuell – und gleichwohl über den Tag hinaus. Deshalb werden die Gespräche archiviert.

Hörer, die sich alles angehört haben, ist es nicht leicht gemacht worden. Die Möglichkeit zum Nachhören musste sich erst entwickeln und funktioniert immer noch nicht auf allen Kanälen. Ich habe selbst immer wieder Links verschicken müssen, um Leute mit der Nase auf die Sendungen zu stupsen – mit den Ohren, besser gesagt. Ich bin selber auch so. Für mich ist das Internet immer noch ein Urwald. Ich habe also gute Gründe, meinen Hörern für ihre Geduld und ihre Aufmerksamkeit zu danken: Danke schön!

Meine Sendereihe „Unter Freunden“ kann man jeden Donnerstag um 20.05 Uhr auf Kontrafunk hören. Um 23.05 gibt es eine Wiederholung. Sowie um 08:05 und um 11:05 am nächsten Tag. Die Sendungen werden auf Facebook geteilt und auf Youtube, und sie werden auf der Seite des Senders archiviert. Es gibt eine Schaltfläche auf der Seite rechts oben (neben „Start“), die „Nachhören“ heißt. Da findet man leicht alle Folgen von „Unter Freunden“. Man findet sie auch auf dem Balken mit der Inschrift „Talkshow“.

Mein Dank gilt ebenso den Helfern, die sich mit der neuesten Technik auskennen und mir mit Ratschlägen, die eigentlich ganz leicht zu befolgen waren, in der Not beigesprungen sind. Das gilt besonders für einen – für Peter Dams, der im Ruf steht, „ein Reparierer“ zu sein. Ohne ihn wäre ich im Urwald verloren gegangen.

Und dann danke ich meinen Gesprächspartnern. Es heißt zwar immer „die Stimme der Vernunft“, aber es ist nicht nur eine, es sind in Wirklichkeit viele Stimmen. Und was für welche! Mögen sie uns weiterhin in den Ohren klingen. Hier sind sie noch einmal aufgelistet:

 

Im Jahr 2023 geht es auf der nächsten Seite weiter.

 

Folge 28

Chie Ishii

Heinz Erhardt – wie wir ihn noch nicht kannten

Ein Glücksfall: Die japanische Konzertpianistin Chie Ishii lernt Marita Malicke kennen, eine der Töchter von Heinz Erhardt, von dem sie noch nie gehört hatte. So kommt sie an bisher unbekannte Noten aus dem Nachlass und lernt über den privaten Zugang – ohne irgendwelche Vorbehalte zu haben – Heinz Erhardt als ernsthaften Künstler kennen, als eigenständigen Musiker, als feinen Poeten und als großen Humoristen. So schenkt sie uns mit ihren Programmen einen neuen Heinz Erhardt und erinnert daran, dass der Frohsinn eine ernste Sache ist, und dass wir das Ernste nicht tragisch nehmen sollen.

 

Folge 27

Robert Baron von Berlershaut

Dada – was ist das denn?

 

Diesmal lade ich Sie ein in das Dada-Künstlercafé in Berlin, das nach dem Vorbild von Kurt Schwitters als „Merz-Begegnungsstätte“ dienen soll. Ich spreche mit Robert Baron von Berlershaut, der sich selbst als einer der letzten lebenden Dadaisten sieht, über die Geschichte und die Aktualität dieser Kunstrichtung, die sich stets allen Erklärungsversuchen entzieht. Er erzählt von den turbulenten Anfängen im Cabaret Voltaire in Zürich, von der Verfolgung durch die Nazis als entartete Kunst und den späteren Erfolgen in New York. Für ihn ist Dada ein umfassendes Lebensgefühl, ein Impuls für Freiheit und Innovation.

 

Folge 26

Ulrich Kutschera

E.T.A. Hoffmann und der Corona-Wahn

 

Es geht um ein heißes Eisen. Besser gesagt um zwei heiße Eisen. Ein heißes Eisen im übertragenen Sinne ist das neue Buch von Ulrich Kutschera mit dem Titel „Corona-Wahn. Schluss mit Virus-Angst, Ekel-Masken und Impf-Manie“. Darin geht es neben einer aktuellen Bestandsaufnahme zur Corona-Lage um das historische Brenneisen, mit dem das Universalgenie E.T.A. Hoffmann einst behandelt wurde. Gibt es da etwa einen Zusammenhang? Ja. Es führt eine heiße Spur von dem medizinischen Drama aus dem Jahre 1822 direkt zur Charité, von den Prinzipien von damals zu den Defiziten von heute.

 

Folge 25

Peter Losinger

Was lockt uns in die weite Welt?

Wovon träumen wir? Wovon träumt der Kapitän? Peter Losinger ist der richtige Traumschiffkapitän ­- nicht der aus dem Fernsehen. Er fuhr auf Frachtschiffen und war 30 Jahre lang Gala-Kapitän auf dem Kreuzfahrtschiff ‚Europa‘. Wir fragen uns, was das eigentlich für Träume sind. Ist es wirklich der Wunsch, die weite Welt kennenzulernen, oder ist es die Erinnerung an die eigene Kindheit und Jugend, die mit dem Kulturprogramm der Altstars auf hoher See simuliert wird? Wir sprechen über die großen Dramen und Legenden der Seefahrt, über den Untergang der ‚Titanic‘, über das Unglück der ‚Costa Concordia‘ und über die Meuterei auf der ‚Bounty‘.

 

Folge 24

Mathias Lück

Der Wald ist nicht gestorben, er gibt uns neue Kraft

Zusammen mit dem Waldpädagogen und Liedermacher Mathias Lück gehen wir zweimal in den Wald. Der erste Spaziergang führt uns zugleich zurück in die 80er Jahre, in eine Zeit, als sicher war, dass der Welt stirbt. Mathias Lück erklärt den Trick, mit dem der Wald damals gerettet wurde. Er verrät auch, welche Kinderlieder heute nicht mehr gesungen werden sollen und was für Kinder das übelste Schimpfwort ist. Dann machen wir einen zweiten Versuch und gehen zum Baden in den Wald und versuchen, die heilende Kräfte auf uns wirken zu lassen und uns zu entspannen – bis der Wolf kommt.

 

Folge 23

Alexander Ulfig

Mit Mut und Eigensinn gegen die Quote

Der Philosoph und Sachbuchautor Alexander Ulfig ist in geistiger Nähe zu Immanuel Kant aufgewachsen und hat in seiner Heimat Schlesien Erfahrungen gemacht mit einem Weltbild, das sich am Kollektiv orientiert und das Individuum unterordnet. Das hat ihn zu einem entschiedenen Gegner von Quotenregelungen gemacht und hat ihm deutlich gemacht, welchen Wert Individuen haben, die sich für andere engagieren, und wie Ausnahme-Künstler wie Jimi Hendrix dabei als Vorbild dienen können. Er erzählt außerdem, was man von den Dissidenten in Polen und von deren Methoden lernen kann.

 

Folge 22

Maximilian Pütz

Die Leiden der jungen Casanovas

 

Die Männer sind in der Krise. Sie gelten als toxisch, als Mängelwesen, als Verlierer. Maximilian Pütz hilft ihnen mit seinen „Casanova Coaching“-Kursen, das nötige Selbstbewusstsein aufzubauen, um Frauen anzusprechen und zu verführen. Er nicht nur ein erfolgreicher Coach, er ist außerdem eine laute Stimme, wenn es darum geht, überdrehte Feministen zu kritisieren ­und den Unsinn der Corona-Maßnahmen. Das muss man als richtiger Mann auch. Denn, so meint er, in einer Notsituation zu schweigen, sei eines Mannes unwürdig.

 

Folge 21

Manfred Rosenboom

Wie lange wollen wir leben?

 

Der Schriftsteller Manfred Rosenboom erzählt die Geschichte vom Steinmännchen an der Marienkirche in Lübeck. Das ist die Figur von einem Kaufmann, der zur Zeit der Pest einen Pakt mit dem Tod geschlossen hat. Er kann nicht sterben, will aber auch nicht länger leben. Was geschieht? Er versteinert. Was sagt uns dieses Sinnbild vor dem Hintergrund der dramatischen Situation in den Alters- und Pflegeheimen? Ich spreche mit Manfred Rosenboom über Sterbehilfe und Lebenswillen, über frühen Sex und späte Lebensfreuden. Wir fragen uns, wie lange wir leben wollen ­und wie intensiv wir leben wollen.

 

Folge 20

Tammy Peterson

Nach der Jordan Peterson Show

Die New York Times nennt Jordan Peterson den „aktuell einflussreichsten Vordenker der westlichen Welt“, er ist auch einer der umstrittensten, der einerseits als der „neuer Sokrates“ verehrt und andererseits als Kritiker der woken cancel-culture heftig angefeindet wird. Seit Jahren ist er mit seinen Vorträgen auf Welttournee – nur in Deutschland war er bisher nicht. Gibt es da eine Besonderheit? In einem launigen backstage smalltalk gibt seine Frau Tammy ein Stimmungsbild von ihrem Termin in Berlin. Sie erzählt von den Hintergründen ihrer Tournee, den Protesten der Antifa und vom Umgang mit Anfeindungen.

 

Folge 19

Andreas Steiner

Sind wir einem Schicksal ausgeliefert?

Ist unser Leben vorherbestimmt? Folgt es einem Plan, der uns nicht bewusst ist? Können wir dem überhaupt entkommen? Ich spreche mit dem Psychotherapeuten, Autor und Zeichner Andreas Steiner über die Möglichkeit, die kindlichen Liebeswünsche, die etwas Gutes bewirken wollen, sich allerdings leicht zum Schlechten wenden können, in eine erwachsene Liebe umzuwandeln, die allen guttut. Es geht dabei um Elvis Presley, Ernest Hemingway, den Fluch des Kriegs und um den Schatten der Nazis.

 

Folge 18

Milosz Matuschek

Gibt es eine Versöhnung bei Menschheitsverbrechen?

Das sind große Worte. Große Fragen, die wir normalerweise liegen lassen. Nun kommen sie auf den Tisch. Milosz Matuschek spricht von einem, „staatlichen Menschheitsverbrechen“, von „millionenfacher schwerer Körperverletzung“, von einem „Großverbrechen“. Wir sprechen über den Film ‚Pandamned: Die Welt im Bann einer Pandemie‘‘ von Marijn Poels, den Milosz Matuschek initiiert hat – ein aufwändiger, anspruchsvoller und verstörender Film mit Überlänge, und wir stellen uns die Frage, wie bei einer derartig „monströsen Schuld“, eine Versöhnung möglich ist.

 

Folge 17

Markus Fiedler

Wikipedia – vom Gratis-Lexikon zum Denunzianten-Stadl

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Alle Informationen werden für jeden frei zur Verfügung gestellte, jeder kann sich an dem Projekt beteiligen und sein Wissen mit allen teilen. Markus Fiedler, der inzwischen zwei Dokus zum Thema erstellt hat und sich als Sachverständiger für Verschwörungstheorien sieht, weiß es besser: „Die Wikipedia war nie ein Lexikon. Sie war immer ein Denunziations-Werkzeug, ein Werkzeug zur Manipulation der Massenmeinung.“ Mit ihm werfen wir einen Blick auf die dunkle Seite dieses ach-so-unschuldig wirkenden Online-Lexikons.

 

Folge 16

Nils Kercher & Kira Kaipainen

Magie der Weltmusik

Weltmusik steht heute in der Kritik und muss sich rechtfertigen. Nils Kercher und Kira Kaipainen erzählen von Missverständnissen, von körperlichen Einsätzen, von der Mühe, sich mit fremden Kulturen auseinanderzusetzen und die Teile dann wieder zusammenzufügen. So konnten sie ihre eigenen Stimmen entdecken und zugleich einen gemeinsamen menschlichen Nenner finden, der die Kontinente und die Generationen verbindet. Es geht um Vorurteile, um Mythen, um Magie, um Tradition, um Sklaverei, um Beschneidung, um Trost und Hingabe und um eine Kraft, für die wir keine Worte haben.

 

Folge 15

Martin Betz über Christof Stählin

Die Sinne scharf stellen

Er wäre in diesem Jahr achtzig geworden. Christof Stählin ist ein vergleichsweise unbekannter, aber vermutlich einer der einflussreichsten Liedermacher gewesen, der uns nicht nur seine Werke hinterlassen hat, sondern obendrein eine Akademie – eine Schule, in der man eine Sichtweise erlernen kann, die an barocke Ideale erinnert und einem einen Blick auf die Welt ermöglicht, der von Gelassenheit und Dankbarkeit gekennzeichnet ist. Für Martin Betz ist es das Glück seines Lebens. Davon erzählt er.

 

Folge 14

Michael Klonovsky

Was macht das Leben lebenswert?

Gibt es ein gutes Leben im schlechten? Ein erfülltes Leben in einer Welt voller Mängel? Ein geschmackvolles Leben in einer Zeit voller Geschmacklosigkeiten? Michael Klonovsky ist ein Genießer, der es versteht, mit kleinen Dingen den Alltag zu verfeinern und er schwärmt für die große Kunst. Er kommt aus der DDR, „aus der Zukunft“, wie er sagt, und gibt uns anlässlich der Feier seines sechzigsten Geburtstages Empfehlungen für die mageren Jahre, die auf uns zukommen: Macht Kinder und trinkt Wein!

 

Folge 13

Hans Scheuerlein

80 Jahre Paul McCartney

Hans Scheuerlein, der „Musikliebhaber des halben Jahrhunderts“ schreibt Popgeschichte auf seine Art. Er blickt auf einen Zeitraum von fünfzig Jahren und wundert sich, dass sich die Begeisterung für seine Lieblingsplatten so lange gehalten hat. Speziell die Musik der Beatles hat sich als eine Art von Weltkulturerbe erwiesen, an dem sich Gefühlsleben von mehreren Generationen ablesen lässt. Wir reden über Verschwörungstheorien, Missverständnisse, versteckte Botschaften, über Adorno, über die Verteufelung der Russen und über das Geheimnis der fehlenden Liebe.

 

Folge 12

Ludwig Lugmeier

Verbrechen und Literatur

Wie passt das zusammen? Gut. Jedenfalls im Fall von Ludwig Lugmeier, der mit Überzeugung Verbrecher war und mit Leidenschaft Schriftsteller ist. Er erzählt, wie sein erster Einbruch zugleich ein Ausbruch aus einer beengten Welt war. Er spricht von seinem spektakulären Überfall auf einen Geldtransport, von seiner Flucht aus dem Gefängnis, vom wahren Glück, von der Faszination des Bösen, von bewegten und bewegenden Bildern, und – am Beispiel des Hochstaplers Jack Bilbo – von der Bedeutung der richtigen Bekleidung, wenn es darum geht, eine Rolle zu spielen.

 

Folge 11

Milosz Matuschek

Der Verrat an der Wahrheit, am Leser und an Julian Assange

In der Corona-Krise haben die Medien – auch die Qualitätsmedien – von Anfang an versagt. Der Jurist und Journalist Milosz Matuschek, der für die angesehene Neue Zürcher Zeitung Kolumnen geschrieben hat, zieht in seinem Buch ‚Wenn’s keiner sagt, sag ich’s‘ eine bittere Bilanz, der man kaum widersprechen kann: Die Presse war keine Hilfe, sie war ein bedeutender Teil des Problems. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als eine funktioniere Presse so nötig gewesen wäre, wie nie zuvor. Es wird einen harten Aufprall geben. Wir brauchen dringend die Wahrheit: gimme the truth!

 

Folge 10

Dietmar Bittrich

Das Chaos der Bahn als Schule des Lebens

 

Sei guten Mutes. Betrachte das Chaos der Bahn als Schule des Lebens! Dietmar Bittrich, der für bitterböse Satiren über misslungene Weihnachtsfeiern mit der buckligen Verwandtschaft und für das beliebte Gummibärchen-Orakel bekannt ist, zeigt in seinem neuen Buch, wie er von den Spitzen des schwarzen Humors zu goldenen Worten der Erleuchtung gefunden hat. Für ihn ist der Zustand der Bahn eine göttliche Fügung, die jeden Reisenden auf sich selbst und auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zurückwirft. „Bahnfahren macht glücklich“, lautet seine Losung. Na dann, viel Spaß.

 

Folge 9

Akif Pirinçci

Ein Autor, der nicht existiert

Kein Katzenjammer beim Erfinder der Katzen-Krimis. Der Autor sollte ausgelöscht werden. Der Buchhandel, der eben noch seine Bücher in Mengen verkauft hat, tut es von heute auf morgen nicht mehr, auch wenn die Bücher nicht indiziert sind. Die literarische Welt schweigt dazu – nicht ganz: Einige stimmen sogar noch in den Chor der Dämonisierungs-Aufrufe ein und befeuern ihn noch. Akif Pirinçci erzählt von seinem spektakulären Erstling, der Eigenwelt der Katzen-Krimis, seinen literarischen Vorlieben und seinem Versuch, allen Angriffen zu widerstehen und sich in neue Abenteuer zu stürzen.

 

Folge 8

Ulrich Kutschera

Und die Feinde der Biologie

Die Feinde der Biologie schlagen zu. Für sie ist Ulrich Kutschera ein Gegner, dem sie nicht argumentativ begegnen könnten, so dass sie zu anderen Mitteln greifen müssen. Dass er sich mit Kreationisten angelegt hat, wurde noch geduldet, doch seine Kritik am Genderismus hatte eine rote Linie überschritten und ihm heftige Feindschaft eingebracht. Ulrich Kutschera erzählt seinen Werdegang vom „Schlangen-Ulli“ zum Blutegel-Züchter, vom bösen Bio-Buhmann Nummer 1 zum internationalen Wissenschaftler von Rang – und er überrascht uns als Beinah-Popstar mit seiner Musik.

 

Folge 7

Gunnar Kunz

Die ganze Welt ist wie verhext

„Die ganze Welt ist wie verhext“, heißt es in dem Schlager ‚Veronika, der Lenz ist da‘, „die Mädchen singen Tralala“. So war das Lebensgefühl der Weimarer Zeit. Heute leben wir wieder in Zeiten, die uns vorkommen, als wären sie aus den Fugen geraten. Ich spreche mit dem Schriftsteller Gunnar Kunz, der uns den „Gender-Empathy-Gap“ erklärt und seine fast vollendete Roman-Reihe über die Weimarer Republik vorstellt, die er uns in ihrer Widersprüchlichkeit und Farbigkeit nahebringt. Dann können wir uns fragen, welche Lehren wir aus dieser wirren Epoche ziehen. Gleiten wir etwa wieder in einen totalen Staat ab? Sind wir durch moralischen Doppelstandard und der fortschreitenden Spaltung der Gesellschaft schon darauf vorbereitet?

 

Folge 6

Thomas Penttilä

Die spinnen, die Finnen

Was machen sie anders? Warum gendern sie nicht? Wie sieht es da mit den Corona-Maßnahmen aus? Mit Windrädern? Mit Integration? Mit Diskriminierung? Warum zahlen finnische Männer Unterhalt, deutsche dagegen nicht? Wie kann man die Bürokratie-Hörigkeit der Deutschen zur Kindererziehung nutzen? Ich spreche mit dem Langzeit-Politik-Aktivisten Thomas Penttilä, der beide Länder aus der Nähe kennt, über den seltsamen finnischen Tango mit deutschen Texten, über erstaunliche Unterschiede in der Familienpolitik, über finnischen Humor und über den beliebten Unterhosen-Rausch.

 

Folge 5

Lüül, Lutz Graf-Ulbrich

Danser encore – Tanzen auf der Straße

Lockdown. Das Leben liegt brach. Nicht ganz. Plötzlich wird im Süden Europas wieder auf den Straßen getanzt, obwohl gerade das nicht erlaubt ist. Mit Flashmobs und Straßenaktionen wird zu den Klängen von ‚Danser Encore’ die unverwüstliche Lust am Leben auf die Straßen getragen und eine neue Art des freundlichen Protests ausprobiert. Eine Tanzwelle schwappte damals über Europa von Portugal bis Russland – ja, sogar bis Südamerika und Afrika. Natürlich auch nach Berlin. Ich spreche darüber mit Lüül von den 17 Hippies, einem Weltstar der Straße, der bei solchen Aktionen im Hintergrund die Strippen gezogen hat.

 

Folge 4

Johann Leonard

Stasi West. Die Hinterlassenschaft von Anetta Kahane

Wir haben eine Meinungsklima-Katastrophe. Es fühlt sich fühlt sich so an, als müssten wir kuschen wie unter der Beobachtung der Stasi. Welchen Anteil haben Anetta Kahane und ihre Amadeu Antonio Stiftung an diesem Stimmungswandel? Wie kommt es, dass die Stasi-Methoden des Kontaktschuld-Vorwurfs und der Zersetzung durch Angriffe auf die Person weiterhin angewendet werden? Wieso stehen wir so schnell unter Verdacht, Antisemiten zu sein? Darüber spreche ich mit dem Journalisten Johann Leonard, der seinerseits das Wirken und Werden von Anetta Kahane beobachtet und beschrieben hat.

 

Folge 3

Sebastian Wessels

Was ist die Rote Pille? Können wir heute noch tanzen?

Was soll das für eine Pille sein? Ist damit womöglich eine neue Aufklärung gemeint? Sebastian Wessels hat die deutschen Untertitel zu „The Red Pill“ erstellt und spricht mit mir über die Hintergründe des Dokumentarfilms, sowie über Männerrechtler, Milo Yiannopoulos, Steven Pinker und über die weit verbreitete Vorstellung vom Menschen als unbeschriebenem Blatt. In seinem neuen Buch „Im Schatten guter Absichten“ geht es darüberhinaus um die so genannte kulturelle Aneignung und die postmoderne Wiederkehr des Rassendenkens. Da stellt sich dann schon die Frage, ob wir heute überhaupt noch tanzen können. Können wir das?

 

Folge 2

Christoph Gupta

Hinter den Kulissen der Multi-Kulti-Kultur

Ich habe den Vorhang ein wenig zur Seite gezogen und versucht, einen Blick einen Blick hinter die Kulissen der Multi-Kulti-Kultur zu werfen und habe mich bei der Gelegenheit gefragt, ob nicht hinter der Sehnsucht nach dem Fremden womöglich die Trauer über den Verlust des Eigenen lauert. Darüber habe ich mit Christoph Gupta gesprochen, der in einer Zeit, als es hieß „Multi Kulti ist tot“, erfolgreich gemischte Spektakel mit Bauchtanz, Flamenco und indischer Musik auf die großen Bühnen gebracht hat. Reibungen und Unstimmigkeiten sind ihm dabei natürlich nicht entgangen – dennoch: Er kriegt immer noch rote Ohren, wenn er an Paco de Lucia denkt und an das Glück, ihn kennengelernt zu haben.

 

Folge 1

Vera Lengsfeld

Die Sieben ist eine Glückszahl

Ich habe mit Vera Lengsfeld, die in diesem Jahr siebzig geworden ist, über ihr ereignisreiches Leben von siebzehn bis siebzig gesprochen. Vorab ging es kurz um die Corona-Maßnahmen, dann aber sofort um verbotene Liebe, Beat-Musik, Sibylle, das Graue Kloster, die Rolling Stones, „Leander Haußmanns Stasikomödie“, Bettina Wegner, Bienen und ihren Weg von den Grünen zur CDU. Es ging um die Nebenwirkungen der großen Koalition, ihr Verhältnis zu Angela Merkel, schließlich um ihren Ausstieg aus der Politik und der Besteigung eines aktiven Vulkans – als Zeichen, dass sie weiterhin mit einer eigenen Stimme aktiv bleiben wird.

 

 

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