Anders: Das Ungenügen der Anschauung

Die Geschichte des Günther-Anders-Lesebuches, das nun unter dem Titel ‚Die Zerstörung unserer Zukunft‘ neu erschienen ist, beginnt 1977 in Hiroshima, wo ich sah, dass ich nichts sah – oder besser gesagt: nicht genug sah.

„In Europa ist alles so groß, so groß, und in Japan ist alles so klein …“, so klang das Lied in mir nach. Das Mahnmal wirkte unangemessen klein, so rührend. Es war geschmückt mit bunten, aus Papier gefalteten Friedenszeichen, Mahnungen, Gebeten, Meditationen, Grüßen. Es sah aus wie ein Kindergeburtstag, der aus irgendeinem Grund ganz furchtbar traurig war.

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Anders: Die geheimen Zahlen

Die geheimen Zahlen

Eine Zahl hatte ich mir notiert: die Menge der Toten, die im Jahr zuvor – es war 1977 – an den Spätfolgen des Abwurfs gestorben waren, und zwar 0000. Ziemlich viele. Es schien eine wichtige Zahl zu sein, die ich berechtigterweise nutzen durfte, ich war schließlich selber vor Ort.

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Anders: Die Hände in Unschuld waschen

Die Hände in Unschuld waschen

Der Philosoph Günther Anders, der eigentlich Stern heißt, wurde bekannt durch den Briefwechsel mit Claude Eatherly. Darin erklärt er dem so genannten Wetter-Piloten, der in Hiroshima vorangeflogen war und „nur“ das Signal zum Abwurf geben musste, was er damit angerichtet hatte, und dass sein Leiden – Eatherly war inzwischen in einem Sanatorium – eine menschliche Regung war, die ihn auszeichnet. Anders wollte ihn für die Anti-Atom-Bewegung gewinnen, der Eatherly dann auch symbolisch voranfliegen sollte. In dem Briefwechsel ‚Off limits für das Gewissen’ erklärt er ihm in einfachen Worten die philosophische Dimension der Bombe.

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Anders: Hintergründe und Verhältnisse

Hintergründe und Verhältnisse

In letzter Zeit sind wir zweimal dem Wort „Panik“ über den Weg gelaufen in Zusammenhängen, die so unterschiedlich sind, dass man dafür gar nicht ein und denselben Begriff verwenden möchte. Da diskutierten wir eben noch über die ‚Panikmacher’ – so der Titel des Buches von Patrick Bahners, der im Interview noch deutlicher wird, und einzelnen Journalisten vorwirft, sie würden „Panik verbreiten“, durch die Art wie sie den Islam beschreiben.

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Anders: Mut zur Angst

Aber zur richtigen

‚Mut zur Angst’ – so lautet eine berühmte Formel von Günther Anders.

Die Gefahr der Vernichtung unserer Zukunft durch Atomwaffen ist so groß, dass wir es uns nicht leisten können, uns die vorzustellen. Deshalb tun wir es gar nicht erst. Die Gefahr ist übergroß. Die Impulse, die eine Angst bei uns auslösen und uns dazu bringen könnte, angemessen zu reagieren, sind nicht etwa „unterschwellig“, also zu klein, um wahrgenommen zu werden, sondern „überschwellig“, also zu groß.

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