Folge 169
Dr. Dr. David Berger
Confessiones

Sobald die Dinge ausgesprochen werden, so hat Robert Musil gesagt, verlieren sie ihre Macht über uns. In diesem Sinne äußert sich David Berger in einem ungewöhnlich intimen Bericht über seine Sünden, über exzessiven Drogenmissbrauch, über Sex-partys und seinen Bruch mit der Kirche. Aber auch darüber, wie er wieder zurückgefunden hat zum katholischen Glauben, der für ihn „Heimat“ ist, ein „Ordnungssystem“, eine Versöhnung mit der Kindheit. Berger spricht über die Bekenntnisse, die „Confessiones“, des Heiligen Augustinus, über Konstantin den Großen und über die Kraft im „Salve Regina“ steckt.
Er gibt außerdem Hilfestellung für die, denen der Zugang zum Katholizismus nicht so leichtfällt. Keinesfalls sollte man den Fehler machen, aufzugeben und mit Bitterkeit auf seine Verfehlungen zurückzublicken, vielmehr sollte man darin den Weg erkennen, auf den Gott uns führt. Er gibt uns die Freiheit, sich für das Gute und Wahre zu erscheinen und zu erkennen, dass der „Ausdruck der Wahrheit“ in der Schönheit liegt.
Folge 168
Dr. Kerstin Steinbach
Die „verhassten Bilder“ aus der „besseren Zeit“

Die von Dr. Kerstin Steinbach so genannte „bessere Zeit“ (von 1965 bis 1975) zeichnet sich durch ein Lebensgefühl aus, das aus heutiger Sicht geradezu märchenhaft wirkt: Man konnte angstfrei seine Sexualität ausleben, selbstbewusst nackt sein und offen seine Meinung aussprechen. Beendet wurde das kurze Glück durch die aggressive „Schwarzerei“, also durch die staatlich abgesicherten Vorstöße von Alice Schwarzer, die uns den gouvernantenhaften Frauenrat und ein „gängelndes“ Sexualstrafrecht beschert haben und durch Berufsverbote, die durch den Radikalenerlass von Willy Brandt möglich wurden.
Steinbach hat die „verhassten Bilder“ der „besseren Zeit“, in der Prostitution und Pornokonsum rückläufig waren, lustvoll dokumentiert, wehmütig kommentiert und historisch eingeordnet. Damals galt: „Lustsuche statt Geldsuche“. Bei Sachfragen sollte die Vernunft auf dem Richterstuhl sitzen, die Geschlechterfrage sollte keine Rolle spielen, die Politik sollte sich heraushalten. Das ist vorbei. Eine Rückkehr zu der „besseren Zeit“ wird es so bald nicht geben. Jetzt geht es, so Steinbach, darum, die Wiedereinsetzung der Verfassung zu erstreiten und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.
Folge 167
Peter Bickel, Johannes Clasen
Was können Impfopfer tun? Wie können wir uns versöhnen? Was ist die MWGFD?

Hinter der Abkürzung MWGFD verbirgt sich die Gesellschaft der „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie, e.V.“ Da haben sich prominente Mediziner und Wissenschaftler zusammengefunden, um eine alternative Darstellung der Corona-Problematik an die Öffentlichkeit zu bringen. Peter Bickel sieht sich als ihr „Internetsprachrohr“. Er hat auf Symposien erlebt, was Betroffene zu berichten hatten – er musste weinen – und hat gleichzeitig erfahren, dass die Öffentlichkeit dazu schweigt.
So hat er sich entschlossen, den Internetseite zu gestalten, die nun als Anlaufstelle für Impfopfer dient und zugleich ein Podium für unterschiedliche Beiträge bietet. Die werden von Johannes Clasen moderiert, der einerseits Fachleute zu Wort kommen lässt, die etwas erklären, andererseits Betroffene, die sich offenbaren. Für ihn ist eine „Sprachkultur im Sinne einer Aufarbeitung die absolute Basis“ zur Überwindung der Spaltung der Gesellschaft. Die MWGDF fordert einen „offenen Dialog“ mit „wissenschaftlichen Studien, die auch konkurrierende Ansätze berücksichtigen“. Doch es wird nicht nur gefordert und geklagt, auf der Seite der MWGFD finden sich Möglichkeiten zur Versöhnung und Beispiele, wie Betroffene ihr Schicksal in Liedern und Gedichten verarbeiten und versuchen, ihr Leid zu überwinden.
Folge 166
Christoph Felder
„A Single Day“. Vom Abenteuer zum Widerstand

Der neue Film von Christoph Felder zeigt die spektakuläre Geschichte des Soldaten Larry Colburn, der sich 1968 im Vietnamkrieg seinen eigenen Kameraden mit Waffengewalt entgegengestellt hat und so das Massaker von My Lai beenden konnte. Was er an einem einzigen Tag innerhalb von vier Stunden erlebt hat, hat sein gesamtes weiteres Leben geprägt. Mehr noch: Das Trauma hat sich auf seinen Sohn übertragen.
Für Christoph Felder ist es wichtig, dass der Zuschauer nicht mit einem schlechten Gefühl aus dem Kino kommt. Er zeigt uns eindrückliche Bilder, in denen Geschichten enthalten sind, die in den Köpfen der Zuschauer weitererzählt werden. Felder führt uns die Spätfolgen vor, die sich über Generationen hinziehen. Der Film kommt zur rechten Zeit. Denn auch wir stehen vor der Frage, ob wir nicht auch mit dem Kriegstrauma unserer Vorfahren belastet sind, und ob wir heute bereit wären, unsere Kinder in den Krieg zu schicken. Wie weit würden wir gehen, wenn wir uns im Ernstfall verweigern wollten? Der Fall Larry Colburn macht das Dilemma deutlich. Wir müssen uns in so einem Fall fragen: Welchen Preis muss ich zahlen, wenn ich Widerstand leiste? Welchen Preis muss ich zahlen, wenn ich keinen Widerstand leiste und einfach mitmache? Wie würden wir uns entscheiden? Sein Sohn bemerkt beiläufig, als wäre es eine Selbstverständlichkeit: „Von meinem Vater habe ich gelernt, wie wichtig es ist, für den Frieden zu kämpfen“.
Folge 165
Peter Priskil
„Der unbekannte Mark Twain“. Echter und falscher Rassismus

Mark Twain kennt jeder. Aber kennen wir ihn wirklich? Peter Priskil stellt uns einen Mark Twain vor, der „Schriften gegen den Imperialismus“ verfasst hat und als stellvertretender Präsident der „Antiimperialistischen Liga der Vereinigten Staaten“ aktiv war. Das ist bisher im Schatten unserer Aufmerksamkeit geblieben, auch sein Buch „König Leopolds Selbstgespräch“ wurde hierzulande kaum wahrgenommen. Stephan Heym hatte es 1967 übersetzt, es blieb dennoch weitgehend unbekannt. Peter Priskil hat vergessene und unterdrückte Texte gesammelt, kommentiert, illustriert und zu einem imposanten Buch zusammengestellt: „Der unbekannte Mark Twain“. Er gibt damit zugleich einen kleinen Überblick über die Weltgeschichte in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts.
Nun können wir Mark Twain nicht nur als großen Humoristen, sondern auch als großen Humanisten kennenlernen, der sich über Lynchmorde empört, über die Grausamkeiten bei der Eroberung der Philippinen und beim Boxeraufstand in China. Wir sprechen über Imperialismus, damals und heute. Über Rassismus, damals und heute. Über echten und falschen Rassismus. Und über den Triumpf des Humors, auch wenn es ein bitterer Humor ist.
Folge 164
Dr. Thomas Hartung
Woran erkennt man den neuen Faschismus?

Georg Orwell hat schon im Jahr 1944 in seinem Essay „Was ist Faschismus?“ festgestellt, dass der Begriff zum bloßen Schimpfwort verkommen ist. Für die Jahre nach der Wende kann Dr. Thomas Hartung den Befund bestätigen: „Wer alles Faschismus nennt, kennt keinen mehr“, sagt er und führt als Beispiel den Umgang mit dem Gedenken an Trümmerfrauen an. Hartung spricht von einer „Begriffsverwahrlosung“, die als Folge des übereifrigen Kampfes „gegen rechts“ entstanden ist und die sich auch da zeigt, wo man es nicht erwartet hat, wenn es etwa um Blutspenden, um die DLRG, um den Negerkuss oder Accessoires an Kleidungsstücken geht. Hartung sieht sich selbst als Bildungspolitiker, und man merkt ihm sein Engagement an, der „ungebildeten Gegenwart“ entgegenzutreten und die „Bildungslandschaft zu verändern“. Das tut er, in dem er für die AfD arbeitet und sich gleichwohl beim Verfassen seiner „Betrachtungen“, wie er seine Art der Essays nennt, einem künstlerischen Ideal verpflichtet fühlt und Freiräume für das eigene Denken schafft.
Folge 163
Achijah Zorn
Die freche Stimme aus der Kirche vom „blühenden Abstellgleis“

Bewegt sich da was in der Kirche? Oder steckt sie weiterhin tief im Gefängnis des Moralismus? Achijah Zorn bekennt sich ausdrücklich zur Tradition der evangelischen Kirche, er „liebt die Reformation“, hat aber das Problem, dass seine Kirche die Tradition nicht mehr lebt und ihn aufgrund einiger Vorfälle, von denen er berichtet, auf einem Abstellgleis entsorgt hat – auf einem „blühenden Abstellgleis“, wie er es nennt. Der erzwungene Ruhestand hat es ihm ermöglicht, mit Muße eine Blütenlese aus seinen Erfahrungen in einem Buch zusammenzustellen und er kann auch vom Abstellgleis aus „frech und frei“ seine Stimme erheben, womöglich sogar mit größerer Resonanz, etwa mit seiner Kolumne „Vorwort zum Sonntag“.
Er spricht davon, wie Gnade und Geborgenheit durch Moralismus verloren gehen, führt den Konflikt, der in der Geschichte des Christentums angelegt ist, auf Jakobus, und sogar auf den Sündenfall zurück. Achijah Zorn wendet sich an alle, die wie er ihre Zweifel haben und um Verständnis ringen: „Glaube ohne Zweifel wird fundamentalistisch“, sagt er, „aber der Zweifel ohne den Glauben führt zur Verzweiflung“.
Folge 162
Sebastian Grell
Freie Privatstädte. Was gibt es Neues?

Es scheint gerade eine Freiheit-Dämmerung zu geben. Es dämmert vielen, dass der Staat, wenn er immer weiter ausufert, mehr schadet als nützt. Da fragt man sich, ob es nicht auch ohne Staat geht und man stattdessen eine Gemeinschaft mit Dienstleistern auf der Basis von Freiwilligkeit schaffen sollte. Theorien dazu gibt es. Titus Gebel hat den Sprung in die Praxis gewagt und in Próspera und Ciudad Morazán in Honduras freie Privatstädte – so genannte Sonderentwicklungszonen - geschaffen. Sebastian Grell hat als „Botschafter“ dieser Idee ein imposantes Buch mit dem Titel „Was tun?“ vorgelegt und berichtet, was sich in letzter Zeit in den freien Privatstädten getan hat. Dabei spricht er überraschend von „Heimat“ und „Herzlichkeit“, um zu zeigen, dass es sich dabei nicht um Steuerparadiese handelt, sondern um vorbildliche Modelle „zum Nutzen aller“.
Folge 161
Bernhard Lassahn
„Hair“. Die Hymnen der Hippies von Liebe und Frieden

Zum Jahresanfang stellt uns Bernhard Lassahn die Musik aus einem der erfolgreichsten Musicals vor aus „Hair“, dem skandalösen Spektakel mit langhaarigen Nackten, in dem das Zeitalter des Wassermanns beschworen wird, das uns Wärme, Liebe und Frieden bringt. Da spüren wir den Geist von 68 mit allem, was dazugehört: dem radikalen Bruch mit dem Establishment, dem Protest gegen den Krieg, dem Verzicht auf Konsum und der spirituellen Neuorientierung. Lassahn stellt Piere Paolo Pasolinis Interpretation der „Sprache der Haare“ vor; lässt sich von Anke Ziemer erklären, was es mit dem Sternzeichen des Wassermanns auf sich hat, und verweist auf die Verfilmung des Stoffes durch Miloš Forman, der die Illusion der Blumenkinder aufzeigt und deutlich macht, dass „moralisches Recht nicht vor realer Macht schützt“. Dennoch: Der Protest war nicht wirkungslos und die Musik kann ein Zeichen der Hoffnung sein.